Im Test! RAIDOU Remastered gibt einen recht speziellen Detektiv

Im Test! RAIDOU Remastered gibt einen recht speziellen Detektiv
Titel RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army
Japan 19. Juni 2025
Atlus
Nordamerika 19. Juni 2025
Atlus
Europa 19. Juni 2025
Atlus
System PlayStation 4, PlayStation 5, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2, Xbox Series X/S, PCs
Getestet für PlayStation 5
Entwickler Atlus
Genres Action RPG
Texte
Deutschland Nordamerika Japan
Vertonung Nordamerika Japan

Mit RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army erscheint eine aktualisierte Version eines Klassikers des Shin-Megami-Tensei-Franchises mit dem vollmundigen Namen Devil Summoner: Raidou Kuzunoha vs. The Soulless Army. Beide Titel nehmen sich Nichts in Sachen Länge, jedoch verzichtet beim neuen Titel auf den eigentlich recht interessanten Teil. Die Rede ist hier von “Devil Summoner”, denn hiermit läutete Atlus damals das erste Spin-off zum Kerngeschäft mit Megami Tensei ein.

Die Devil-Summoner-Spiele haben sich damals besonders im Setting von mehr apokalyptischen Post-Zerstörungs-Szenarien in den Megaten-Spielen auf die aktuelle Zeit beschränkt. Raidou Kuzunoha schlug als dritter Teil der Devil-Summoner-Reihe sogar noch einen ganz anderen Weg ein.

Mit einem authentischen Setting in der Taisho-Zeit Japans fokussiert man sich auf eine kurze, aber auch interessante Periode des modernen Japan. Mit der vor einiger Zeit initiierten Remake- und Remaster-Welle bei Atlus, war es nur eine Frage der Zeit, den Protagonisten mit dem originellen Design und klingendem Titel Raidou Kuzunoha eine moderne Neuauflage zu spendieren.

Besonders, wenn man in Betracht zieht, dass der Held oftmals auch in anderen Spielen mit Gastaftritten glänzen konnte, während einige Spieler gar keinen Schimmer hatten, wer das denn nun sein soll. Die Geschichte um den namenlosen Helden mit dem Titel Raidou Kuzunoha bekam damals sogar ein Nachfolgerspiel.

Einige “Neuerungen” des Remasters sind hier tatsächlich aus diesem Sequel übernommen. Auch wenn es nicht wirklich neue Ideen sind, die RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army zu einem spielenswerten Erlebnis machen, so gibt es doch einige Anpassungen, die das heutige Publikum interessieren könnten.

Auf dem Weg zur Moderne

Die Geschichte von RAIDOU Remastered dreht sich nicht nur um unseren Protagonisten, sondern befasst sich auch besonders mit der speziellen Epoche der japanischen Geschichte. Die Taisho-Zeit markiert den Weg Japans in die Moderne mit aufkommenden neuen Technologien und wachsendem ausländischem Einfluss. Dies spiegelt sich in der gesamten Story wieder, Gespräche mit der Bevölkerung, die Umgebungen und etliche Nebenquests und Hauptaufgaben beschäftigen sich mit dem Zwiespalt zwischen dem traditionellen Japan und dem Westen.

Wenn ein alter Rikscha-Fahrer sich über das steigende Aufkommen von Autos beschwert oder ausländische Händler ihre exotischen Waren anbieten ist das nicht nur ein interessantes Setting für eine Geschichte, sondern kann auch zu tiefst gesellschaftskritisch sein. Das philosophische Storytelling der Megaten-Spiele findet sich somit auch im Raidou-Ableger wieder, jedoch ohne wirklich tief in eine Sache einzusteigen. Auch die Hauptgeschichte hat letztlich nicht viel Tiefgründiges zu bieten und setzt auf eine Episoden-Struktur, die an den Aufbau einer seichten Anime-Serie erinnern.

