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Kinder von Beachvolleyballspielerinnen haben einen entscheidenden Vorteil: sie können ihre Mütter zum Job begleiten und an deren Arbeitsplatz im Sand spielen. Die allseits angestrebte ausgewogene Work-Life-Balance der Eltern wird somit vortrefflich ergänzt mit einer besonderen Beach-Ball-Betreuungs-Balance.
Nach einer Stippvisite beim VC Wiesbaden in der Hallen-Bundesliga wechselte die Abwehrspezialistin schnell an den Strand. Dort gehört sie seit mittlerweile eineinhalb Jahrzehnten zur erweiterten Weltspitze. Schon bei ihrem WM-Debüt 2013 sicherte sie sich gemeinsam mit Britta Büthe die Silbermedaille. 2021 wurde sie an der Seite von Julia Sude EM-Dritte. Borger nahm an zwei Olympischen Spielen sowie etlichen Weltmeisterschaften teil. Und spielte nun in Düsseldorf ihre „gefühlt zwanzigste“ Europameisterschaft – diesmal an der Seite der 13 Jahre jüngeren Hanna-Marie Schieder.
„Sie ist an irgendeinem Strand unterwegs“
Was Borger in all den Jahren nicht gelang, schaffte ihre Mutter vor exakt drei Jahrzehnten. Im August 1995 spielte Cordula Pütter in dem kleinen bretonischen Strandort Saint-Quay-Portrieux im Département Côtes-d’Armor bei der zweiten EM-Auflage für Frauen mit. Und gewann gemeinsam mit Beate Paetow das Finale gegen die Norwegerinnen Merita Berntsen und Ragni Hestad. Ein Preisgeld wurde damals nicht ausgezahlt, wohl aber zählt die Erinnerung.

„Schön, dass noch jemand dran denkt“, sagte Karla Borger, als sie auf das Jubiläum des EM-Siegs angesprochen wurde. Eine gemeinsame Erinnerungsfeier zelebrierten die beiden aber nicht. „Sie ist an irgendeinem Strand unterwegs und trainiert die Leute“, meinte Karla über ihre Mutter. Denn Cordula Pütter ist auch mit 64 Jahren noch als Volleyball-Trainerin aktiv – und richtet im Sommer mit Vorliebe Beachcamps in warmen Gefilden aus.
Auch Karla Borger agiert mittlerweile als eine Art Coach, allerdings mitten drin im Spielgeschehen. Bei den Partien in Düsseldorf dirigierte sie Hanna-Marie Schieder und kommentierte das Geschehen während der Ballwechsel. In den Auszeiten nahm sie ihre junge Partnerin schon mal an die Hand, um sie zu beruhigen. „Ich versuche, meine Coolness zu bewahren“, sagte Borger, die mit cleverer Spielweise ihr „Altes-Hase-Ding“ durchzieht, während mit Schieder gelegentlich noch der „jugendliche Leichtsinn“ auf dem Feld durchgeht. Mit ihrer Darbietung konnten die Beiden insgesamt zufrieden sein: Nach zwei Siegen und einer Niederlage in Vor- und Zwischenrunde unterlag das unkonventionelle Doppel im Achtelfinale gegen das deutsche Spitzenduo Cinja Tillmann und Svenja Müller.
Ihr erster großer Titel blieb Karla Borger somit weiter verwehrt. Vielleicht liegt es daran, dass sie damals in Saint-Quay-Portrieux nicht dabei war. „Ich kann mich nicht an die EM 1995 erinnern“, sagte Borger in Düsseldorf – und wunderte sich selbst ein bisschen.
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