Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle

Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle

Die im Mittelalter von Sultan Saladin errichtete Zitadelle ist noch heute eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten von Kairo. Jetzt haben Archäologen Teile eines komplexen hydraulischen Systems freigelegt, das diese Zitadelle mit Wasser versorgte. Es umfasst mehrere tiefe Becken sowie Schöpfräder, die einst Wasser auf höhere Ebenen transportierten und Saladins Zitadelle mit einem Aquädukt verbanden. Dieser Fund sei einer der bedeutendsten zur Infrastruktur des historischen Kairo, so die Archäologen.

Als der kurdischstämmige, sunnitische Sultan Saladin (Salah ad-Din) im Jahr 1171 die Herrschaft über Ägypten übernahm, initiierte er nicht nur religiöse und politische Reformen. Er baute auch die Befestigungen der Stadt Kairo aus und ließ eine Stadtmauer und eine Zitadelle errichten. Die 1207 fertiggestellte Anlage liegt auf einer Anhöhe südöstlich des heutigen Stadtzentrums von Kairo und ist noch heute erhalten. Sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seit einigen Jahren führt ein ägyptisch-französisches Archäologenteam Ausgrabungen in zwei direkt an die Zitadelle angrenzenden Arealen auf dem Burgplateau durch, Arab al-Yasar und Al-Hattaba.

Brunnenschacht
Blick auf einen der Brunnenschächte auf dem Zitadellenplateau von Kairo. © Ministry of Tourism and Antiquities

Brunnenschächte, Schöpfräder und Kanäle

Jetzt berichtet die ägyptische Altertumsbehörde von neuen Funden bei diesen Ausgrabungen, darunter einen wichtigen Teil der hydraulischen Infrastruktur der Zitadelle. Im Areal Arab al-Yasar stießen die Archäologen auf ein integriertes Wasserversorgungssystem aus der Zeit Saladins oder seiner direkten Nachfolger. Das System besteht aus zwei Brunnenschächten aus massiven Steinquadern, die zehn und acht Meter tief reichen und an ihrem unteren Ende wahrscheinlich mit tiefer liegenden Zisternen verbunden waren, wie Hisham El-Leithy, Generalsekretär der Altertumsbehörde berichtet.

Am oberen Rand der beiden Brunnenschächte schloss sich ein komplexes System von Schöpfrädern und Kanälen an. Vier rotierende Wasserräder transportierten Wasser aus den Schächten nach oben und leiteten es in ein Netzwerk von steinernen Kanälen. Diese beförderten das Wasser in die Zitadelle hinein. Ein weiterer Kanal führte westwärts in Richtung der Ställe des Sultans. „Diese Entdeckung in von großer Bedeutung, denn sie enthüllt zum ersten Mal Details eines wichtigen Teilstücks des hydraulischen Systems, das die Zitadelle mit dem Magra-El-Oyoun-Aquädukt verband“, sagt El-Leithy. Dies sei einer der bedeutendsten Funde im Kontext dieses Aquädukts, ergänzt Grabungsleiter Mohamed Ibrahim von der Ain-Shams-Universität in Kairo.

Wassersystem KAiro
Gesamtansicht der neu freigelegten Komponenten des mittelalterlichen Wasserversorgungssystems. © Ministry of Tourism and Antiquities

Vom Nil über ein Aquädukt bis in die Zitadelle

Das zu Saladins Zeiten angefangene und unter der rund 80 Jahre später beginnenden Mamluken-Herrschaft ausgebaute Magra-El-Oyoun-Aquädukt leitete Nilwasser über ein System von Kanälen und hydraulischen Anlagen vom Fluss über die Stadtmauer bis auf das Zitadellenplateau. Doch in historischen Quellen fehlte bislang eine Beschreibung des nun entdeckten Teils des mittelalterlichen Wasserversorgungssystems. Aus ersten archäologischen und architektonischen Untersuchungen schließen die Archäologen, dass einige der neu entdeckten Strukturen auf Sultan Al-Nasir Muhammad bin Qalawun zurückgehen. Dieser regierte ab 1293 über Ägypten und gilt als der bedeutendste Herrscher dieser Dynastie.

Nach Ansicht der Archäologen unterstreichen diese Funde, wie fortschrittlich die Stadtplanung und das Ingenieurswesen während dieser frühen islamischen Ära Kairos war. „Die Entdeckungen sind wichtige Zeugnisse der Entwicklung von Infrastruktur und Wassermanagement im historischen Kairo“, sagt El-Leithy. Dies eröffne nun neue Ansätze, um die verschiedenen Stadien dieser einzigartigen Ingenieursleistung zu erforschen.

Mamluken-Moschee und Gräber

Auch im zweiten Ausgrabungsareal, Al-Hattaba, stießen die Archäologen auf neue Funde. Unter anderem entdeckten sie die Relikte einer Moschee aus der Mamlukenzeit. „Die Funde umfassen die Gebetshalle und Gebetsnische, Teile des südwestlichen Torbogens und des ursprünglichen Steinbodens“, berichtet Diaa Zahran von der ägyptischen Altertumsbehörde. Das Team legte zudem eine Grabkammer sowie einige Gräber aus verschiedenen Zeitperioden frei, darunter auch ein Grab aus der frühen islamischen Ära. Ebenfalls in diesem Grabungsgebiet entdeckte das Team zahlreiche Gefäße, Alltagsobjekte, Schmuck, Münzen und Waffenteile aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Alle Funde wurden fotogrammetrisch kartiert, digitalisiert und für weitere Untersuchungen präpariert, wie die Archäologen berichten. Ihrer Ansicht nach dokumentieren die neuen Entdeckungen, dass das historische Kairo noch immer zahlreiche unerkannte Spuren der Vergangenheit birgt, die es zu finden und zu erhalten gelte.

Quelle: Ministry of Tourism and Antiquities

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