Spiel

#Im Test! Atelier-Fans werden sich mit Atelier Yumia umstellen müssen – und doch ist Spaß garantiert

Titel Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land
Japan 21. März 2025
Koei Tecmo
Nordamerika 21. März 2025
Koei Tecmo
Europa 21. März 2025
Koei Tecmo
System PlayStation 5, PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox Series X/S, Xbox One, PCs
Getestet für PlayStation 5
Entwickler Gust
Genres JRPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Die Atelier-Reihe kann bereits auf eine lange, traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Den internationalen Durchbruch aus dem Nischen-Dasein hat man aber wohl mit Atelier Ryza erst vollziehen können. Mit einem immensen technischen Sprung, einzigartigem Spielgefühl und prallen Schenkeln konnte Entwickler Gust seinem Repertoire einen echten Gassenhauer hinzufügen. Eine Trilogie zu der erfolgreichen und sympathischen Heldin war das Resultat.

Irgendwann muss man aber auch Abschied nehmen und neue Ziele setzen. Dies versucht man nun mit dem nächsten Atelier-Ableger, Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land, der ebenso wieder neue Maßstäbe für die ungewöhnliche RPG-Reihe setzen soll. Für Fans des Designs der Spiele stellt sich aber eine große Frage. Kann man den durch Ryza eingeführten Schenkelwahn noch einmal übertreffen oder greift man diesmal in einen ganz anderen Ideentopf in Sachen visueller Darbietung?

Serien-Producer Junzo Hosoi sagte kürzlich in einem Interview, dass die Wirtschaftslage ein gewisses Design begünstige. Eine Rezession soll also quasi Ryzas enorme Schenkel möglich gemacht haben. Die Wirtschaftslage bleibt weiterhin schlecht und die Promotion zu Atelier Yumia fokussiert sich auffällig auf ihr Hinterteil.

An der Sache scheint also etwas dran zu sein. Design ist letztlich aber nur das Tüpfelchen auf dem i. Atelier-Spiele vermitteln eine bestimmte Erwartungshaltung, die Fans in spielerischer Hinsicht mindestens genauso wichtig ist. Zeit also, einen tieferen Blick auf Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land zu werfen.

Friede, Freude, Weltherrschaft

Atelier-Spiele sind mit einigen wenigen Ausnahmen nicht wirklich für ihre tiefgründige Story bekannt. Das Geschehen dreht sich meist um ein junges Mädchen, das auf irgendeine Weise mit Alchemie in Berührung kommt und von dort an ihr Leben bestreitet, mit Freunden Abenteuer erlebt und Stadtbewohner bei alltäglichen Dingen unterstützt. Atelier Yumia versucht mit dieser Tradition zu brechen und sich einen Platz bei den erwähnten Ausnahmen zu nehmen. Einen storytechnischen Epos braucht man hier zwar nicht zu erwarten, allerdings schlägt man schon einen erwachsenen Ton an.

Die Geschichte verfolgt die Protagonistin Yumia Ließfeldt, eine Besonderheit in der Welt, denn Alchemie ist aus verschiedenen Gründen verpönt. Yumia hat es also nicht einfach, als sie einer Forschungsgruppe zugeteilt wird, die einen mysteriösen Vorfall um den Untergang eines alten Reichs erkunden soll. Der Untergang und darauf folgende Ereignisse führten nämlich zu zahlreichen Toten und Geflüchteten, die sich nun zum Teil einem großen Forschungsteam angeschlossen haben. Trotz ihres Außenseiterstatus stellen sich Yumias Fähigkeiten schnell als ausgesprochen nützlich heraus, wodurch sie das Vertrauen ihrer Gruppe gewinnen kann und einem großen Abenteuer entgegenblickt.

Im Laufe der Geschichte trifft die illustre Gruppe auf zahlreiche Ruinen und Überbleibsel einer alten Zeit, aber auch auf fremde Kulturen und moralisch fragwürdige Widersacher, deren Beweggründe einen wichtigen Teil des Spannungsbogens einnehmen werden. Atelier Yumia nimmt somit einen im Vergleich düsteren Weg, die Story voranzutreiben. Ganz in den Hintergrund rücken die leichten und liebevollen Elemente zwischen den Charakteren jedoch nicht. Auch in Atelier Yumia wird viel Wert auf das Zusammenspiel der Gruppe gelegt. Lustiges Geplänkel oder rührende Bekenntnisse kommen auch hier also nicht zu kurz.


