Spiel

#Im Test! Lost Judgment

Im Test! Lost Judgment


PS4 Test TOP

Titel Lost Judgment
Japan 24. September 2021
Sega
Nordamerika 24. September 2021
Sega
Europa 24. September 2021
Sega
System PlayStation 4/5, Xbox One, Xbox Series S/X
Getestet für PlayStation 4
Entwickler Ryu Ga Gotoku Studio
Genres Adventure
Texte
DeutschlandNordamerikaJapan
Vertonung NordamerikaJapan

Judgment hatte schon vor drei Jahren bewiesen, dass sich ein gutes Spiel im Yakuza-Stil nicht unbedingt immer um Kazuma Kiryu drehen oder einen starken Fokus auf die Yakuza haben muss. Der neueste Teil von Judgment, Lost Judgment, setzt diese „Tradition“ fort.

Wir schlüpfen wieder in die Rolle von Takayuki Yagami, einem nicht mehr praktizierenden Anwalt und derzeitigem Detektiv, den es diesmal neben Kamurocho in Tokio auch nach Ijincho in Yokohama verschlägt.

Eine Leiche und dann Schulleben

Die Story beginnt überaus mysteriös: In Ijincho, Yokohama, wird ein stark verwester Leichnam gefunden. Mehr oder minder gleichzeitig steht Akihiro Ehara wegen sexueller Belästigung in Tokio vor Gericht und erwartet sein Urteil. Es ist bereits klar, dass er verurteilt werden wird und er nutzt seine letzten Worte vor der Urteilsverkündung für eine Überraschung.

Akihiro erklärt vor Gericht, wer der stark verweste Leichnam ist, nennt den genauen Fundort und gibt weitere Informationen preis, die er eigentlich nur wissen kann, wenn er in den Mord involviert war. Jedoch hat Akihiro ein sehr gutes Alibi, da er zum Tatzeitpunkt in Polizeigewahrsam war aufgrund der sexuellen Belästigung. Wer ist der Leichnam? Was weiß Akihiro und warum weiß er es?

Er weiß mehr, als er wissen sollte…

Vorrangig interessiert das Detektiv Yagami nicht, der einen Fall von Mobbing auf einer Schule in Ijincho untersucht. Zufälligerweise haben die gefundene Leiche und Akihiro eine Beziehung zur Schule. So schlittert Yagami langsam in die Aufklärung des Mordfalles, und versucht … nicht absolut und total abgelenkt zu werden von einer Schul-Sidequest, die absolut fantastisch ist.

Lost Persona

Die Spiele des Ryu-Ga-Gotoku-Studios sind ja bekannt für zahlreiche, manchmal mehr, manchmal weniger unterhaltsame Minispiele. Je mehr Yakuza-Titel man spielt, desto mehr sieht man immer wieder dieselben Spiele (UFO Catcher, Darts, Bowling, Karaoke) und dann gibt es wenige „besondere“, sprich neue, wie ein Idol-Minispiel, Modell-Auto-Rennen und so weiter. In Lost Judgment erwarten euch viele neue Minispiele, die alle in eine große, aus mehreren Teilen bestehende Sidequest eingegliedert sind.

Eine Person, die sich „der Professor“ nennt, stiftet Schüler zu Übeltaten an und ein Detektiv-Club der Schule will mithilfe von Yagami den Professor finden und stoppen. Hierfür muss Yagami mehrere Clubs der Schule, aber auch externe Gruppen, infiltrieren. Das reicht vom Videospiel-Club, zu Skateboardern bis hin zu einem Box-Verein. Jeder Club oder Verein ist mit einem eigenen, in den meisten Fällen neuen, Minispiel verbunden, die alle sehr abwechslungsreich sind. Die gesamte Schul-Sidequest kann gut und gerne mehr als 10 Spielstunden in Anspruch nehmen, die aber alle sehr unterhaltsam verbracht werden.

Zahlreiche Schul-Quests wissen zu unterhalten!

Die musikalische Untermalung der Schul-Quest erinnert manchmal so stark an Persona, dass man mit dem Schul-Setting, den verschiedenen Clubs und dem Aufbau von Vertrauen zu den Schülern, doch unweigerlich an die Persona-Reihe erinnert wird. Hat man sich dann irgendwann von der Schul-Sidequest losgerissen, geht es weiter mit dem Mordfall und… man verliert sich in weiteren Aktivitäten, die viel Spaß machen, aber nichts mit der Hauptstory zu tun haben.

Die Qual der Wahl (sorry, Hauptstory)

Neben der großen Schul-Sidequest gibt es natürlich noch zahlreichen normale Sidequests, wobei man „normal“ im Sinne von Yakuza-Spielen sagen muss. Diese sind gewohnt gut geschrieben. Bereits aus Judgment bekannt, gibt es auch wieder relativ knackige Drohnen-Rennen und das sehr umfangreiche VR-Sugoroku, das jedoch nur für Yagami in VR ist und nicht mit dem VR-Headset der Playstation gespielt wird.

