In eigener Sache: Die Zukunft der Themen Entwicklung und .NET

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In eigener Sache: Die Zukunft der Themen Entwicklung und .NET

Der Entwicklerbereich war bei Dr. Windows sicherlich nie der wichtigste und populärste Bereich, wenn man ihn mit anderen Punkten wie Windows und Office vergleicht, aber seitdem ich den Bereich ab 2017 richtig aufgebaut habe, haben wir wichtige Projekte wie Visual Studio, Visual Studio Code, die PowerShell und natürlich .NET mit all seinen Elementen intensiv begleitet. Auch große Events wie die BUILD und .NET Conf wurden hier zum Dauergast.

Wenn man sich die Beiträge in diesem Jahr anschaut, zeigt das nicht nur ein ziemliches Desaster rund um Microsoft selbst, sondern da kommt auch diese miesepetrige Konnotation zutage, die wir eigentlich so nicht mehr verbreiten wollten. Entsprechend ist das kein gutes Modell, mit dem wir in die Zukunft schauen und gehen wollen, und hinter den Kulissen liefen deswegen lange Überlegungen, wie es hier weitergehen soll. Darüber – mit einer Ausnahme – will ich euch mit diesem Beitrag informieren.

Warum sind Änderungen notwendig?

Abgesehen von den negativen Entwicklungen, die wir bei Microsoft rund um GitHub, NPM und wegen Jeff Fritz auch zuletzt aus der .NET/Developer Tools-Sektion gesehen haben, muss man einfach nüchtern attestieren, dass sich Microsoft bei seinen Prioritäten stark umorientiert hat. Projekte wie das Windows Subsystem for Linux sind heute voll auf Unternehmen zugeschnitten, während Visual Studio Code mittlerweile in wöchentlichen Updates zu 99 % nur noch an GitHub Copilot und AI Agents orientierte Funktionen bekommt – eine separate Berichterstattung lohnt sich hier schlicht nicht mehr.

Zugleich setzt Microsoft seine Lizenzen stärker durch und der Editor selbst ist mittlerweile ein fester Lock-in-Bestandteil für Microsofts KI-Ökosystem, ähnlich wie das bei Google, SpaceXAI und Amazon auf Monaco-Editor-Basis der Fall ist. Auch sonst hat sich Microsoft verändert. Konferenzen wie BUILD, .NET Conf und – sollte das im November ähnlich laufen – die Ignite haben nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher, vieles wird nebenher auch ohne die früher üblichen Community-Streams angekündigt und Visual Studio bekommt in monatlichen Updates zwar auch noch andere Verbesserungen, aber diese sind eher kleinerer Natur und der Fokus liegt hier auch eher auf KI und Lock-in-Effekte.

Gleichzeitig hat sich der Bedarf der Community rund um .NET geändert, wenn man genauer hinschaut. Etliche Projekte wie Playnite, ImageGlass und Open Live Writer werden auf plattformübergreifende Toolkits wie AvaloniaUI portiert, womit Windows zwar nicht außenvor ist, aber macOS und Linux ebenso bedient werden können. Generell wird ein stärkerer Fokus abseits von Windows wichtiger und ist auch ein Teil der Zukunft, den die Community im Blick hat, um (notfalls) auch ohne Microsoft nach vorne zu schauen.

Abschließend kommen auch persönliche Gründe dazu. Momentan krempelt sich in meinem Privatleben so einiges um und entsprechend muss ich Dr. Windows anpassen und neu eintakten. Dass ich dabei mit Bereichen wie Europa & Digitale Souveränität auch andere Schwerpunkte setze, werdet ihr ja ohnehin schon gesehen haben.

Was ändert sich bei den Entwicklertools?

