Sie sind überall, rasen mit Lichtgeschwindigkeit durch die Welt und durchdringen praktisch alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Rede ist von Neutrinos, die die Physik seit Langem herausfordern. „Das seltsamste Teilchen der Welt“ heißt denn auch der Titel des Buchs von Christian Spiering, der sich als Wissenschaftler ganz der Erforschung von Neutrinos verschrieben hat.
Sie existieren in drei Varianten plus den jeweiligen Antiteilchen, entstehen als Nebenprodukte bei atomaren Prozessen etwa im Inneren der Sterne und lassen sich nur schwer dingfest machen. So bedarf es spezieller Teleskope wie IceCube, das die mächtige Eisschicht am Südpol als riesiges Detektormedium nutzt.
Ebenso spannend wie die skurrilen Eigenschaften der Neutrinos ist deren Geschichte, die vor einem Jahrhundert begann. Der Physiker Wolfgang Pauli postulierte ein Teilchen, in dem die fehlende Energie beim sogenannten Betazerfall stecken sollte. Nachgewiesen hat dieses flüchtige Nichts Frederick Reines 1956 bei einem Experiment an einem Kernreaktor. Nicht nur Pauli und Reines spielen im Buch eine Rolle. Der Autor erzählt auch aus dem Leben von vier weiteren Forschern und einer Forscherin (Lise Meitner). Mit Anekdoten gewürzt, lesen sich die biografischen Streiflichter lebendig und unterhaltsam. Spiering stellt die Menschen in den Mittelpunkt, vermeidet schwere physikalische Kost und macht sein Thema damit für ein breites Publikum bekömmlich. Helmut Hornung
Christian Spiering
Das seltsamste Teilchen der Welt
Hanser Verlag, 332 S., € 28,–
ISBN 978–3–446–28465–4
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