Japankäfer in Hessen: Gefahr für Landwirtschaft wächst

Japankäfer in Hessen: Gefahr für Landwirtschaft wächst

Vergangene Woche ist in Hessen erstmals der Japankäfer entdeckt worden. Eine Bürgerin aus dem Raum Trebur im Kreis Groß-Gerau habe den Fund eines einzelnen Tieres dem für ganz Hessen zuständigen Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen gemeldet, sagt dessen Mitarbeiter Dirk Hill. Der Schädling sei vermutlich als „blinder Passagier“ nach Hessen gekommen.

Der nicht heimische Käfer kann nach Angaben des Pflanzenschutzdienstes enorme Schäden in der Natur, der Landwirtschaft, sowie im Garten- und Weinbau anrichten. Auf dem Speiseplan des Tieres stünden mehr als 300 Pflanzen, an denen bei einem Befall oftmals nur die Gerippe der Blätter übrig blieben. Pflanzen wie Mais, Wein oder Obstbäume könnten stark geschwächt werden oder absterben. Der Japankäfer hat einen metallisch glänzenden, grünen Kopf, braune Flügel und am Hinterleib fünf weiße Haarbüschel. Er ähnelt dem Maikäfer, ist mit einer Größe von rund einem Zentimeter aber deutlich kleiner.

Hill zufolge hat der Pflanzenschutzdienst in ganz Hessen 22 Fallen an Orten aufgestellt, an denen das Risiko bestehe, den Käfer einzuschleppen. Das seien beispielsweise Campingplätze und Autobahnraststätten. Dadurch könne natürlich nur ein gewisser Teil abgedeckt werden, weswegen man dringend auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen sei, sagt Hill. Wer ein verdächtiges Tier sieht, soll es einfangen, fotografieren und die Bilder mit Angabe des Fundortes an die E-Mail-Adresse des Pflanzenschutzdienstes schicken.

Der Japankäfer (zweiter von rechts) wird häufig mit anderen Käferarten verwechselt.
Der Japankäfer (zweiter von rechts) wird häufig mit anderen Käferarten verwechselt.dpa

Seit dem Fund in der vergangenen Woche in Trebur und der damit verbundenen medialen Aufmerksamkeit bekommen Hill und seine Kollegen täglich Meldungen zu Verdachtsfällen. Bisher habe sich jedoch keiner von ihnen bestätigt. Meist handele es sich um Mai- oder Rosenkäfer.

Nach Angaben des Pflanzenschutzdienstes ist es vermutlich nicht die erste Sichtung in Deutschland: Es gebe Hinweise auf einen Fund im Jahr 2014 in Nordrhein-Westfalen sowie 2018 in Bayern. In Baden-Württemberg seien seit 2021 immer wieder einzelne Tiere gefunden worden. Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat sich das Tier bisher nicht in Deutschland etabliert, eine Ansiedlung wird aber erwartet. 2024 wurde es bereits an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz gefunden.

Tigermücken, Asiatische Hornissen und Drüsenameisen sind schon da

Seit einigen Jahren hat Hessen noch mit weiteren invasiven Arten zu kämpfen. Eine von ihnen ist die Asiatische Tigermücke. Sie stammt aus Südostasien und wurde 2007 erstmals in Deutschland entdeckt. In Hessen wurde sie bisher in mehreren Landkreisen und kreisfreien Städten nachgewiesen. Der Stich an sich ist nicht gefährlicher als bei Mücken anderer Arten. Gesundheitsgefährdend wird er dann, wenn das Tier Krankheitserreger in sich trägt und einen Menschen mit einem Stich infiziert. Potentiell kann sie das Dengue-, Zika-, West-Nil-, Chikungunya oder Gelbfieber-Virus auf den Menschen übertragen. Bisher wurde in Hessen aber keine Übertragung dieser Krankheitserreger durch die Asiatische Tigermücke nachgewiesen.

Um neue Tigermücken-Populationen zu verhindern, sei es wichtig, dass Funde an das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege übermittelt würden. Das gilt vor allem für Regionen, in denen das Tier noch nicht gesichtet wurde.

Auch die Asiatische Hornisse, die 2019 erstmals im Kreis Bergstraße nachgewiesen wurde, breitet sich laut dem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie weiter aus. 1800 Hinweise seien im vergangenen Jahr zu der invasiven Art eingegangen, bei mehr als 1400 habe sich bestätigt, dass es sich um die Asiatische Hornisse handele. Die Meldungen stammten vor allem aus den Landkreisen Odenwald, Main-Taunus und Rheingau-Taunus. Gefährlicher als die Europäische Hornisse ist das Tier nicht, es kann aber laut Naturschutzbund Bienenvölker und andere heimische Insekten dezimieren und Früchte schädigen.

Besonders in Südhessen bereitet sich derzeit ein deutlich kleineres Tier aus: die Große Drüsenameise, auch Tapinoma magnum genannt. Nachdem sie unter anderem im Wetteraukreis gesichtet wurde, hat auch die Stadt Offenbach Ende Juli berichtet, dass die invasive Art dort festgestellt worden sei. Im Stadtteil Bürgel seien die Insekten in einem Gebiet mit mehreren Straßen und auch auf dem Friedhof verbreitet, in der Innenstadt sei bisher eine Sichtung auf einem begrenzten Gebiet bekannt.

Im Kreis Darmstadt-Dieburg wurden in den vergangenen Monaten gleich an mehreren Orten auffällig viele Ameisen festgestellt: zunächst an einer Grundschule in Reinheim, nun auch an zwei Schulen in Pfungstadt. Ein Gutachten hat nach Angaben des Kreises bestätigt, dass es sich um die invasive Ameisenart handelt. Zuletzt meldete Riedstadt im Kreis Groß-Gerau, dass wegen Tapinoma Bauarbeiten umgeplant würden.

Für den Menschen ist die Große Drüsenameise nicht gefährlich, sie kann allerdings durch das Unterhöhlen von Terrassen, Hofeinfahrten, Gehwegen oder Straßen die Infrastruktur zerstören. Außerdem dringen die Insekten auf der Suche nach Nahrung auch in Häuser ein.

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