Was mir bei der Neugestaltung wichtig war, ist, dass sich die Leser weiterhin darauf verlassen können, dass grundlegende Informationen wie eine neue Version von .NET oder der PowerShell, Neuerungen bei WinUI oder wirklich relevante Infos zu GitHub weiterhin durchgereicht werden. Dennoch wird das künftig wesentlich selektiver erfolgen, wenn es wirklich was zu berichten gibt, und vor allem werden wir stärker von Microsoft weg gehen. Konkret bedeutet das auch, dass plattformübergreifende Toolkits wie Uno Platform und vor allem AvaloniaUI hier deutlich häufiger zu sehen sein werden.

Die weitreichenste Änderung dürfte darin liegen, dass Visual Studio und Visual Studio Code nahezu komplett aus der Berichterstattung rausfliegen und die Konzentration vollständig auf Rider von JetBrains umgestellt wird. Das hat verschiedene Gründe: Rider ist auch für macOS und Linux verfügbar, hat mit vier Monaten einen belastbareren Releasezyklus, der auch für reguläre Hobbyentwickler noch stärkere Neuerungen bringt, und er ist die Standard-IDE für Toolkits wie AvaloniaUI. Zudem entspricht er als europäische Lösungen der digitalen Souveränität, die wir ohnehin schon länger verfolgen.

Eine Reaktivierung der Entwickler-Rundschau ist ausdrücklich nicht geplant. Gleichzeitig werde ich auf etwaige Entwicklerkonferenzen wie die BUILD künftig nicht mehr die Rücksicht nehmen, wie ich das früher getan habe, einfach weil die mittlerweile viel zu stark auf Unternehmen ausgerichtet sind und für uns da kaum noch was bei rauskommt.

Was ändert sich für Open Source-Projekte?

Zu meinen früheren Versprechen gehörte auch, dass ich Open Source-Projekte auf .NET-Basis von Hobbyentwicklern mehr Sichtbarkeit geben möchte und dass das ausdrücklich auch eure Projekte einschließen kann, wenn ihr das wollt. Vorbild für das künftige Verfahren sind die Kollegen von OMG! Ubuntu, die monatlich ein Roundup mit aktuellen Linux-Updates rausbringen. So ähnlich möchte ich das auch machen und neben modernen WinUI- und sonstigen .NET-Apps auch die Klassiker wie VidCoder, Pinta oder andere im Blick behalten.

Das bedeutet gleichzeitig auch eine stärkere Bündelung aus der bisherigen Berichterstattung. Während ich die PowerToys weiterhin separat halten und mit eigenen Release-Beiträgen versorgen werde, werden andere Projekte wie das Windows Terminal künftig in dieser Sammelübersicht landen. In welchen Zeiträumen ich das mache, lasse ich aktuell noch offen, aber das wird recht regelmäßig passieren, wenn es wirklich was zu berichten gibt und der Bedarf auch da ist.

Was ist mit dem Entwicklertagebuch?

Tobias wird das Entwicklertagebuch weiterführen, wobei hier im Hintergrund weitere Gespräche laufen und es letztlich natürlich seine eigene Entscheidung ist, was er für Projekte umsetzt und wie er dabei vorgeht. Entsprechend kann und werde ich hierzu derzeit keine weiteren Ankündigungen machen. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass einige Änderungen durchaus auch damit zu tun haben, dass ich ihm manches etwas leichter machen will, etwa auch mit dem stärkeren Fokus auf Rider.

Schlusswort

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, wird der Entwicklerbereich in seiner alten Form und dem alten Umfang nicht mehr zurückkehren. Was wir aber weiterhin bieten wollen, ist eine solide Basis für diejenigen, die es weiter interessiert und womit wir gleichzeitig den Blick jetzt nach vorne richten können, unabhängig davon, was in Redmond noch für unternehmerische Entscheidungen getroffen werden.

Entwicklung ist ein Baustein, den ich betreue, und der sich die knapper gewordenen Ressourcen mit Mozilla, Europa & Digitaler Souveränität, Microsoft Edge und der Inklusiven Informatik bei mir teilen muss. Trotzdem soll er in einem gewissen Umfang erhalten werden. Wenn ihr hierzu noch weitere Wünsche oder Anmerkungen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare.

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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