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Als die Kreuzfahrer vor bald tausend Jahren das „Heilige Land“ erobert hatten, wandelten sie den Felsendom in eine Kirche um und nutzten die Al-Aqsa-Moschee als Palast. In dem heutigen Konflikt um die Esplanade in der Altstadt von Jerusalem spielen Christen jedoch praktisch keine Rolle. Er wird zwischen Muslimen und Juden ausgetragen, wobei zur religiösen Ebene eine nationale, palästinensisch-israelische kommt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entschärfte den jüngsten Konflikt am Dienstagabend vorübergehend, als er entschied, dass wie in früheren Jahren während der letzten zehn Tage des Ramadans nur Muslime Zutritt haben.
Auch die Kirchen haben indessen Probleme mit der israelischen Herrschaft über Ostjerusalem seit 1967. Sie beklagen Einschränkungen und zunehmende Übergriffe durch Siedler. Das Verhältnis der christlichen Gemeinschaften zueinander ist selbst nicht frei von Konflikten. Nicht nur auf dem Al-Aqsa-Plateau, auch in der Grabeskirche gibt es einen Status quo, der genau regelt, welche Glaubensgemeinschaft wann wo was tun darf. Dennoch kam es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Streit und sogar zu Handgreiflichkeiten, etwa über die Frage, welche Gemeinschaft eine bestimmte Treppenstufe putzen darf.
Griechisch-orthodoxes Osterfest
Äußerer Druck schweißt die Christen aber fester zusammen. Am Mittwoch hielten mehrere Konfessionen eine gemeinsame Pressekonferenz ab. Als Ort hatten sie das Dach der Grabeskirche gewählt – griechisch-orthodox laut Status quo (auch wenn ein paar Meter weiter koptische und äthiopische Christen um ein kleines Kloster streiten). Die griechisch-orthodoxe Kirche war auch federführend, denn ihr Osterfest steht am Wochenende bevor. Der Höhepunkt findet am Samstag statt. Dann wird das Wunder des Heiligen Feuers gefeiert, welches der Überlieferung zufolge jedes Jahr von selbst in der kleinen Grabkapelle Jesu im Kircheninnern entsteht.
In einer gemeinsamen Stellungnahme beklagten das griechisch-orthodoxe und das armenische Patriarchat sowie die katholische Kustodie des Heiligen Landes nun „unangemessene und beispiellose Zugangsbeschränkungen zum Heiligen Grab“ seitens der israelischen Behörden. Der griechisch-orthodoxe Archimandrit Vater Meletios kritisierte, dass die Polizei seit Jahren die Zahl der Gläubigen beschränke, die der mehr als 1200 Jahre alten Feier beiwohnen könnten. Die Polizei hatte angekündigt, dass am orthodoxen Karsamstag nur 1800 Personen gleichzeitig in der Kirche sein dürften. Patriarch Theophilos III. forderte daraufhin, alle Christen müssten „ihr natürliches, gottgegebenes Recht ausüben können, die Grabeskirche zu erreichen“.
Der Konflikt schwelt seit Jahren. In früheren Zeiten wohnten mehr als 10.000 Besucher der Liturgie des Heiligen Feuers bei. Die Polizei hat aber immer wieder versucht, die Zahl zu reduzieren. Sie begründet dies mit den beengten Verhältnissen in der Kirche und damit, dass es keine Notausgänge gebe. Im vergangenen Jahr kam es am orthodoxen Karsamstag zu Handgreiflichkeiten, als Gläubige Absperrungen vor der Kirche zu überwinden versuchten.
Umgekehrt schlossen die Jerusalemer Kirchenführer die Grabeskirche 2018 aus Protest selbst einmal für mehrere Tage, bis ein Streit mit der Regierung unter anderem über ausstehende Steuerzahlungen beigelegt war. Schon damals sprachen sie von einer „systematischen Kampagne“ gegen die Christen im Heiligen Land. Ihre Klagen sind seither lauter geworden. Die Christen in Jerusalem werden nicht nur von Siedlerorganisationen bedrängt, die systematisch Kircheneigentum zu übernehmen versuchen. Sie sehen sich, insbesondere in der Altstadt, auch vermehrt Attacken ausgesetzt. Diese kommen laut Angaben von Kirchenführern vor allem von fundamentalistischen Juden – und haben parallel zum wachsenden Einfluss radikaler Siedler in Israel zugenommen.
Allein in diesem Jahr gab es mehrere Vorfälle, unter anderem einen Angriff auf zwei Priester auf dem Ölberg, Vandalismus auf dem Friedhof auf dem Zionsberg und ein „Tod den Christen“-Graffito auf einer armenischen Klostermauer. Im Konflikt über die Liturgie am Samstag wollen die Kirchenführer nicht zurückstecken. In ihrer Erklärung heißt es, die Zeremonie werde „wie üblich seit zwei Jahrtausenden abgehalten“, und alle Gläubigen seien dazu eingeladen.
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