Moderne, offene Welt

Was in den späteren Atelier-Ryza-Teilen schon angedeutet wurde, findet in Atelier Yumia nun seine bisher größte Ausdehnung. Die Rede ist nicht von der Kleidung der Charaktere, sondern viel mehr dem Aufbau der Welt. In Atelier Yumia setzt man nämlich jetzt gänzlich auf eine offene Welt, die komplett frei ohne Unterbrechungen erkundet werden kann. Die komplette Karte kann sich hier durchaus sehen lassen und bietet etliches zu tun. Leider setzt man hier etwas zu stark auf die altbekannte Ubisoft-Formel und kleistert die Karte entsprechend mit unzähligen Fragezeichen zu. Eine Umsetzung mit weniger Händchenhalten hätte hier definitiv besser geschmeckt.

Nichtsdestotrotz kann der Inhalt hier absolut überzeugen. Versteckte Kisten, Sammelstellen, Herausforderungen oder auch ständig wechselnde Quests steigern den Spielspaß und Erkundungsdrang in die Höhe. Durch verschiedene Gameplay-Elemente wird zum Erkunden darüber hinaus noch weiter ermutigt. Atelier Yumia legt hier nämlich ein besonderes Augenmerk auf Vertikalität. Ausgestattet mit High Heels, die eine Art Raketenantrieb mit sich bringen, erklimmt die Protagonistin so gut wie jeden Berg und stürzt sich ohne große Sorge in alle Tiefen. Ebenso quetscht man sich durch jede Lücke oder manipuliert die Umgebung zu seinen Gunsten. Dem Mana sei Dank!

Mana spielt in Atelier Yumia eine besondere Rolle. Neben einem erheblichen Teil der Story nutzt man Mana auch im Spielgeschehen. Akrobatische Einlagen zählen ebenso dazu, daher ist der Mana-Haushalt auch beim Erkunden ein wichtiger Aspekt. Da allerdings an jeder Ecke und auch durch Regeneration über einen gewissen Zeitraum das Mana zu jeder Zeit fließt, gerät man hier zu keiner Zeit wirklich in die Bredouille. Wirkliche Grenzen setzt man also nicht. Atelier Yumias Umsetzung der offenen Welt und der freien Erkundung eignet sich also äußerst ideal für die restlichen Gameplay-Elemente und Grundpfeiler eines echten Atelier-Spiels.




Diesmal ohne Kochtopf

Kein Atelier ohne Gegenstand-Synthetisierung. Auch Atelier Yumia bricht nicht mit dieser Tradition, sondern entwickelt das System wie so oft weiter. Eins musste allerdings gehen. Der gute, alte Kochtopf hat ausgedient und muss einer Platte weichen, auf der unsere Yumia nun Gegenstände aus der Luft mithilfe des viel erwähnten Manas materialisiert. Definitiv ein Stilbruch, aber kein Abbruch in puncto Spielmechanik. Synthetisieren ist in Atelier Yumia nämlich nun auch freier und bietet noch mehr Möglichkeiten als der Vorgänger. Der Topf dient somit als Metapher, um das Sprengen der Ketten in Sachen Alchemie zu verdeutlichen. So zumindest meine Interpretation.

Das Synthetisieren teilt sich grob in zwei Bereiche. Zunächst gibt es die Schnellsynthese, die unterwegs erledigt werden kann. Hier lassen sich nützliche Gegenstände, wie Heilitems, Reparaturwerkzeug oder andere Erkundungsgegenstände anfertigen. Benötigt wird hierfür nur ein wenig Mana und Standardzutaten, die man an jeder Ecke zuhauf finden wird. Im Prinzip kann man sagen, dass diese Synthesevariante jederzeit nutzbar ist, da die Bedingungen hierfür verschwindend klein sind. Einzig die Anzahl der Gegenstände ist auf die Größe von Yumias Hosentaschen begrenzt.

Der zweite Bereich ist die komplexere Synthese, wie man sie aus den anderen Teilen bereits kennt. Hier dreht sich wie immer alles um die richtige Kombination zahlreicher Zutaten. Atelier Yumia ist hier weniger restriktiv, aber auch um einiges komplexer, wenn man wirklich tief darin versinken möchte. Auch hier gilt zwar durch den recht niedrigen Schwierigkeitsgrad die Devise Mut zur Lücke, aber austoben kann man sich hier schon.

