Lasst Gras drüber wachsen

Gräser sind im Trend. Reit- und Lampenputzergras, Rutenhirse oder Chinaschilf schmücken immer mehr Gärten. Wo die kleinen, die den Rasen bilden, geschoren werden, dürfen Ziergräser groß werden und ihre ganze Pracht entfalten. Gärtnereien bieten Dutzende Sorten. Doch welches Gras ist das Richtige für ein Beet? Um das zu entscheiden, ist es wichtig, sich mit den allgemeinen wie unterschiedlichen Charakteristika dieser Pflanzen vertraut zu machen.

Gräser besiedeln die Welt. Sie sind die Pioniere, ergreifen schnell ihre Chance. Süßgräser und Riedgrasgewächse sind am verbreitetsten. Ist der Boden feuchter oder nass, wachsen Binsen und Rohrkolben. Auf der südlichen Erdhalbkugel kommen Restiogewächse hinzu. Zu jeder dieser fünf großen Familien gehören mehrere – mitunter mehrere Hundert – Gattungen, außerdem gibt es etliche Tausend Arten. Nur ein kleiner Bruchteil davon schafft es in ein Staudenbeet: die, die besonders attraktiv scheinen und die sich nicht allzu sehr ausbreiten.

Schon der Gärtner Karl Foerster befasste sich eingehend mit dem „Haar der Mutter Erde“, wie er, vielzitiert, das Gras nannte. Mitte der 1950er-Jahre schrieb er das Buch „Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“, längst ein Standardwerk.

Gute Partner

Doch bis die Gräser wirklich ankamen, sollten etliche Jahrzehnte vergehen. Anteil daran hatten Wolfgang Oehme und Kurt Bluemel, zwei in die USA emigrierte deutsche Gärtner. Oehme plante und pflanzte seit den Siebzigern unkonventionelle, weitläufige Staudenrabatten mit Gräsern, die Kollege Kurt Bluemel heranzog. Das inspirierte rund zwanzig Jahre später die Gartendesignerin Petra Pelz. Ernst Pagels wiederum, Gärtner in Norddeutschland, las seit den Achtzigerjahren Chinaschilf-Sorten aus. Mittlerweile sind Gärten ohne luftige Halme und Ähren kaum noch denkbar. Sie bilden einen Gegenpol zum Laub von Hosta und Bergenie, zur Sonnenhut- oder Dahlienblüte.

Beim Pflanzen sind nicht nur Blickwinkel und Standortbedingungen zu beachten, sondern auch ob das Gras früh austreibt wie das Reitgras oder eher spät wie das Chinaschilf, ob es im Winter trocken wird oder grün bleibt wie die Segge. In jedem Fall ist Gras ein guter Strukturbildner und sollte erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. Denn dann schmückt es das Beet auch in den kargen Monaten.

Zuverlässiges Reitgras

Es wirkt vertraut in seiner Anmutung, seine unscheinbareren Verwandten sind aus Wald und Flur bekannt. Das Gartenreitgras (Calamagrostis x acutiflora) wächst aufrecht, es ist eine auch in der Natur vorkommenden Hybride. Die bekannteste Sorte ist „Karl Foerster“. Schon früh im Jahr sprießt das grüne Laub, im Sommer wachsen die Halme bis auf anderthalb Meter heran. Die ­Blütenstände bleiben auch aufrecht, wenn sie trocken und gelblich-braun werden. Neben „Karl Foerster“ wird häufig die Sorte „Waldenbuch“ gepflanzt, deren silbrige Rispen etwas größer sind.

Auffälliger, beinahe Aufmerksamkeit heischend wirkt dagegen das Diamantgras (Calamagrostis brachytricha). Große, sehr feine Ähren sitzen auf langen Halmen. Aus der Nähe sehen sie bezaubernd aus, von Weitem sorgen sie eher für Wolkenbildung im Beet: Denn die einzelnen Blütenstände bilden so etwas wie einen blassvioletten Nebel. Der wiederum macht sich gut zwischen klareren Strukturen, zum Beispiel denen von Herbstanemonen, Kerzenknöterich oder kleineren Gehölzen. Am sonnigen Ort auf frischem Boden sind sie gute Partner für alle Reitgräser.

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