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Allein in Nordrhein-Westfalen fehlt an jeder zehnten Grundschule ein Schulleiter. In anderen Bundesländern sieht es kaum besser aus. Mit nur wenigen Hundert Euro zusätzlich werden Schulleitern viel Verantwortung und ein Höchstmaß an Verwaltungsaufgaben vergütet. Durch die Anhebung der Lehrergehälter ist die Schulleitungsaufgabe zumindest in Nordrhein-Westfalen noch uninteressanter geworden, denn die Gehälter der Rektoren wurden nicht erhöht.
Bundesweit würde jede vierte Schulleitung gern ihre Schule verlassen, wenn sich etwas Besseres böte. Sechs Prozent würden gern so schnell wie möglich eine andere Aufgabe übernehmen. Begründet haben die Schulleiter ihren Wunsch nach einem baldigen Wechsel mit mangelnder Unterstützung (48 Prozent), einer nicht angemessenen Bezahlung (41 Prozent) und dem Wunsch nach beruflicher Entwicklung (40 Prozent). Ein Drittel gibt als Wechselmotiv die schlechten Arbeitsbedingungen an, obwohl die eigenen Aufgaben als ausgesprochen sinnvoll empfunden werden.
Das gilt für alle Bundesländer, wie aus dem Schulleitungsmonitor Deutschland hervorgeht, den die Wübben Stiftung Bildung bei der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben hat. Er wird als Kooperationsprojekt mit der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Tübingen und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg durchgeführt. Befragt wurden 1007 Schulleiter allgemeinbildender Schulen aller Bundesländer im Herbst 2022.
Misstrauen gegenüber der Schulaufsicht
Es bestehe die Möglichkeit, dass rund ein Viertel der Befragten ihrer aktuellen Schule in absehbarer Zeit den Rücken kehre und ein Teil davon ganz aus dem Schulsystem ausscheide, warnen die Autoren. Der Anteil der wechselwilligen Schulleiter sei im Vergleich zur Vorläuferstudie aus dem Jahr 2019 gestiegen.
Fast neun von zehn Schulleitern gaben an, in den drei Monaten vor der Befragung oft oder sehr oft deutlich länger als vertraglich vereinbart gearbeitet zu haben. 85 Prozent von ihnen haben auf Pausen verzichtet, 40 Prozent geben ihre wöchentliche Arbeitszeit mit mehr als 50 Stunden an. Gut ein Viertel war auch außerhalb der Dienstzeiten für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft erreichbar. Mehr als die Hälfte der Schulleiter empfinden das eigene Arbeitstempo als belastend und auf Dauer nicht durchhaltbar. Von ihrer Arbeitszeit entfallen 29 Prozent nach Angaben der Schulleiter auf administrative Tätigkeiten und Sitzungen, während für eigenen Unterricht und die Lehrplangestaltung 19 Prozent, für den Umgang mit Schülern 13 Prozent und für die Kommunikation mit Eltern 10 Prozent der Wochenarbeitszeit aufgewendet werden.
Obwohl die Qualität einer Schule ganz entscheidend von der Professionalität der Schulleitung und deren Zusammenarbeit mit dem Kollegium abhängt, hat nur ein Bruchteil der Rektoren eine Qualifizierung für die Schulleitungsaufgabe an Universitäten oder Pädagogischen Hochschulen durchlaufen. 88 Prozent der Befragten hatten keine solche Qualifizierung. Immerhin 57 Prozent haben eine formale Qualifikation von einem Landesinstitut. Sie ist in manchen Bundesländern verpflichtend
Die meisten Schulleiter beschreiben das Verhältnis zu ihren Mitarbeitern, vor allem den Lehrern, als vertrauensvoll und halten die Lehrer für kompetent, ehrlich und zuverlässig. Das Misstrauen gegenüber der Bildungsadministration ist im Vergleich zum letzten Schulleitungsmonitor jedoch gewachsen. Vor allem die Schulaufsicht wird von den Schulleitern negativ bewertet. Rund 40 Prozent der Schulleiter sagen, sie könnten sich nicht immer auf die Schulaufsicht verlassen oder ihr vertrauen. Außerdem stimmen nur 39 Prozent der Aussage (eher) zu, dass die Schulaufsicht immer wohlüberlegte Entscheidungen trifft. 72 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Unterstützung von der Schulbehörde oder dem Schulministerium, 65 Prozent vom Schulträger, also von den Kommunen. Fast ein Viertel der befragten Schulleiter verorten ihre Schulen in einem sozialen Brennpunkt, was die Arbeit für Lehrer besonders schwierig macht, denn die Schüler kommen häufig aus armen, bildungsfernen Familien.
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