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Es gibt nicht viele Fahrer in der WM-Geschichte der Formel 1, die das geschafft haben. Seit Sonntag gehört Kimi Antonelli zu den zehn seit 1950, denen fünf Siege in Serie gelungen sind: „Danke, so sehr, mein Gott, war das ein Rennen“, rief der Italiener nach der Zieldurchfahrt in Monaco ins Bordmikrofon seines Mercedes. Der 19-Jährige siegte am Sonntag nach einem kuriosen, von Unterbrechungen geprägten Grand Prix vor Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari und Red-Bull-Pilot Isack Hadjar.
Einer fehlte im Abschlussbild mit Fürst Albert II. von Monaco – aus seiner Sicht: Max Verstappen. Als Zweiter des Qualifyings knapp hinter Antonelli hatte der viermalige Weltmeister eine Attacke angekündigt – über gut hundert Meter bis zur ersten Kurve. Also nichts weniger als einen Raketenstart. Was hatte er schon zu verlieren? Seine ganze Power. Der Red Bull bewegte sich wie in Zeitlupe, als die Startampeln erloschen. „Was zur Hölle!“, rief der viermalige Weltmeister und fügte einen Fluch hinzu. Als der Bolide dann doch in die Gänge kam, kreiste er als Letzter, schleppte sich auf Anordnung des Teams in die Box und stieg aus. Feierabend vor dem Sonntagskaffee.
Äußerlich gelassen verließ der Niederländer das Fahrerlager. Er habe es ja nicht weit nach Hause, ließ er einen Reporter wissen. Falls Verstappen als Zaungast doch noch mal hinschaute, dann sah er Ferrari in seiner Position als Verfolger von Antonelli, dem – endlich – ein makelloser Start gelungen war. Beflügelt von seinem Monaco-Rausch am Samstag dank einer „magischen“ (Antonelli) Runde zur Pole fuhr er der Scuderia-Besatzung voraus. So fix, dass Hamilton ihn im Kurvengeschlängel bald aus den Augen verlor. Ferraris SF-26 galt als Topmodell für die Hatz durch das Fürstentum. So weich, wie der rote Renner über die Randsteine und Bodenwellen schluckte.
„Für diese Scheiße übernehme ich nicht die Verantwortung“
Charles Leclerc, ein Kind des Stadtstaates, galt als Favorit. Aber der Monegasse verlor als Dritter schnell den Anschluss an seinen Teamkollegen. Auch das übliche Strategiespiel nutzte nichts. Nach der ersten Boxenstopp-Arie blieb es bei der Reihenfolge. Mit einem Unterschied: Antonelli führte bald mit 28 Sekunden, ehe ein harmloser Crash von Lance Stroll zwanzig Runden vor dem Ende zum Einsatz des Safety-Cars führte und das zum großen Teil überrundete Feld wieder zusammenführte.
Der Mercedes-Mann behielt beim „fliegenden“ Neustart die Nerven. Hinter ihm aber krachte es wieder ausgangs der Zielkurve – diesmal im doppelten Sinne. Leclerc rutschte in die Bande: „Diese verdammten Bremsen. Für diese Scheiße übernehme ich nicht die Verantwortung. Ich sehe aus wie ein Idiot.“ Die übernahm – wenn auch mit Blick auf den Streckenzustand und nicht auf das Feuer bei Ferrari – der Automobil-Weltverband. Denn ein Stück aufgebrochener Asphalt erschien als Ursache der beiden an dieser Stelle sehr seltenen Unfälle.

Dem Rennabbruch elf Runden vor Schluss folgte jedoch ohne Reparatur ein Neustart aus dem Stand. Das nächste Nervenspiel. Antonelli ließ sich wieder nicht beeindrucken, zog Hamilton erneut davon und fuhr über die letzten Runden souverän zum Triumph.
Ein Zeichen für Mercedes. Auch im Rennbetrieb über 78 Runden mit viel Benzin an Bord hielt Antonelli Ferrari immer auf Abstand. Anders gesagt: Der Silberpfeil läuft seit Beginn der Siegesserie beim ersten Grand Prix in Australien auch dort erstklassig, wo es besonders langsam zugeht – quasi auf jedem Streckentyp.
