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Wenn Schüler auf Klassenfahrt gehen, organisiert das entweder der Lehrer auf eigene Faust – oder er gibt das an einen spezialisierten Veranstalter ab. Der stellt beispielsweise das Programm zusammen, regelt Unterkünfte und verspricht rechtliche Absicherung. Einer der beiden größten Anbieter in Deutschland ist nach F.A.Z.-Informationen jetzt an Private Equity übergegangen: Die deutsche Beteiligungsgesellschaft Silver Investment Partners hat die Mehrheit an CTS Reisen gekauft, die nach Auskunft aus der Branche mehr als 100 Millionen Euro Umsatz jährlich erzielt. Der Investor wollte sich auf Anfrage am Dienstag nicht dazu äußern.
CTS aus Lemgo, im Jahr 1974 gegründet, gilt in Deutschland als einer der beiden Marktführer neben dem Starnberger Konkurrenten Alpetour, der sich als „Die Nr. 1 für Klassenfahrten“ bezeichnet. Zu weiteren bedeutenden Anbietern gehört Herolé aus Dresden.
CTS Gruppen- und Studienreisen GmbH (so der volle Name im Impressum der Website) beschäftigt 115 Mitarbeiter und veranstaltet außer Klassenfahrten auch noch andere Gruppenreisen: Hochschulexkursionen mit Bus, Bahn oder Flug, auch Firmen- und Vereinsausflüge. Das Unternehmen organisiert jährlich 6.500 Reisen mit mehr als 200.000 Teilnehmern und 400 Reisezielen in 31 Ländern Europas und den USA.
Den Marktanteil an Klassenfahrten schätzt das Unternehmen dem Vernehmen nach intern etwa auf ein Zehntel. In der Branche wird damit kalkuliert, dass um die 40 Prozent der Klassenreisen von Lehrern selbst gebucht werden.
100 Millionen Euro Umsatz mit Klassenfahrten und ähnlichen Reisen
Inhaber sind der Gründer Ingo Dobbert und sein Sohn Oliver Dobbert. Sie sind auch Geschäftsführer, seit dem Jahr 2017 unterstützt von Christoph Knobloch, der vorrangig Produkte, Marketing und Vertrieb verantwortet. Knobloch steigt mit der Übernahme durch Silver Investment Partners als Miteigner ein, gemäß der Gewohnheit von Private Equity, das Management als Leistungsanreiz am Unternehmen zu beteiligen.
In der neuen Konstruktion steht über CTS eine Muttergesellschaft namens ETG – Educational Travel Group. Das könnte darauf hindeuten, dass das Unternehmen unter der Ägide des Private-Equity-Hauses mit Zukäufen wachsen soll. Silver Investment Partners nutzt dem Vernehmen nach zur Finanzierung der Transaktion einen Kredit von Unicredit, jenem italienischen Haus, das gerade die Commerzbank übernehmen will. Das Fremdkapital macht etwa die Hälfte des Kaufpreises aus, wie zu hören ist – eine recht konservative Finanzierung. Der Gesamtwert von CTS war nicht in Erfahrung zu bringen, er dürfte aber im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Der Jahresumsatz lag vor zehn Jahren bei knapp 60 Millionen Euro, wie die Regionalpresse anlässlich eines Gesprächs mit dem Management berichtete. In der Corona-Pandemie brach das Geschäft ein. Im ersten Coronajahr seien nur 519 Reisen organisiert worden, meldete das Unternehmen im jüngsten verfügbaren Bericht des Bundesanzeigers, der mehr als drei Jahre zurückliegt.
Seitdem hat sich auch dieses Segment der Reisebranche stark erholt. Das Touristik-Fachmagazin FVW gab im vergangenen Jahr den CTS-Umsatz im deutschsprachigen Raum in der Touristiksaison 2023/24 mit 93 Millionen Euro an. Seitdem ist er nach Aussage von Kennern ausreichend gewachsen, um im laufenden Kalenderjahr über der Marke von 100 Millionen Euro zu liegen.
Rechtsschutz und Einkaufsmacht
CTS wirbt damit, Lehrern die Haftung und das Organisationsrisiko bei Buchungen abzunehmen und auf der Reise 24 Stunden am Tag für Notfälle erreichbar zu sein. Außerdem erreiche das Unternehmen durch seine Einkaufsmacht Sonderkonditionen, die Einzelbucher nicht erreichen könnten.
Aus den Schulen ist dagegen auch Kritik zu hören: In Eigenregie sei es als Lehrerin manchmal kaum noch möglich, in Jugendherbergen und ähnlichen Einrichtungen Gruppen unterzubringen, sagt Christina Combrouze, Studiendirektorin am Einstein-Gymnasium in Kehl und erfahrene Klassenfahrtleiterin. „Die Großen belegen mit ihren Kontingenten die Herbergen.“
CTS versucht naturgemäß, Geschäft aus dem Anteil der Eigenbuchungen unter Lehrern zu gewinnen. Wachstum aus eigener Kraft ebenso wie Zukäufe sollen den Wert für den Investor steigern. Silver Investment Partners wurde 2009 gegründet und ist auf mittelständische Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf und 100 Millionen Euro spezialisiert, womit CTS am oberen Ende und inzwischen sogar leicht oberhalb der Zielgruppe liegt.
Das Kapital stammt den Angaben des Investors zufolge von Unternehmerfamilien, unternehmerischen Privatpersonen und einem institutionellen Investor. Die Beteiligungsgesellschaft aus Königstein bei Frankfurt betrachtet sich als besonders langfristig orientiert und nicht als typischen Finanzinvestor. So verzichtet sie laut Eigendarstellung auf der Website auf die für Private Equity typische Fondsstruktur mit begrenzter Laufzeit und starren Statuten.
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