#Kontaktdaten von afghanischen Ortskräften nicht vernichtet?

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Kontaktdaten von afghanischen Ortskräften nicht vernichtet?

Mehrere Afghanen verdanken offenbar einem Korrespondenten der Zeitung The Times ihre Rettung, nachdem britische Diplomaten versäumt hatten, bei der Räumung ihrer Botschaft die Kontaktdaten von Ortskräften zu beseitigen. In seinem Bericht für die Times erhob der erfahrene Kriegskorrespondent Anthony Loyd am Freitag schwere Vorwürfe. 

„Während des chaotischen Aufbruchs brachten britische Botschaftsangehörige das Leben von afghanischen Mitarbeitern in Gefahr, weil sie trotz etablierter Prozeduren daran scheiterten, sensible Datensammlungen zu vernichten.“ Es sehe so aus, „als seien die britischen Botschaftsangehörigen in der Eile, ihr eigenes Leben zu retten, sorglos mit dem Leben ihrer afghanischen Mitarbeiter umgegangen“. Inzwischen hat der Auswärtige Ausschuss im Unterhaus eine Untersuchung angekündigt.

Unversehrte Dokumente in der Asche

Loyd war nach eigenen Angaben am vergangenen Dienstag in die verlassenen Botschaftsräume gelangt – in Begleitung einer Taliban-Patrouille, die für die Sicherung der westlichen Vertretungen in Kabul zuständig ist. Dort entdeckte er im Hinterhof, unter einem Grill, unversehrte Dokumente, die aus Asche hervorragten. Aus der Beschreibung wird nicht klar, ob es ihm gelang, die Dokumente unbemerkt zu sichern, oder ob sie auch in die Hände der Taliban gerieten.

Loyd rief jedenfalls später mehrere der Ortskräfte an und fand heraus, dass einige bereits ausgeflogen waren, während andere noch händeringend auf Rettung warteten. Daraufhin informierte er britische Diplomaten am Kabuler Flughafen, die innerhalb eines Tages mehrere Ortskräfte, darunter ein „führender Mitarbeiter“, mit ihren Familien auf eine der letzten Maschinen bringen konnten.

Nicht auffinden ließen sich mindestens zwei junge Männer, die sich um Übersetzerstellen an der Botschaft beworben hatten. Ihr Schicksal ist unbekannt. Bei einem handelte es sich laut Bewerbungsschreiben um einen Afghanen, der auch für die Bundeswehr in Kundus gearbeitet hatte. „Hätte sich der 33 Jahre alte Mann aus Kabul, exzellent in Deutsch, Englisch, Russisch und Dari, je vorstellen können, dass sein Name, seine Adresse und seine Telefonnummer von britischem Botschaftspersonal faktisch den Taliban übergeben wurde?“, fragte Loyd.

Eine Stellungnahme des Außenministeriums in London klingt unbefriedigend. „Die Botschaft musste wegen der sich verschlechternden Lage in Kabul sehr rasch geschlossen werden. Es wurde alles versucht, um sensibles Material zu vernichten“, hieß es. Gleichzeitig dankte das Foreign Office der Times für die Zusammenarbeit und deren Entscheidung, die Veröffentlichung um einen Tag zu verschieben, um die Suche nach den Ortskräften nicht zu gefährden. Der Times-Bericht ist ein weiterer Schlag für das Foreign Office, nachdem schon Außenminister Dominic Raab in Kritik dafür geraten war, dass er während des Taliban-Einmarsches in Kabul an einem griechischen Strand weilte, bevor er dann in der Nacht nach London zurückkehrte.

Verteidigungsminister Ben Wallace teilte am Freitag mit, dass sich die Evakuierung nun „im letzten Stadium“ befinde. Die Antragsstelle vor dem Terminal sei geschlossen, nun würden noch etwa 1000 Afghanen ausgeflogen, die sich bereits auf dem Flughafengelände befänden. Nicht allen hätte geholfen werden können, hieß es. Ein Staatssekretär im Verteidigungsministerium schätzte die Zahl der „berechtigten“ Afghanen, die es „nicht geschafft“ hätten, auf 800 bis 1100 Personen. Zudem blieben 100 bis 150 Briten freiwillig im Land. Insgesamt seien rund 15.000 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht worden. Wohl an diesem Samstag sollen die 1000 Soldaten, die die Evakuierungen durchgeführt haben, in die Heimat geflogen werden.

Die paramilitärisch uniformierte Taliban-Patrouille, die eine weiße Fahne am Eingang zur britischen Botschaft gehisst hatte, habe sich „professioneller verhalten, als die westlichen Regierungen auf dem Rückzug“, urteilt der Times-Korrespondent Loyd. Er zitierte den für die Botschaftssicherung zuständigen Kommandeur mit den Worten: „Wir haben strikten Befehl, dass die Ehre des Islamischen Emirats auf unserer Fähigkeit beruht, das Botschaftsviertel zu sichern.“ Man werde damit fortfahren, “bis Ihre Diplomaten uns anerkennen und zurückkehren“. Zu den Aufgaben des Kommandeurs und seiner zum Teil fließend englisch sprechenden Untergebenen habe es gehört, Gemälde von Queen Elisabeth II. vor Plünderern zu retten, berichtete die Times.

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