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#Im Anfang war das Ich

„Im Anfang war das Ich“

Rauch steigt wieder auf aus dem kalifornischen Montecito, wo Meghan und Harry drei Jahre nach ihrer Unabhängigkeitserklärung von den britischen Royals am Aufbau und der Kapitalisierung ihrer eigenen Marke arbeiten: als Medienprofis, zu deren Kernqualifikationen das Abschießen von Verbalgranaten quer über den Atlantik zählt. Dass das – immer noch – ein lohnendes Geschäftsmodell ist in der Aufmerksamkeitsökonomie unserer Tage, zeigen der Duke und die Duchess of Sussex gerade wieder eindrucksvoll.

Der Staub, den das Oprah-Interview im März 2021 aufgewirbelt hatte, weil in ihm das Königshaus als latent rassistisch und taub gegenüber der angeblich bis zur Suizidgefahr seelisch zerrütteten Herzogin dargestellt worden war, hat sich inzwischen gelegt. Nun geht wie ein Lauffeuer eine neue Horrorgeschichte von Meghan rund um den Globus: Sie handelt von einem Heizgerät in einer Unterkunft auf der im Dienst der Krone absolvierten Südafrikatour des Paars 2019, das in dem Zimmer, in dem ihr kleiner Sohn Archie hätte schlafen sollen, Feuer gefangen haben soll. Das Kind war, so Meghan, nicht im Raum, das Gerät schnell ausgeschaltet, die Erschütterung dennoch groß. Am Programmablauf der Tour wurde jedoch nichts geändert. In der Eröffnungsepisode ihres Podcasts „Archetypes“, der Teil eines angeblichen 25-Millionen-Deals mit Spotify ist – ein Me­dienberichten zufolge auf hundert Millionen Dollar bezifferter Netflix-Deal kommt obendrauf – machte die Herzogin die Story jüngst publik. Markiert wird die Erzählung von ihr als weiterer Beleg dafür, wie kalt auf makellose Außenwirkung statt empathisch auf gesunde innere Verfassung geeicht der Apparat des Königshauses ist. Die Kritik vom britischen Boulevard und in den sozialen Medien folgte prompt, auch aus Südafrika. Unter dem Hashtag „VoetsekMeghan“, den man freundlich mit „Hau ab, Meghan“ übersetzen kann, empören sich Internetnutzer vom Kap, die Herzogin mache ihr Land schlecht.

Sie sei zu ehrgeizig, habe es vor ihrer Hochzeit gehießen

Dabei hatte es in der knapp einstün­digen Podcast-Plauderei unter der Überschrift „The Misconception off Ambition“ mit Serena Williams, die von Meghan als „Tennis-Superstar, kulturelle Ikone und meine Freundin“ vorgestellt wird, vorgeblich um eine falsches Verständnis von Ehrgeiz ge­hen sollen, der Frauen weniger wohlwollend zugestanden werde als Männern – der aber unabdingbar ist für eine hart erkämpfte Spitzensportkarriere wie die gerade zu Ende gehende von Williams. Oder Meghans Karriere als Self-Empowernment-Influencerin nach Adelshochzeit? Die Herzogin sieht Parallelen und betont, wie viel sie und Williams gemeinsam hätten: beide aus Los Angeles, beide schon als Mädchen selbstbewusst, beide weltberühmt, beide Mütter. Tatsächlich erfährt man über die Tennisspielerin – leider – fast nichts in dem mit sanfter Musik untermalten Gespräch, von Meghan aber, dass man ihr der Eheschließung mit Harry wegen Ehrgeiz – und zwar negativ konnotiert angekreidet worden sei. Gleich zu Beginn erzählt sie die bereits mehrfach von ihr kolportierte Geschichte, wie sie als Elfjährige Procter & Gamble mit Protestschreiben dazu bewegt habe, in einer Fernsehwerbung für Spülmittel nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu adressieren. Ein „Erweckungserlebnis“ sei das für sie gewesen.

Medialer Frontalangriffe auf das Königshaus: Harry und Meghan im Interview mit Oprah Winfrey


Medialer Frontalangriffe auf das Königshaus: Harry und Meghan im Interview mit Oprah Winfrey
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Bild: dpa

Welches Konzept steht hinter „Archetypes“? Klug und ein bisschen bildungshubernd klingt der Titel des Podcasts, hat aber womöglich einen simplen Hintergrund. Der Sohn der Sussexes heißt Archie, ihr Unternehmen mit gemeinnütziger Stiftung Archewell, ihre Podcast-Produktionsfirma Archewell Audio, die Video-Produktionseinheit, die sich um die angekündigte Invictus-Games-Dokumentation kümmert, Archewell Productions. Darauf stabreimt sich „Archetypes“ bestens, anders als „Stereotypes“, obwohl auch das eine passende Überschrift gewesen wäre.

Denn Klischees, Vorurteile, überkommene Denkmuster und von latenter Misogynie geprägte Erwartungen an Frauen sollen hier thematisiert werden. Arche­typen sind aber ein paar Nummern größer: menschliche Urbilder, die nach dem Konzept C.G. Jungs als Bestandteile des kollektiven Unbewussten Mythen oder religiöse Vorstellungen prägen. Da wären etwa Archetypen wie das Kind, der Held, die Mutter, der Weise, der König. „Archetypes“ als Titel suggeriert, dass Meghan tief eintauchen will, statt in seichten Gewässern zu schwimmen. So sagt sie es auch in der ersten Episode. Den Titel markenrechtlich schützen zu lassen – ein Antrag beim United States Patent and Trademark Office läuft – könnte indes schwierig werden. Nicht etwa, weil das Wort seit einem halben Jahrtausend im Umlauf ist, wie die britische Boulevardpresse ätzte, sondern weil schon andere in den USA auf die Idee gekommen sind, es als Markennamen zu verwerten: „Arche­types at Work“ etwa verkauft Audio- und Video-Inhalte mit Business-Ratschlägen auf astrologischer Basis. Vom Marketing bis zur Küchenpsychologie sind Archetypen äußerst beliebt.

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