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Die Ursachen für Alzheimer und andere Demenzerkrankungen sind erst in Teilen geklärt. Klar scheint aber, dass ein gesunder Lebensstil das Risko für eine Demenz senken kann. Ob auch Kaffee und Schwarzer oder grüner Tee dazu gehören, ist jedoch umstritten, Studien sind hier widersprüchlich. Jetzt liefert eine Auswertung von Daten zweier Langzeitstudien mit zusammen mehr als 130.000 Teilnehmenden neue Hinweise. Demnach könnte der Genuss von zwei bis drei Tassen koffeinhaltigem Kaffee oder Tee das Demenzrisiko senken und den kognitiven Abbau bremsen. Allerdings: Der Effekt ist nur gering und die Studien belegen nur eine Korrelation, keinen kausalen Zusammenhang. Ob demnach wirklich der Kaffee und Tee oder ein anderer mit dem Lebensstil verknüpfter Faktor verantwortlich ist, bleibt offen.
Bisher gibt es für Alzheimer und andere Formen der Demenz kein echtes Heilmittel, bisherige Therapien können den geistigen Abbau nur verlangsamen, nicht aber stoppen oder rückgängig machen. Auch die Ursachen sind bisher erst in Teilen geklärt. Dennoch legen Studien nahe, dass auch die Lebensweise und Ernährung eine Rolle spielen und das Auftreten einer Demenz zumindest verzögern, möglicherweise sogar verhindern können. Doch bisher ist nur in Teilen bekannt, welche Lebensstil-Faktoren dafür ausschlaggebend sind. Neben der Ernährung gelten auch Pflanzeninhaltsstoffe, wie sie beispielsweise in Kaffee oder Schwarzem Tee enthalten sind, als mögliche Präventionshelfer. “Kaffee enthält bioaktive Inhaltsstoffe wie Polyphenole und Koffein, die neuroprotektiv wirken könnten, weil sie oxidativen Stress und neurologische Entzündungen reduzieren”, erklären Yu Zhang von der Harvard University in Boston und seine Kollegen. So legen Laborstudien nahe, dass Koffein die Ansammlung von schädlichen Amyloid- und Tau-Proteinen im Hirngewebe bremsen kann.
Zwei bis drei Tassen Kaffee optimal
Ob sich diese Laboreffekte aber auf den Alltag übertragen lassen, ist unklar. Bisherige Studien dazu erbrachten widersprüchliche Ergebnisse. “Unter anderem variiert die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Koffeinaufnahme und dem Demenzrisiko zwischen den Studien: Einige deuten auf ein erhöhtes Risiko bei hohen Koffeindosen hin, andere zeigen dagegen schützende Effekte, die sich bei höheren Dosen stabilisieren”, berichten Zhang und seine Kollegen. Hinzu kommt, dass viele bisherigen Studien ihre Teilnehmenden nur über relativ kurze Zeit hinweg untersuchten, so dass es kaum Daten über langfristige Effekte gab. Deshalb haben Forschenden nun die Daten von zwei Langzeitstudien ausgewertet, die schon seit über 40 Jahren laufen, der Nurses’ Health Studie (NHS) und der Health Professionals Follow-Up Study (HPFS). Diese umfassen den medizinischen Werdegang und Lebensstilfaktoren von Krankenschwestern und anderen Angestellte aus dem Gesundheitsbereich in den USA. Das Team um Zhang untersuchte anhand der Daten von insgesamt 131.821 Teilnehmenden, ob sich koffeinhaltiger Kaffee, Tee und entkoffeinierter Kaffee auf das Demenzrisiko und die kognitive Gesundheit der einzelnen Personen auswirkten.
Die Auswertungen lieferten Hinweise auf eine Wirkung von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee: “Nach Anpassung an potenziell verzerrende Effekte anderer Risikofaktoren war eine höhere Koffeinaufnahme signifikant mit einem verringerten Demenzrisiko verknüpft”, berichtet das Team. Pro 100.00 Personen gerechnet erkrankten 141 Kaffee-Vieltrinker im Laufe der Studienzeit an einer Demenz, bei den wenig Koffein Trinkenden waren es 330 Fälle. Die Teilnehmenden mit hohem Koffeinkonsum erzielten zudem in Tests ihrer geistigen Leistung einen minimal höheren Wert. Mit einer Differenz von nur 0,02 Prozentpunkten war dies jedoch nicht signifikant, wie Zhang und seine Kollegen berichten. Nähere Analysen zeigten, dass es bei der täglichen Menge von Kaffee und Tee einen Sättigungseffekt zu geben scheint: Die kognitiven Vorteile waren am ausgeprägtesten bei Teilnehmenden, die täglich zwei bis drei Tassen koffeinhaltigen Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee konsumierten. Eine höhere Dosis verbesserte die Wirkung hingegen nicht weiter.
Positiver Effekt mit wichtigen Einschränkungen
“Unsere Ergebnisse stimmen mit früheren Studien überein, die ebenfalls neuroprotektive Effekte von Koffein und Kaffeekonsum beobachtet haben”, schreiben die Forschenden. Da entkoffeinierter Kaffee die von ihnen festgestellte Wirkung nicht zeigte, gehen sie davon aus, dass Koffein oder andere beim Entkoffeinieren entfernte Inhaltsstoffe für diese Effekte verantwortlich sind. Auch das Abflachen der Wirkung bei höheren Dosen sei plausibel, erklären Zhang und sein Team. Denn die Aufnahme, der Transport und die Verstoffwechselung von Koffein und anderen bioaktiven Substanzen aus Kaffee oder Tee hat physiologische Grenzen. Mehr hilft daher nicht automatisch mehr.
Allerdings gibt es zwei entscheidende Einschränkungen. Die erste: „Auch wenn unsere Ergebnisse ermutigend sind, ist es wichtig zu bedenken, dass der Effekt nur gering ist und es viele wichtige Möglichkeiten gibt, die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter zu schützen“ betont Seniorautor Daniel Wang vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School. “Unsere Studie legt aber nahe, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee ein Puzzlestück davon sein kann.” Die zweite, bedeutende Einschränkung betrifft die Art der Studie: Bei den ausgewerteten Langzeitstudien handelt es sich um Beobachtungsstudien, die noch dazu teilweise auf Selbstangaben der Teilenehmenden beruhen. Diese Art der Studie kann zwei Korrelationen aufdecken, nicht aber kausale Zusammenhänge beweisen. Darauf weist auch der nicht an der Studie beteiligte Mediziner Naveed Sattar von der University of Glasgow hin.
Demnach könnte es nicht erfasste Faktoren geben, die für diese Wirkung verantwortlich sind und die zufällig mit dem moderaten Kaffeekonsum zusammentreffen. “So könnten Menschen, die mäßige Mengen Kaffee oder Tee trinken, beispielsweise insgesamt ein gesünderes, balanciertes Leben führen – und dies, -nicht der Kaffee an sich – trägt dann zu ihrer besseren Hirngesundheit bei.” Auch Schlafstörungen oder andere nicht erfasste Faktoren können dahinterstecken. “Man sollte die Ergebnisse daher mit Einschränkungen bewerten. Fakt ist, dass die wichtigsten Schutzfaktoren für das Gehirn unverändert bleiben: eine gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, wenig Alkohol, ein gesundes Herz-Kreislauf-System und regelmäßige geistige Anregung”, sagt Sattar.
Quelle: Yu Zhang (Harvard University, Boston) et al., JAMA, doi: 10.1001/jama.2025.27259
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