Im Test! Mit Edens Zero kommen Fans auf ihre Kosten, leider wird aber viel Potential verschenkt

Im Test! Mit Edens Zero kommen Fans auf ihre Kosten, leider wird aber viel Potential verschenkt
Titel Edens Zero
Japan 15. Juli 2025
Konami
Nordamerika 15. Juli 2025
Konami
Europa 15. Juli 2025
Konami
System PlayStation 5, Xbox Series, PC
Getestet für PlayStation 5
Entwickler Konami
Genres Action-RPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Japan

Wer Fairy Tail kennt, hat vielleicht schon mal etwas vom Science-Fiction-Manga Edens Zero gehört. Beide Werke stammen aus der Feder des Mangaka Hiro Mashima und erzählen ein klassisches Shōnen-Abenteuer. Der 33-teilige Manga ist zwar vor etwas mehr als einem Jahr zu Ende gegangen, doch nun erscheint die erste Videospielumsetzung von Konami rund um die Geschichte von Shiki. Ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um in das Franchise einzusteigen, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.

Auf ins Weltraumabenteuer

Protagonist ist wie eingangs erwähnt Shiki Granbell, ein menschlicher Junge, der unter Robotern auf dem Planeten Granbell lebt. Er wurde von dem Roboter Ziggy, besser bekannt als Dämonenkönig, großgezogen, bis dieser eines Tages nicht mehr funktionierte. Ziggy lehrte Shiki ebenfalls die Kontrolle des Ether Gear, einer übermenschlichen Kraft, die unterschiedliche Formen annehmen kann. So kann Shiki zum Beispiel die Schwerkraft manipulieren und für seine Angriffe nutzen.

Viele Jahre nach Ziggys Tod besuchen die B-Cuberin Rebecca Bluegarden und ihr Roboter Happy den Planeten. Die drei freunden sich an und machen sich gemeinsam auf, Abenteuer zu erleben, das gigantische Universum zu erkunden und die legendäre „Mother” zu finden. Auf diesem Weg freunden sie sich mit weiteren KameradInnen an und treffen natürlich auch auf herausfordernde Gegner, die ihnen das Vorankommen erschweren.


Viele Gesichter dabei

Kommen wir direkt zum ersten Dämpfer im Spiel. Zwar lässt sich der Titel ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehen, da die Erzählung kompakt und ohne Längen erfolgt, jedoch wird nicht die gesamte Geschichte des Originals abgedeckt, sondern nur der erste größere Abschnitt. Das liegt vermutlich daran, dass die Produktion des Spiels bereits Ende 2020 begann. Entsprechend konnte in der Entwicklungszeit nur ein kleinerer Teil der Handlung abgedeckt werden.


Da der Manga bereits abgeschlossen ist, ist es vermutlich auch sehr unwahrscheinlich, dass es eine Fortsetzung des Spiels geben wird. Zwar könnte es eine geben, diese wäre dann allerdings wahrscheinlich nicht so originalgetreu wie die jetzige Videospielumsetzung. Was mich nämlich angenehm überrascht hat, ist die Tatsache, dass erstaunlich viele Charaktere auftauchen, die man aus dem Original kennt und dort nur eher eine Nebenrolle innehaben.

So haben unter anderem die Foote Brothers eigene 3D-Charaktermodelle erhalten, obwohl sie im Original nicht so viel Bildschirmzeit besitzen. Man darf sogar gegen die beiden kämpfen. Und das ist nicht nur bei diesen beiden Charakteren so. Gerade bei Anime-Videospielumsetzungen bin ich deutlich Schlechteres gewöhnt, wenn Charaktere beispielsweise nur aus dem Off zu hören sind oder lediglich lieblose 2D-Modelle mit ein paar Sprechblasen erhalten. Umso mehr hat es mich gefreut, Charaktere und auch passende Outfits aus dem Original zu sehen. Dadurch wirkt das Spiel an der einen oder anderen Stelle originalgetreu-authentisch.

Gameplay ohne Kniff

Das Gameplay wirkt hingegen weniger authentisch bzw. weniger anspruchsvoll. Ihr steuert euch durch die Welt mit bis zu vier Charakteren, die per Knopfdruck gewechselt werden können. Obwohl jeder Charakter unterschiedliche Kombos, Ether-Gear-Fähigkeiten und Spezialattacken besitzt, die für eine gewisse Vielfalt sorgen, bringt einem das nicht viel, wenn diese in der Regel nur in belanglosen Kämpfen eingesetzt werden, die einem ständig vor die Füße geworfen werden.