Das ließ sich auch bei der Jagd von George Russell auf Hadjar im Red Bull erkennen. „Ich könnte eine Sekunde schneller fahren“, rief der Engländer seinem Renningenieur via Funk zu, den Viertplatzierten vor der Nase. Nervenaufreibend für beide. Monaco bietet auch den schmaleren, agileren, wendigeren Rennwagen der jüngsten Generation kaum Überholchancen.

Russell kam zwar vorbei, aber doch nicht voran. Im Gegenteil. Ein Verstoß beim Absitzen einer Fünf-Sekunden-Strafe (Tempolimit in der Boxengasse missachtet) führte zu einer Durchfahrtsstrafe und letztlich nur zu Rang 13. Härter trifft ihn die heftige Niederlage gegen den Shootingstar im eigenen Team schon beim Qualifying (0,4 Sekunden Rückstand).
Russell hatte sich am Zug gewähnt nach seiner brillanten Tour in Kanada, das Rennen anführend vor Antonelli bis zum Ausfall wegen eines Antriebsschadens. Am Samstagmittag schien er „ratlos“, am Abend fand er eine Erklärung: „Es gibt eindeutig einen Unterschied im Fahrstil zwischen uns beiden, der war auch schon letztes Jahr vorhanden“, sagte Russell: „Aber dieses Jahr spielt ihm das offensichtlich in die Karten.“
Auf Nachfrage wurde der Brite etwas konkreter. „Der Unterschied ist, dass unser Fahrverhalten so viel Einfluss auf die Reifen hat. Er bekommt die Reifen in ein besseres Fenster als ich, eine bessere Balance über eine Runde. Ich weiß nicht, warum das so ist. Ich fahre meine ganze Karriere lang auf diese Weise, und jetzt funktioniert es mit diesem Auto nicht mehr.“
Er wird sich anpassen müssen an die Realität: Antonelli kam schon als inoffizieller Chefpilot von Mercedes nach Monaco. Die an der Côte d’Azur auf 66 Punkte ausgebaute Führung vor dem aufgerückten Hamilton in der Fahrerwertung betoniert seine Position. Denn der für Herz und Hirn wohl härteste Grand Prix gilt als besondere Reifeprüfung für junge Piloten.
„Wir müssen ihn auf dem Boden halten“
Obwohl noch wenigstens 16 Rennen gefahren werden, wird der junge Mann aus Bologna schon als kommender Weltmeister gehandelt. Prompt beeilte sich Teamchef Toto Wolff, die Gefahr eines Höhenflugs zu skizzieren: „Wir müssen ihn auf dem Boden halten. Die Saison ist lang, Kimi darf auf keinen Fall übermütig werden.“
Die schnellste Rennrunde aber ließ er sich nicht nehmen. Da mahnte der Renningenieur: „Das muss nicht sein.“ Im Rennstall nebenan im Fahrerlager gehts es derweil um Aufbauarbeit. Weltmeister Lando Norris (McLaren) schied in Monaco wegen eines Batterie-Problems (des Mercedessystems) aus. Teamkollege Oscar Piastri wurde – obwohl zuvor überrundet – Vierter.
Und Audi: Wieder gelang es dem deutschen Team nicht, das Potenzial des Autos auszufahren. Gabriel Bortoleto (12.) kam mit seinem Boliden nicht bis zur Startaufstellung. Er musste aus der Boxengasse starten. Am Samstag hatte sich der Brasilianer die Aussicht auf WM-Punkte mit einem Fahrfehler im Qualifying zunichtegemacht. Aufhängung gebrochen, Fahrer geknickt. Nico Hülkenberg blieb wegen eines später erkannten Schadens der sicher scheinende Sprung unter die ersten Zehn in der Startaufstellung verwehrt.
Als Zwölfter nach dem Start „wartete“ er in der Hochgeschwindigkeitsprozession auf Fehler der anderen, auf das Glück des Tüchtigen. Es schien greifbar nach dem Trubel. Rang neun versprach die ersten Punkte, ehe ihn eine Zeitstrafe zurückwarf (14.). Audi zeigte nicht, was drinsteckte in Monaco.
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