#Immer mehr Unternehmen verlassen das Silicon Valley

Inhaltsverzeichnis

Immer mehr Unternehmen verlassen das Silicon Valley

Die Garage neben dem Haus mit der Nummer 367 in der Addison Avenue in Palo Alto steht bis heute. Eine Erinnerungstafel weist auf ihre ruhmreiche Geschichte hin, „Geburtsort des Silicon Valley“ heißt es dort. William Hewlett und David Packard haben hier 1938 ihr erstes Produkt entwickelt: einen Oszillator – ein von Toningenieuren verwendetes Testinstrument. Der Unterhaltungskonzern Walt Disney kaufte einige Exemplare für seinen Zeichentrickklassiker „Fantasia“.

Roland Lindner

Hewlett-Packard stieg in den Jahren danach zu einem weltweit tätigen Technologiekonzern auf, und die Garage wurde zum Symbol für den Erfindergeist im Silicon Valley. Branchengiganten wie Apple und Google haben sich Jahrzehnte später ebenso in einer Garage dort, in der Region um die kalifornische Metropole San Francisco, gegründet. Hewlett-Packard hat derweil viel von seinem früheren Glanz verloren und sich vor wenigen Jahren in zwei Teile aufgespalten, wird aber immer einen besonderen Platz in der Geschichte des Silicon Valley haben.

Oracle zieht nach Texas

Umso schmerzhafter ist es daher für die Region, dass sie die Zentrale von Hewlett Packard Enterprise (HPE), einer der beiden Nachfolgegesellschaften des traditionsreichen Konzerns, verlieren wird. Das Unternehmen kündigte vor wenigen Wochen an, sein Hauptsitz werde künftig nicht mehr in San José am südlichen Ende des Silicon Valley sein, sondern werde ins texanische Houston umziehen. Das war auch bemerkenswert, weil HPE seine bisherige Zentrale erst im vergangenen Jahr mit großem Rummel eröffnet hatte. Der Bürgermeister von San José zeigte sich entsetzt, nannte die Entscheidung einen „Weckruf“ für die ganze Region.

HPE ist nämlich kein Einzelfall: Vor wenigen Tagen kündigte auch der Softwarekonzern Oracle seinen Umzug nach Texas an. Er hat Austin als neue Heimat gewählt, seine bisherige Zentrale in Redwood City, an deren markanten zylindrischen Glastürmen viele Pendler auf dem Highway 101 täglich vorbeikommen, wird fortan nur noch eine gewöhnliche Niederlassung sein. Mitgründer und Verwaltungsratschef Larry Ellison ist unterdessen nach Hawaii gezogen, wo ihm der größte Teil der Insel Lanai gehört, und wird nach eigener Aussage von dort aus arbeiten.

Zentrale adé: Oracle zieht mit seinem Hauptsitz weg, die kalifornischen Türme werden zur gewöhnlichen Niederlassung.


Zentrale adé: Oracle zieht mit seinem Hauptsitz weg, die kalifornischen Türme werden zur gewöhnlichen Niederlassung.
:


Bild: AFP

Die Abwanderungsbewegung beschränkt sich nicht auf Silicon-Valley-Urgesteine wie Ellison: Elon Musk, Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X, hat gerade seinen Umzug von Kalifornien nach Texas verkündet. Andere gehen zwar nicht so weit, die Gegend zu verlassen, wollen aber ihre Präsenz reduzieren. Zum Beispiel der Kurznachrichtendienst Twitter: In Zukunft sollen weniger Mitarbeiter in der Zentrale in San Francisco arbeiten, sich stattdessen stärker über das Land verteilen. „Niemand will mehr nach San Francisco ziehen“, sagte Vorstandschef Jack Dorsey kürzlich.

Das Silicon Valley hat die Tech-Elite lange wie ein Magnet angezogen. Nun aber muss es um diese Ausnahmestellung fürchten. Die Corona-Pandemie hat daran einen Anteil, auch wenn sie bei weitem nicht der alleinige Grund ist. Der Reiz des Silicon Valley lag immer in seinem Mythos, ein Sammelbecken für einen besonderen Schlag von Menschen zu sein, die mit Unternehmergeist und kühnen Ideen die Welt verändern. Ein Ort, wo eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammenkommt und das nächste große Ding ausbrütet. Wo Unternehmen ihren Beschäftigten ein paradiesisches Arbeitsumfeld mit Annehmlichkeiten wie kostenlosen Gourmetkantinen und Massagen bieten.

In einer Zeit, in der viele Büros verwaist sind, kann das Silicon Valley diese Trümpfe aber nicht mehr ausspielen. Stattdessen treten die Nachteile zutage. Wer im Moment ohnehin zu Hause arbeitet, wird sich womöglich die Frage stellen, ob er dazu wirklich in einer so teuren Stadt wie San Francisco leben muss.

So begründet auch das Unternehmen HPE seinen Wegzug, es hofft auf Kosteneinsparungen. Oracle deutete lediglich an, seinen Mitarbeitern mehr Flexibilität geben zu wollen, „wo und wie sie arbeiten“. Elon Musk sagte, Kalifornien sei wie ein Sportteam, das nach einer langen Siegesserie zu selbstgefällig geworden sei. Was er nicht erwähnte: Texas verspricht ihm persönlich auch gewaltige finanzielle Vorteile. Hier wird keine Einkommensteuer erhoben, Kalifornien hat dagegen für Topverdiener wie Musk die höchste Einkommensteuer in ganz Amerika.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert