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Bären können in verschiedensten Lebensräumen überleben. Denn sie sind grundsätzlich Allesfresser, passen ihre Ernährung aber flexibel an das vorhandene Nahrungsangebot an. Das gilt nicht nur für regionale Gegebenheiten, sondern auch für epochale Umweltveränderungen wie derzeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel, wie eine neue Studie belegt. Die wandlungsfähigen Bären stärken dadurch indirekt auch die Ökosysteme in ihren Lebensräumen und machen sie widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.
Auf dem Speiseplan der verschiedenen Bärenarten stehen Beeren, Wurzeln, Nüsse und Gräser, aber auch Insekten, Fische oder Säugetiere. Was genau die Raubtiere fressen, hängt von der Jahreszeit und der Art ab. Beispielsweise frisst der Braunbär im Sommer und Herbst vor allem Beeren oder Nüsse und im Frühjahr mehr Fleisch. Je nach vorhandenem Angebot passen alle Bärenarten ihre Ernährung flexibel an. Dadurch können sie in verschiedensten Regionen der Erde überleben, von arktischen Tundren bis zu dichten tropischen Wäldern. Aber wie wirken sich diese Allesfresser umgekehrt auf ihre Lebensräume aus? Wie beeinflussen Umweltveränderungen durch den Klimawandel die Ökosysteme und welche Rolle kommt dabei den Bären als den größten landlebenden Raubtieren zu, die an der Spitze der Nahrungsketten stehen?
Wechselwirkungen zwischen Bären und ihrem Lebensraum
Das hat nun ein Forschungsteam um Jörg Albrecht vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt untersucht. Dafür werteten die Biologen ökologische und paläoökologische Daten zu sieben Arten aus: Europäischer Braunbär, Amerikanischer Schwarzbär, Andenbär, Asiatischer Schwarzbär, Malaienbär, Pandabär und Lippenbär. Insbesondere verglichen sie Daten zur Zusammensetzung von Kot und Mageninhalt der Tiere, welche in früheren Studien untersucht wurden.

Die Auswertung ergab, dass Bären in ihrer Anatomie und ihrem Stoffwechsel nicht auf Fleisch festgelegt sind. Tatsächlich bevorzugen sie eine eher eiweißarme und außergewöhnlich vielseitige Ernährung, verglichen mit anderen großen Raubtieren. „Dadurch übernehmen Bären viele ökologische Rollen zugleich: Sie jagen Beutetiere, fressen Aas, breiten Samen aus und ernähren sich von Pflanzen“, berichtet Albrecht. „Auf diese Weise beeinflussen sie Beutetierbestände, das Wachstum und die Verbreitung von Pflanzen, den Nährstoffkreislauf und den Energiefluss – sowohl in Land- als auch in Gewässerökosystemen.“
Die meisten Bärenarten passen ihre Nahrung zudem nicht nur flexibel an die verfügbaren Ressourcen an, sondern auch an das vorherrschende Klima, wie das Team feststellte. In kalten oder trockenen Regionen und Epochen mit kurzen Vegetationsperioden ernähren sie sich stärker fleischbasiert, in wärmeren oder feuchteren Gebieten und Zeiten mit langen Wachstumszeiten bevorzugen sie pflanzliche Nahrung. Ein Extrembeispiel dafür ist der Panda, der in Anpassung an seinen Lebensraum in den feuchten Bergwäldern Chinas nun fast ausschließlich Bambus frisst. Die Fleisch-Pflanzen-Variabilität gilt aber gleichermaßen für heutige Bären wie solche in der Vergangenheit, wie Analysen von fossilen Knochen und Zähnen enthüllten. „Der Europäische Braunbär stieg im Zuge steigender Primärproduktion und längerer Vegetationsperioden nach der letzten Eiszeit vor circa 12.000 Jahren zunehmend auf pflanzliche Nahrung umstieg“, berichtet Co-Autor Hervé Bocherens von der Universität Tübingen.
Bären stabilisieren Nahrungsnetze
Die Ergebnisse belegen einen bisher wenig beachteten Zusammenhang: Große Allesfresser wie Bären verändern bei Bedarf ihre Rolle im Ökosystem. „Sie können dazu beitragen, dass Nahrungsnetze trotz globaler Umweltveränderungen wie dem Klimawandel stabil bleiben. Auf diese Weise tragen große Fleischfresser zur Resilienz und Stabilität von Ökosystemen bei, was in einer sich schnell verändernden Welt von entscheidender Bedeutung ist“, sagt Seniorautorin Nuria Selva von der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Der jetzige Klimawandel verändert die Nahrungsnetze an Land und im Wasser erneut – mit teils drastischen Folgen für ganze Ökosysteme, betont das Team. Weil große Allesfresser wie Bären ein breites Spektrum an Nahrungsquellen nutzen und sich schnell an Umweltveränderungen anpassen, kommt ihnen in diesem ökologischen Umbruch durch die Erderwärmung eine bedeutende Rolle zu. „Wenn sich ihre Rolle im Ökosystem – etwa von Räubern zu Pflanzenfressern – verschiebt, kann das die Struktur ganzer Nahrungsnetze verändern“, so Albrecht. „Die Art und Weise, wie Allesfresser auf Umweltveränderungen reagieren, könnte daher ein empfindlicher Frühindikator für tiefgreifende Umbrüche in Ökosystemen sein.“
Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; Fachartikel: Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-025-65959-7
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