#Krank oder Karrierist?

Krank oder Karrierist?



Sieht Erklärungsbedarf: der einstige Star-Reporter Claas Relotius

Bild: dpa

Es ist kompliziert: Lange hat Claas Relotius geschwiegen, nun spricht der einstige „Spiegel“-Reporter mit einem schweizer Magazin darüber, warum er Fakten, Protagonisten und Geschichten erfunden hat – dabei treffen Welten aufeinander.

Dem Schweizer Magazin „Reportagen“ ist ein Coup gelungen: Ein Interview mit Claas Relotius, jenem einst als Star gehandelten Spiegel-Reporter, unter dessen Texten sich, wie man heute weiß, kaum einer findet, der ohne Fehler oder Fälschungen ist. Das Interview, das sich in der 59. Ausgabe von Reportagen findet, macht damit Schlagzeilen. Auf die Frage, wie viele seiner insgesamt 120 Texte nach journalistischen Maßstäben korrekt waren, sagt Relotius: „Nach allem, was ich heute über mich weiß, wahrscheinlich die allerwenigsten.“ Diese Antwort markiert die Richtung des Gesprächs: Nicht das Ausmaß der Fälschungen interessiert noch, sondern was der Fälscher, der seit seiner Enttarnung wenig gesagt hat, nun über sich weiß. Ob die deutsche Öffentlichkeit danach giert?

Aufgeflogen war Relotius im Dezember 2018, nachdem der Spiegel-Mitarbeiter Juan Moreno Unstimmigkeiten im gemeinsamen Text „Jaegers Grenze“ nachrecherchiert und festgestellt hatte, dass Relotius seine Protagonisten nie getroffen hatte. Für den deutschen Journalismus, zumindest für die Disziplin der Reportage, war das ein Glaubwürdigkeitsgau. Es kam ans Licht, dass Relotius, der zu dieser Zeit mehrfach preisgekrönt im Gesellschaftsressort des Spiegel angestellt und hoch geschätzt war, sich nicht nur Protagonisten, Zitate und Fakten, sondern ganze Geschichten komplett ausgedacht hatte.

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