Stellt euch das so vor: Zu Beginn einer Mission wird zunächst eine Person entführt. Als hilfsbereite Weltraumabenteurer müsst ihr den Bösewichten natürlich hinterherlaufen und versuchen, ihnen das Handwerk zu legen. Auf einem schlauchigen Weg begegnen euch nun alle paar Meter Grüppchen von Feinden, die euch aufhalten sollen. Und das immer und immer wieder. Besondere Kämpfe oder großer Erkundungsdrang geraten dabei leider in den Hintergrund, da es in den meisten Missionen nur wenige bzw. keine besonderen Items zu finden gibt.

Das Suchen lohnt sich deshalb in der Regel nur in den seltensten Fällen. Auch, weil die Anzahl der tragbaren Items begrenzt ist. Das heißt, wenn ihr bereits zehn Heilitems gekauft habt und das elfte findet, verschwindet dieses einfach im Nirwana. Wobei ich sagen muss, dass ich mich in den normalen Kämpfen meistens nicht heilen musste, da diese früh im Spiel und später mit besserer Ausrüstung nicht besonders anspruchsvoll waren.

Leider sind die meisten Missionen der Hauptgeschichte so oder ähnlich aufgebaut. Das Spiel bietet ab einem gewissen Punkt nur wenige Gegnertypen und generell eine monotone Spielweise, die wenig bis keine Abwechslung bietet. Zeitgleich macht es das Spiel eintönig und nach einer gewissen Zeit versucht man, die Gegner nur zu umlaufen oder schlägt so schnell wie möglich mit denselben Angriffen zu, die eine möglichst große Reichweite haben, um die Gegner schnellstmöglich aus dem Weg zu räumen.

Monotone Variation

Die Bosskämpfe am Ende eines Kapitels sind da schon anspruchsvoller und herausfordernder. Zwar ist das zuvor beschriebene Grundprinzip des „einfach Draufhauens“ ebenfalls vorhanden, jedoch bieten die Bosskämpfe mehr Variation in den Angriffen, sodass nicht nur stumpfsinnig agiert werden muss. Manchmal muss erst die Verteidigung eines Gegners überwunden werden, um diesem Schaden zuzufügen. Zusätzlich wird man am Ende des Kampfes mit einer schönen Zwischensequenz aus dem Original belohnt.


Wem die Kämpfe zu schwierig sind, der sollte einen Blick in den Kleiderschrank der Edens Zero werfen. Im Laufe des Spiels findet ihr oder schaltet ihr viele Ausrüstungsteile frei, die verbessert werden können. Diese verbessern nicht nur die Werte der Charaktere, sondern bieten ebenfalls viele Individualisierungsmöglichkeiten, da den Charakteren ab einem bestimmten Zeitpunkt viele Kleidungsstücke aus dem Original zur Verfügung stehen, die dauerhaft angelegt werden können.

Neben den Individualisierungsmöglichkeiten lassen sich die Fähigkeiten der Charaktere auch durch einen Fähigkeitenbaum erweitern. Das sorgt zwar an dieser Stelle für etwas mehr Spieltiefe, allerdings wirken die Upgrademöglichkeiten begrenzt. Das liegt daran, dass die Verbesserungen von Fähigkeiten quasi durch den eigenen Fortschritt blockiert werden. Das wäre nicht so tragisch, wenn man ab einem bestimmten Punkt nicht ein bestimmtes Item für den weiteren Zugang zu den Fähigkeiten im Baum bräuchte.


Dadurch konnte ich ab circa der Hälfte des Spiels die Fähigkeiten einiger Charaktere nicht mehr verbessern, da das erforderliche Item im Story-Fortschritt nicht vorkam. Da die Kämpfe in der Regel nicht so anspruchsvoll waren und sich die Angriffsstärke gut durch verbesserte Kleidungsstücke erweitern ließ, war es nicht allzu schlimm. Den Sinn des Fähigkeitenbaums habe ich allerdings ab einem bestimmten Punkt hinterfragt und nur noch hineingeschaut, wenn sich weitere Charaktere der Weltraumcrew angeschlossen haben.

Quests abseits des Weltraumabenteuers

Wo es letztlich das besagte Item gibt, sind die zahlreichen Nebenquests auf dem Planeten Blue Garden. Dieser dient nicht nur als kurzweiliger Storyabschnitt, sondern kann frei erkundet werden. Zur Motivation für die Erkundung tragen verschiedene Nebenquests bei, die in der Gilde Shooting Starlight angenommen werden können. Durch das Bewältigen der Quests können Shiki und Rebecca ihren Abenteurerrang erhöhen, gegen starke Gegner kämpfen und generell viele Bereiche des Planeten sehen, der viele Biome in sich vereint. Dadurch wirkt es zu Beginn sehr abwechslungsreich.