Sugoroku ist im Prinzip ein Brettspiel, bei dem hinter jedem Feld eine Challenge oder eine Belohnung steht und das süchtiger macht, als es sollte. Hat man genug davon, kann man sich mit Katzen anfreunden oder auf einem Skateboard durch Ijincho düsen. Das Skateboard ist eine großartige Neuerung in der Serie, da es die doch langen Fußweg enorm verkürzt und es einfach Spaß macht, mit dem Skateboard durch die Straßen zu flitzen und Kunststücke zu vollbringen.

»Diese Erweiterung des Arsenals, aber auch der Erfordernisse an den Spieler, ist überraschenderweise sehr unterhaltsam.«

Da Yagami ein Detektiv ist, gibt es natürlich wieder Verfolgungsjagden, die aber diesmal deutlich angenehmer sind als im ersten Teil. Auch muss man wieder Leute beschatten, was jedoch auch nicht mehr so störend ist wie im ersten Teil, wo beide Aktivitäten einfach viel zu oft eingesetzt wurden.

Zusätzlich dazu müssen wir diesmal aber auch noch mehr detektivisch aktiv werden. Mithilfe eines Twitter-Klons können wir herausfinden, worüber die Menschen gerade reden und dann zum Ort gehen, von dem der „Tweet“ abgeschickt worden. Dort belauschen wir die Leute und lernen so Informationen, die uns in einer Sidequest helfen können.

Auch gibt es neue Tools, wie zum Beispiel ein Gerät zur Verstärkung von Schallwellen, mit dem wir Leute aus der Distanz belauschen. Diese Erweiterung des Arsenals, aber auch der Erfordernisse an den Spieler, ist überraschenderweise sehr unterhaltsam. In der heutigen Videospiel-Welt wird der Spieler fast schon komplett an der Hand geführt und eigenes Nachdenken tritt in den Hintergrund. In Lost Judgment wird man zwar noch immer etwas an der Hand geführt, aber diese Passagen verlangen dann doch etwas mehr vom Spieler ab… wenn auch nicht wahnsinnig viel mehr.

Ein agiler und schneller Yagami

Ein Spiel im Stil von Yakuza beinhaltet natürlich auch normale Passanten, die komplett durchdrehen und den Protagonisten einfach so auf der Straße angreifen. Während die Kämpfe in den Yakuza-Spielen noch relativ klobig und langsam waren, sind diese in Lost Judgment blitzschnell. Der Kampf lädt schnell, Yagami hat drei schnelle Angriffsstile im Repertoir und beim Ende des Kampfes kann man seinen Charakter auch wieder relativ zügig bewegen.

Während ich in anderen Yakuza-Teile den Kämpfen im späteren Spielverlauf ausgewichen bin, kämpfe ich sehr gerne in Lost Judgment, weil ich weiß, dass es Spaß macht und nicht viel Zeit kostet. Ein Kampfstil ist eher für einzelne Gegner gedacht, der andere ist ideal für Gruppen und erinnert etwas an den Breakdancing-Stil von Goro Majima und der dritte Kampfstil kann bewaffnete Gegner schnell entwaffnen.

Die Kämpfe gehen überaus flott von der Hand.

Die Schnelligkeit und Agilität von Yagami hilft ihm auch beim Erklimmen von Gebäuden im Stil von Assassin’s Creed. Man darf sich diese Passagen aber nicht sehr schwierig oder ausgefallen vorstellen. Es ist eine kleine nette Neuerung, die vielleicht in zukünftigen Teilen erweitert werden könnte.

Bitte weiter so

Alles in allem ist Lost Judgment wieder ein sehr gelungenes Spiel aus dem Ryu-Ga-Gotoku-Studio. Wer Yakuza-Spiele oder Judgment kennt, weiß genau, was ihn hier erwartet. Neue Spieler dürfen sich auf sehr abwechslungsreiche Nebenaktivitäten und eine spannende Hauptstory freuen. Die Kämpfe gehen rasch von der Hand, Ijincho und Kamurocho bieten mehr als genug an Unterhaltung und die Schul-Sidequest lässt Persona-Vibes aufkommen.

 

Story

Spannende Hauptstory, zahlreiche Nebenstorys

Gameplay

Typisches Judgment-Prügel-Gameplay mit positiven Neuerungen

Grafik

Zirka auf dem Niveau von Yakuza 7 – Like a Dragon

Sound

Musikalisch fallen besonders die Persona-ähnlichen Stücke auf

Sonstiges

Süchtig machende Nebenaktivitäten (Schule!), Skateboard beschleunigt Reise durch die Stadt enorm, sehr gute Neuerungen für Detektivarbeit

Bildmaterial: Lost Judgment, Sega, Ryu Ga Gotoku Studio

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