Als eine Art Gehilfe in einer Detektei macht sich der 14. Raidou Kuzunoha auf, mysteriöse Fälle aufzuklären, die oftmals einen dämonischen Hintergrund haben. Wie gut, dass man in der Lage ist, eben jene Dämonen zu beschwören und die Fähigkeit besitzt zwischen der normalen Welt und dem Dämonen-Reich hin und her zu wechseln. Der Job als Aushilfsdetektiv ist also quasi maßgeschneidert für das fiktive Taisho-Setting. Trotz des episodischen Aufbaus mit einzelnen Fällen, arbeitet man schlussendlich auf ein großes zusammenführendes Element, dass trotz fehlender Tiefe, dennoch zu unterhalten weiß.




Action mit Dämonen

Kein Megaten-Spiel ohne Kämpfe gegen und/oder mit Dämonen. Das gilt auch für RAIDOU Remastered. Im Kern wird hier nicht das Rad neu erfunden. Im sogenannten Goumaden trifft man auf eine exzentrische Person, die aus irgendeinem Grund in der Lage ist Dämonen miteinander zu verschmelzen. Natürlich sagen wir da nicht nein und sind schon mitten in der Serien-typischen Dämonen-Fusion. Genau wie in jedem anderen Megaten-Spiel kann man hier zum einen registrierte Dämonen beschwören und verschmelzen, zum anderen im Kampf gefangene Dämonen lassen sich ohne weiteres fusionieren.

Wichtig ist hier nur das Grund-Level des Protagonisten und die richtigen Zutaten-Dämonen. Aktive und passive Skills können abschließend auf den neu kreierten Dämon übertragen werden, was eine geeignete Kombination aus nützlichen Dämonen voraussetzt. Skills können zwar auch durch Items auf Dämonen übertragen werden, doch sind diese meist recht kostspielig oder selten, welches die Fusion mit Plan klar als bessere Option dastehen lässt. Da Dämonen mit steigendem Level weitere Skills erlernen, macht es hier sogar noch mehr Sinn, erst einmal ein wenig mit den verschiedenen Mitstreitern zu trainieren, bevor sie letztendlich als Zutat enden.

Der wirkliche große Unterschied zu anderen Serienablegern ist der Kampf selbst. Dieser läuft in RAIDOU Remastered nämlich in Echtzeit und mit actionbasiertem Kampfsystem ab. Als Mitstreiter lassen sich gleichzeitig zwei Dämonen beschwören, die dann automatisch ihre Attacken ausführen, je nachdem wie viel Mana verfügbar ist. Aktiv kontrolliert wird hier nur der Protagonist, der mit verschiedenen Waffen und Angriffszaubern, Kombos vollführt und Schwächen der Gegner ausfindig macht.




Dämonische Action

Kämpfe gestalten sich somit schnell und manchmal auch leicht unübersichtlich. Aktives Ausweichen und gezielte Kombinationen ausführen, während man darauf hofft, dass der dämonische Mitstreiter eine Schwäche ausnutzt, kann stressig werden. Ebenso verliert das Kampfsystem im Gegensatz zu den üblichen Rundenbasierten Kämpfen auch ein wenig an Taktik. Dämonen lassen sich zwar jeder Zeit aus und einwechseln, um Schwächen gezielt auszunutzen, allerdings ist das auch meist schon alles, was man beachten muss.

Trotz Actionbasiertem Kampfsystem, Dämonen-Wechsel, Skill-Anpassung und Ähnliches, leidet das Spiel in den wichtigen Momenten an Trägheit und fehlender Responsivität. Der Wechsel zu den Menüs bringt das Kampfgeschehen ins Stocken und spielt somit entgegen der eigentlichen Intention, ein flüssiges Actionbasiertes Kampfsystem zu bieten. Oftmals fand ich mich bei den recht kurzen Kämpfen wieder, eben doch nicht die beste Kombination aus Dämonen oder den richtigen Zauber auszuwählen, da der Wechsel in die Menüs einfach zu nervig ist.

Intuitiver ist hier hingegen die Nutzung der Schusswaffe, welche per Knopfdruck sofort einsetzbar ist und ihren Zweck erfüllt. Schnelle Dämonen lassen sich hiermit einfach betäuben und manch ein Gegner kann auch schwach gegen Projektile sein. Weiter gibt es die Möglichkeit, Dämonen in Notsituationen in den Verteidigungsmodus zu setzen. Diese nehmen dann keinen Schaden und ermöglichen dem Spieler, sich voll auf das Ausweichen von Bildschirmfüllenden Massenattacken zu konzentrieren. Beide Features zeigen, dass einfaches und flüssiges Kämpfen möglich ist, aber in anderen wichtigen Teilen des Kampfsystems leider schlecht umgesetzt wurden.