Der große neue Punkt sind hier verschiedene Kerne eines Rezepts, die man unterschiedlich priorisieren kann. Hier betrachtet man zum Beispiel die Qualität oder die Eigenschaften des Gegenstands separat und kann somit das Beste aus der Synthese herausholen. Mühe wird in Atelier Yumia belohnt, denn wer viel Zeit mit der richtigen Konstellation verbringt, der wird schlussendlich mit unglaublich starken Gegenständen belohnt, die die knuffigen Gegner in Windeseile von der Bildfläche verschwinden lassen.




Blutrünstige Kulleraugen

Kämpfe stellen in Atelier Yumia eine weitere Zeitenwende dar. Auch wenn das alte rundenbasierte Kampfsystem schon vorher immer mehr mit dynamischen Akzenten gespickt wurde, geht man bei Yumia komplett auf den actionbasierten Kampf. Auch hier entledigt man sich jeglicher Fesseln und macht Dynamik zum A und O. Fähigkeiten werden hier wie wild aneinandergereiht und ausweichen ist nicht nur dazu da, um Schaden zu minimieren, sondern vielmehr um Angriffe zu stärken. Angriff ist die beste Verteidigung, dachte man sich hier womöglich und setzt das auch schamlos um.

Ebenso sind die altbekannten Kampfitems nicht mehr bloß Objekte, die man auf Gegner wirft. Nein, Kampfgegenstände sind quasi Sekundärwaffen, die man blitzschnell in den Kampf einbinden kann, um Schaden weiter zu akkumulieren. Auch hier setzt man auf Kombination, hier allerdings primär mit anderen Partymitgliedern, die plötzlich mit ins Kampfgeschehen einsteigen und austeilen. Gerade die ersten Kämpfe entpuppen sich als wilder Ritt, wenn man die eher entspannten Momente aus alten Ateliers gewohnt ist. Allerdings findet man grundsätzlich schnell rein.

Einige taktische Elemente mussten weichen, jedoch kommen andere hinzu. Positionierung ist ein wichtiger Teil der Kämpfe und sollte auch, wie oben erwähnt, nicht nur zum Verhindern von Angriffen genutzt werden. Risk and Reward spielt nämlich auch in den Kämpfen eine große Rolle. Auch hier sei allerdings nochmal erwähnt, dass kein Stelldichein auf dem normalen Schwierigkeitsgrad mit einem Gegner wirklich herausfordernd ist, die Möglichkeit Kämpfe schneller, effizienter und spaßiger zu gestalten besteht allerdings, egal wie schwierig die Kämpfe nun sind.




Unkonventionelle Häuslebauer

Da Atelier Yumia mit der großen, offenen Welt den Fokus aufs Erkunden legt, hat man sich mit der Möglichkeit Basen zu bauen noch etwas Interessantes einfallen lassen. An verschiedenen Punkten auf der Karte lassen sich frei Objekte platzieren, um Wege zu verkürzen oder auch etwaige Wegsperren zu umgehen. Dem Bauwahn sind hier relativ wenige Grenzen gesetzt, was mitunter zu baulichen Wundern führen kann. Objekte lassen sich so sogar stapeln, um augenscheinlich unerreichbare Orte zu erreichen.

Das Bauen neuer Gebäude kann aber auch dafür genutzt werden, den Rang einer Region zu steigern, Rezepte oder Anleitungen zu erlernen oder auch um verschiedene Quests zu erledigen. Dazu gibt es auch andere nützliche Gebäude wie Lagerhäuser oder zum Beispiel Gewächshäuser, die den Lagerplatz erhöhen können oder es erlauben Materialien zu züchten, verbessern oder duplizieren. Yumia zeigt hierbei auch ihr handwerkliches Geschick und stellt somit unzählige Dinge einfach an einer Werkbank her, die ebenso an festen Orten kurzfristig aufgebaut werden kann.

Das Bau-Feature gibt der Atelier-Serie eine nette Neuerung im Gegensatz zu den üblichen Verbesserungen des Altbekannten. Ein bisschen Atelier-Nelke-Atmosphäre in einem Mainline-Titel ist durchaus erwähnenswert, auch wenn das Feature allgemein eher ein bisschen verbuggt und chaotisch daherkommt. Witzig ist und bleibt es dennoch.


