Kunstraub im Louvre: Wie sicher sind die deutschen Museen?

Kunstraub im Louvre: Wie sicher sind die deutschen Museen?

Der „Jahrhundertraub“, der sich am Sonntagmorgen im Louvre ereignet hat, hat auch in deutschen Museen zu Diskussionen geführt. Es stellt sich die Frage, wie gut die Kunsthäuser vor ähnlichen Aktionen geschützt sind – und ob die Sicherheitskonzepte möglicherweise angepasst werden müssen. Nach allem, was bisher bekannt ist, sind die Täter in das berühmte Pariser Museum am Morgen eingedrungen, kurz nachdem die ersten Besucher in das Gebäude geströmt waren. Die Räuber nutzten eine Hebeleiter, die sie offenbar selbst vor dem Gebäude platziert hatten, und gingen mit schwerem Gerät vor, indem sie mit Trennschleifern nicht nur die Fensterscheiben zerstörten, sondern auch die Vitrinen, in denen sich die Stücke aus der Galerie d’Apollon befanden. Innerhalb von Minuten waren sie mit ihrer Beute auf der Flucht. Seitdem rätseln die Kunstwelt ebenso wie auf Kunstraub spezialisierte Ermittler: Wenn so etwas im Louvre möglich ist, dann vermutlich auch in jedem anderen Museum der Welt?

Die französische Kulturministerin Rachida Dati hat am Sonntagabend schon eine erste Bilanz gezogen: Sie sprach von mehrfachen Angriffen auf französische Museen. Die Täter seien Profis. „Die organisierte Kriminalität hat es auf Kunstobjekte abgesehen. Die Museen sind zu Zielscheiben geworden: Frankreich hat viel kulturelles Erbe von einem hohen Wert.“ Tatsächlich ist die Erkenntnis, dass sich Akteure der organisierten Kriminalität nun auch für Kunstschätze interessieren, nicht neu. Auch deutsche Sicherheitsbehörden beobachten diese Entwicklung schon seit Längerem.

„Gedanken um Sicherheitskonzepte machen“

Der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, sagt, der Kunstraub im Louvre erinnere rein von der Tatbegehung an die Raubüberfälle auf das Berliner Bode Museum oder das Grüne Gewölbe in Dresden. In beiden Fällen seien die Täter durch Fenster eingedrungen und hätten die Vitrinen zerstört. Die Taten seien gekennzeichnet durch „eine relativ simple und schnelle Tatbegehungsweise“. Für den Juwelenraub in dem Dresdner Kunstmuseum wurden Mitglieder des Remmo-Clans verantwortlich gemacht und später auch verurteilt. Peglow sagt, im Hinblick auf den Raub im Louvre müsse man nun die Ermittlungen der französischen Polizei abwarten. „Aber der Fall zeigt deutlich, dass sich alle Museen in Europa Gedanken um ihre Sicherheitskonzepte machen und diese überprüfen sollten.

Was im Louvre passiert ist, diese Gefahr besteht für Museen immer“, sagt die Leiterin des Frankfurter Dommuseums, Bettina Schmitt. Dort ist, neben mittelalterlichen und barocken Messgewändern, auch kirchliche Schatzkunst zu sehen. Den Wert dieser Sammlung möchte Schmitt öffentlich nicht beziffern. „Für uns sind materielle Werte sowieso nicht so relevant.“ Schließlich handele es sich um Unikate, der Verlust dieser Schätze wäre unersetzlich. Bezogen auf die gestohlenen Schätze aus dem Louvre sagt Schmitt, die Stücke könnten eingeschmolzen werden, um sie wieder verkaufen zu können. „Den kriminellen Sammler, der einen Raub in Auftrag gibt und sich nachher an den Kunstgegenständen erfreut, gibt es nicht.“

Der typische Kunstraub ereigne sich mittlerweile während der Öffnungszeiten. „Die Täter gehen rabiat rein, das geht unheimlich schnell und ist präzise geplant.“ Das Frankfurter Dommuseum sei aber sehr gut gesichert. Zu Besuchszeiten sei auch der Dom sehr stark frequentiert. Kein Ort, um geraubte Kunst schnell und unauffällig abzutransportieren, ist sich Schmitt sicher.

Städel prüft Gefährdungslagen

Erfahrung mit Kunstdiebstahl hat die Frankfurter Schirn Kunsthalle – allerdings liegt der jüngste Vorfall schon 30 Jahre zurück. Damals hatten sich die Täter einschließen lassen und Werke von William Turner und Caspar David Friedrich gestohlen. „Raubüberfälle sind keine alltägliche Erfahrung für Museen und stellen einschneidende Ereignisse für die gesamte Museumswelt dar“, heißt es auf Anfrage beim Städel Museum. „Die Entwicklungen in Paris verfolgen wir aufmerksam und denken in diesen Tagen besonders an das Team des Louvre.“

Auskunft zu ihrem eigenen Sicherheitskonzept gibt das Städel „aus sicherheitsrelevanten Gründen“ nicht. Vorfälle wie der Raub im Louvre würden jedoch nicht einfach nur zur Kenntnis genommen, sondern dienten, wie in allen Museen, „der fortlaufenden Reflexion bestehender Abläufe“. Die Sicherheitsstandards im Städel entsprächen den höchsten internationalen Vorgaben. Museen in Deutschland und in der ganzen Welt bereiteten sich „vorausschauend auf verschiedene Gefährdungslagen vor und etablieren dafür relevante Sicherheitsmaßnahmen. Aktuelle Entwicklungen und potentielle Gefährdungslagen werden kontinuierlich geprüft und in das Sicherheitskonzept aufgenommen.“

Ähnlich äußert sich das Museum Wiesbaden. Direktor Andreas Henning sagt: „Die wertvollsten Stücke sind für Diebe wertlos, weil jeder weiß, wo sie hingehören. Sie sind online publiziert und weltweit recherchierbar.“ Daher seien sie auf dem Markt unverkäuflich. Angaben zum Sicherheitskonzept macht auch er nicht. „Aber natürlich nehmen wir solch einen Einbruch wie jetzt im Louvre zum Anlass, auch unser Sicherheitskonzept immer wieder zu hinterfragen.“

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