Entdecke die Hauptstadt

Der Ort des Geschehens ist die sogenannte „Hauptstadt“. Hier spielt sich alles ab und vermittelt die Taisho-Ära direkt auf einen Blick. Traditionelle Gebäude gepaart mit westlichem Baustil und eine Straßenbahn, die alles miteinander verbindet. Die Karte selbst ist serientypisch in der Top-Down-Perspektive gehalten mit dem ein oder anderen NPC, der als Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Figur dargestellt wird. Das Setting ist zum PlayStation-2-Orginal bis auf eine höhere Auflösung unverändert.

Der Stil des Spiels in Sachen Charaktere, Umgebung und Dämonen hält sich unverkennbar an den vertrauten Look älterer Megaten-Ableger. Hier vermitteln besonders die Charakterdesigns den Widererkennungswert und machen auch einen Großteil des Charmes von RAIDOU Remastered aus. Im Großen und Ganzen hält man sich aber stark an die Vorlage und vermittelt so den distinktiven Stil der Ära von japanischen PlayStation-2-Spielen.

Musikalisch weiß man auch sofort woran man ist, besonders, wenn man eher mit Megaten-Spin Offs vertraut ist. Denn Komponist Shoji Meguro hatte auch hier seine Finger im Spiel, was man auch ohne Probleme heraushören kann. Neu in RAIDOU Remastered ist die umfassende Vertonung in Japanisch und Englisch, die sich sehen beziehungsweise hören lassen kann. RAIDOU Remastered kann sich hier auf die Fahne schreiben lassen, ein besonders originalgetreues Remaster abgeliefert zu haben. Experimente gibt es hier nicht und das kommt wahrscheinlich Fans des Originals zu Gute.

Ein recht spezieller Detektiv

RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army hat nicht nur rein spezielles Setting, sondern auch ein ungewöhnliches Kampfsystem zu bieten. Auch wenn ich das rundenbasierte Kämpfen bevorzuge und mir zumindest einbilde dort mehr taktische oder strategische Elemente drin zu finden, so kann auch ein Echtzeit-Kampfsystem unter bestimmten Voraussetzungen interessant sein.

RAIDOU Remastered geht in Sachen Kämpfen eher in eine uninteressante Richtung beziehungsweise dürftige Umsetzung. Gerade im Remaster hätte man vielleicht noch mehr an dem Kampfsystem schrauben sollen, damit das Ganze flüssiger und spaßiger ablaufen kann. Leider hat man hier nur minimal an der Schusswaffensteuerung gearbeitet und die Dämonen-Anzahl auf zwei, wie im Sequel erhöht. RAIDOU Remastered kann sich aber nicht vorhalten lassen, dem Original entglitten zu sein, denn das Remaster ist wirklich originalgetreu umgesetzt.

Auch wenn mir das Kampfsystem eher nicht schmeckt, so kann die Geschichte, Atmosphäre und die Handhabung mit der Dämonenfusion durchaus unterhalten. RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army bringt einen Klassiker des Megaten-Universums zurück auf modern Plattformen, was grundsätzlich keine schlechte Idee ist. Gegen mehr klassische Megami-Tensei-Spiele gibt es nämlich nie etwas entgegenzusetzen.

 

Story

Episodische Detektivgeschichten mit humorvollen und unterhaltsamen Passagen.

Gameplay

Typisch geniales Megaten-Dämonen-Management trifft auf ungewöhnliches Action-Kampfsystem mit den ein oder anderen Schwächen.

Grafik

Aufgehübschte visuelle Darstellung im Remaster. Bleibt der Vorlage aber durchweg treu.

Sound

Shoji Meguro wirft mit altbekannten Tönen um sich, die Serien-Kennern direkten Widererkennungswert vermitteln.

Bildmaterial: RAIDOU Remastered: The Mystery of the Soulless Army, Atlus

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