Wirtschaftliches Design?

Lange kein Wort mehr über saftige Schenkel und Hintern verloren. Das hat nun ein Ende, denn es geht um das grafische Design von Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land. Während Toridamono, der Designer von Atelier Ryza, womöglich schon irgendwo Tauchgänge in seinem immensen Geldspeicher durchführt, stammt Yumias Design von Benitama. Es sei schwierig Ryzas Design zu übertreffen, soll er behauptet haben, allerdings kann sich die neue Protagonistin ebenfalls sehen lassen. Auch wenn man den Fanservice diesmal subtiler durch vollkommen unbeabsichtigte Nahaufnahmen verpackt.

Entgegen dem Werbematerial gibt sich Yumia weniger lasziv oder freizügig und überzeugt mit einem eher modernen Design. Das Atelier-Team fängt die Designs recht gut im Spiel ein und setzt die eher seriöse Linie durchaus ansprechend um. Ein wenig tut es mir zwar um die oftmals sehr süßen und verschnörkelten Kostüme leid, die hier weniger zum Tragen kommen, aber groß zu meckern gibt es letztendlich nichts in Bezug auf das Design der Hauptcharaktere. NPCs hingegen sind leider weiterhin eher blass im Vergleich, bedenkt man, dass es gefühlt nur generisch Frau oder Mann mit minimalen Unterschieden gibt.

Die Hintergründe sind im Großteil wie auch schon bei Ryza recht gut und abwechslungsreich gelungen. Technisch läuft die Sache hingegen nicht so rund. Hier und da finden sich doch matschige Texturen und die Qualität der Grafik leidet teilweise durch den Open-World-Rechenaufwand. Auch gibt es noch hier und da Bugs beim doch recht schnellen Kampfsystem. In Anbetracht, dass die Testversion allerdings die 1.0-Version war, gehen wir hier einmal von ein paar Folge-Patches aus, die die Sache in den Griff kriegen sollten.

Atelier Entfesselt

Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land tritt nach Atelier Ryza ein sehr schweres Erbe an. Grund genug für das Team, die Grundformel eines Atelier-Spiels einmal gründlich aufzurütteln. Freiheit scheint das große Thema des Spiels zu sein. Eine riesige, offene Karte mit unzähligen Punkten um Materialien heranzuschaffen, Quests zu erledigen oder sich Gegnern entgegenzustellen. Die Möglichkeit des nahezu grenzenlosen Erkundens sowie viele Freiheiten beim Synthetisieren verschiedenster Objekte sind einige Punkte, die man an Atelier Yumia ausgesprochen loben kann.

Grundlegende Schwächen kommen allerdings beim Open-World-Aufbau à la Ubisoft und allgemeinen technischen Mängeln zu Tage. Darüber hinaus verliert man ein Stück weit die Identität, indem man das entspannte Wohlfühl-Gameplay mit einem rasanten Action-Kampfsystem aufpeppt. Ungewöhnlich ist zwar ebenfalls der größere Story-Fokus, allerdings keineswegs ein Negativpunkt in der Hinsicht.

Fans der Spiele werden sich ein wenig umstellen müssen, doch kann Atelier Yumia mit seinem komplett neuen Anstrich auf andere Weise überzeugen. Spaß beim Erkunden ist hier garantiert.

 

Story

Erwachsenes Storytelling mit ein paar Twists. Untypischer Story-Fokus für ein Atelier-Spiel, aber durchaus gelungen.

Gameplay

Erkunden, Alchemie, Kampf und nun auch bauen. Auch hier mit untypischen Veränderungen im Kampfsystem, aber auch hervorragenden Updates der alten Systeme. Erkundung ist Yumias große Stärke.

Grafik

Designs mit modernerer, modischerer Auslegung. Technisch mit Makeln hier und da. NPC-Design gewohnt einfallslos.

Sound

Sehr Serien-typische Musik und Soundgestaltung. Hier wurde so gut wie nichts verändert.

Sonstiges

Wirtschaftliches Design ohne Schenkel.

Bildmaterial: Atelier Yumia: Die Alchemistin der Erinnerungen und das erträumte Land, Koei Tecmo, Gust

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