Allerdings trübt sich dieser Eindruck mit der Zeit, da die Nebenquests sehr belanglos wirken – es sei denn, man ist an der Belohnung, zum Beispiel Ausrüstungsteilen, interessiert. Das liegt unter anderem daran, dass alle Quests sehr ähnlich aufgebaut sind und meist in einem Endkampf enden, der Ähnlichkeiten mit den Bosskämpfen in der Haupthandlung aufweist.

Das macht die Nebenquests leider eintönig, obwohl die zwischenmenschlichen Interaktionen der Hauptfiguren teilweise wirklich gut umgesetzt sind. Die Crewmitglieder gehen auf bestimmte Motivationen oder Aspekte ihrer Vergangenheit ein, sprechen frei von der Leber weg oder verhalten sich entsprechend ihrer Charakteristika. Das macht die kurzen Gespräche liebenswert, besonders für Fans des Originals.

Leider reicht das nicht aus, um die Schwächen des Spiels auszugleichen. Die Nebenquests und das freie Erkunden bringen nämlich weitere technische Probleme des Spiels ans Licht. Zwar macht es Spaß, mit Shiki durch die Gegend zu fliegen, doch dabei treten nicht zu selten Pop-in-Elemente und kleinere Framerate-Einbrüche auf. Gleichzeitig wirken die Texturen eher generisch. Das gilt leider auch für das Schiff „Edens Zero”. Zwar sind die bekannten Orte auf dem Schiff wie das Bad und die Zimmer der Crew vorhanden und diese sind liebevoll und meist Manga-getreu gestaltet, doch der größte Teil besteht leider aus großen, leeren Fluren mit blanken Wänden. So mag zwar ein Weltraumschiff aussehen, besonders einladend wirkt es aber nicht.

Viel Potential verschenkt

Bedauerlicherweise verschenkt Edens Zero viel Potential, obwohl die richtigen Ansätze zu sehen sind. Das Spiel bietet eine gute, dem Original getreue Gestaltung der Charaktermodelle. Gleichzeitig stechen die zwischenmenschlichen Interaktionen in der Haupthandlung sowie in Nebenquests und Gesprächen auf dem Schiff hervor.

Als Fan des Originals haben mich diese Momente nochmal überzeugt. Hinzu kommt eine gelungene Inszenierung der Ether-Gear-Fähigkeiten und Spezialattacken. Das macht das Spiel sympathisch. Als ich das erste Mal mit Shiki durch die Luft geflogen bin, hat sich Freude in mir breitgemacht.

Leider rücken diese sympathischen Elemente nicht ständig in den Vordergrund, sondern werden von monotonen Kämpfen, repetitiven Inhalten und technischen Schwächen überdeckt. Das ist wirklich schade, vor allem, wenn man bedenkt, dass nur ungefähr ein Drittel des Originals abgedeckt wurde. Fans kommen mit dem Spiel auf jeden Fall auf ihre Kosten, wenn sie die aufgezählten sympathischen Elemente bevorzugen, sollten allerdings nicht zum Vollpreis zuschlagen.

 

Story

In dem Videospiel zu „Edens Zero” erlebt ihr das Abenteuer von Shiki und seinen FreundInnen aus dem Manga. Dabei wurden viele (Neben-)Charaktere und Outfits aus dem Original liebevoll und originalgetreu ins Spiel integriert. Die Handlung deckt allerdings nur einen Teil des Originals ab.

Gameplay

Das Spiel bietet zwar eine gute Auswahl an Charakteren und Individualisierungsmöglichkeiten, leidet jedoch unter monotonen Kämpfen, begrenzter Abwechslung und technischen Einschränkungen. Insbesondere die Hauptmissionen und das Fähigkeitensystem sind wenig tiefgründig, sodass die anfängliche Begeisterung schnell nachlässt.

Grafik

Technische Schwächen, wie beispielsweise Pop-in-Elemente und generische Texturen, lassen das Spiel schnell eintönig wirken. Sympathisch wird es durch die gute und Manga-getreue Gestaltung der Charaktermodelle sowie die schöne Inszenierung der Ether-Gear-Fähigkeiten und Spezialattacken aus dem Original.

Sound

Kaum wahrnehmbar.

Bildmaterial: Edens Zero, Konami

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