#Israels Außenminister: Internationaler Druck nimmt zu

Israels Außenminister rechnet damit, dass das Land noch „zwei bis drei Wochen“ habe, in denen die internationale Unterstützung für Israel halte. Die militärischen Operationen würden aber unverändert fortgesetzt.

Die Bodenoffensive der israelischen Armee im nördlichen Gazastreifen hat zu einem weitgehenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung geführt. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha, das sich auf Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza bezieht, sind mit Ausnahme des Al-Ahli Krankenhauses in Gaza-Stadt alle Kliniken im Norden des Gazastreifens außer Betrieb. Im Schifa-Krankenhaus, in dessen Umgebung es seit Tagen schwere Kämpfe gibt und unter dem die israelische Armee eine wichtige Kommandozentrale der Hamas vermutet, sollen seit dem 11. November 32 Patienten verstorben sein, darunter auch drei Frühgeborene. 36 weitere Säuglinge sowie mehrere Dialysepatienten sollen in akuter Lebensgefahr schweben, weil es an Treibstoff für Generatoren fehlt.

Felix Hoffmann

Redakteur für Audio

Die israelische Armee veröffentlichte am Dienstag die Aufnahme eines Telefongesprächs mit einem Mann, bei dem es sich um den Generaldirektor des Schifa-Krankenhauses handeln soll. Darin geht es um die Koordination der Lieferung von Inkubatoren und Beatmungsgeräten für Säuglinge und Kinder. Laut israelischen Medienberichten sollen sie am Dienstagvormittag ins Krankenhaus gebracht werden, wobei unklar sei, ob die Hamas die Hilfslieferung zulassen werde.

Bereits am Sonntag hatte die israelische Armee nach eigenen Angaben 300 Liter Treibstoff vor dem Eingang der Klinik platziert. Laut eines Telefonmitschnitts, nach israelischen Angaben mit einem Vertreter des Gesundheitsministeriums in Gaza, soll die Hamas aber verhindert haben, dass der Treibstoff vom medizinischen Personal verwendet werden kann.

Gefechte beim Al-Quds-Krankenhaus

Am Montagabend veröffentlichte die Armee ein Video aus dem Gazastreifen, das in der unmittelbaren Umgebung sowie im Keller des mittlerweile evakuierten Rantisi-Krankenhauses entstanden sein soll. Die Armee fand dort nach eigenen Angaben Sprengstoff, Maschinengewehre und Panzerabwehrraketen. Zudem gebe es in dem Keller auch Hinweise darauf, dass dort einige der knapp 240 aus Israel verschleppten Geiseln festgehalten wurden: Das Video zeigt einen Stuhl mit einem zerknitterten Kleid, neben dem Stuhlbein liegt ein Seil, mit dem eine Geisel gefesselt gewesen sein soll. In unmittelbarer Nähe fand die Armee zudem die Trinkflasche eines Kleinkinds und einen Raum mit einer Liste. Der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, sagte dazu in dem Video, dabei handele es sich um die Namen der Wächter. Von der Gegenseite hieß es hingegen, es sei ein gewöhnlichen Kalender, auch Hagari wiederholte diesen Vorwurf bei einem Pressebriefing zu dem Video nicht.

Für die israelische Armee ist indes klar, dass auch die Krankenhäuser in Gaza militärisch genutzt werden. „Die Hamas-Terroristen sind nach dem Angriff am 7. Oktober, nachdem sie Israelis abgeschlachtet und Frauen und Kinder lebendig verbrannt haben, hierher zurückgekehrt und haben sich unter dem Rantisi-Krankenhaus und anderen Krankenhäusern im Gazastreifen versteckt“, sagte Hagari in dem am Montagabend veröffentlichten Video.

Auch in der unmittelbaren Umgebung des Al-Quds-Krankenhauses ist es am Montag zu Feuergefechten gekommen. Mehrere Terroristen mit Raketenwerfern hatten nach israelischen Angaben aus einer Gruppe von Zivilisten heraus auf israelische Truppen geschossen. Diese erwiderten das Feuer, 21 Terroristen sollen getötet worden sein, zu zivilen Opfern äußerte sich die israelische Armee nicht.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond wies diese Darstellung zurück. Die Terroristen hätten nicht aus dem Krankenhaus, sondern von der Straße angegriffen. Es handele sich um einen „offensichtlichen Versuch, den weiteren Beschuss und die Belagerung des Krankenhauses zu rechtfertigen“ und um einen „klaren Bruch des humanitären Völkerrechts“. Der Rote Halbmond schrieb in seiner Stellungnahme, dass sich keine bewaffneten Personen im Krankenhaus befinden und aus dem Krankenhaus selbst kein Beschuss stattgefunden habe.

Israels Außenminister spricht von wachsendem Druck

Besonderes Augenmerk gilt in der aktuellen Lage dem Schifa-Krankenhaus, das seit Samstag von der israelischen Armee umstellt ist. Nach vom UN-Nothilfebüro Ocha verbreiteten Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza befanden sich am Montag noch gut 600 Patienten, zwischen 200 und 500 medizinische Angestellte und rund 1500 Binnenvertriebene in der größten Klinik des Gazastreifens. Nach Angaben der israelischen Armee gibt es einen humanitären Korridor östlich des Krankenhauses, über den Zivilisten das umkämpfte Gebiet verlassen können. Aus israelischen Kreisen wurde am Dienstag berichtet, dass es auf Seiten der Krankenhausleitung zunehmende Bereitschaft gebe, die Klinik zu räumen. Entsprechende Vorbereitungen zur Verlegung von nicht mobilen Patienten in medizinische Einrichtungen im südlichen Gazastreifen seien angelaufen.

Die angespannte Lage in den Krankenhäusern im Gazastreifen hat auch der amerikanische Präsidenten Joe Biden angesprochen. „Ich hoffe und erwarte, dass die Militäroperationen mit Blick auf Krankenhäuser zurückhaltender werden“, sagte Biden am Montag. Die amerikanische Regierung stehe diesbezüglich mit Israel in Kontakt. „Krankenhäuser müssen geschützt werden“, sagte Biden.

Den internationalen Druck spürt auch Eli Cohen, der israelische Außenminister. Er rechne damit, dass Israel noch „zwei bis drei Wochen“ habe, in denen die internationale Unterstützung für Israel halte, sagte er am Montag der Presse. In seinen Gesprächen mit ausländischen Staatsführern stünde zunehmend die humanitäre Situation in Gaza im Vordergrund, die Solidarität mit Israel nach den Anschlägen vom 7. Oktober nehme hingegen weiter ab. „Der Druck ist noch nicht sehr hoch, aber er nimmt zu“, sagte Cohen. Die militärischen Operationen würden aber unverändert fortgesetzt. „So oder so, wir werden unseren Plan umsetzen“.

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