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„Leben wir gefährlich, Mister Green?“
Da kommt ein Australier nach Berlin, und es geht um – China! Nicht nur um China und um den indopazifischen Raum, aber doch zu einem wesentlichen Teil. Klar, dass der neue australische Botschafter Philip Green sich um das deutsch-australische Verhältnis kümmert. Das ist sein Auftrag und der Kern seiner Arbeitsplatzbeschreibung. Das Verhältnis ist gut, die Australier mögen die Deutschen, und die Deutschen haben eine gute Meinung von den Australiern, von wegen große Sportnation.

Aber jetzt kommt etwas anderes hinzu, etwas Historisches, das beide Länder noch enger zusammenführen kann: der Aufstieg Chinas, die chinesisch-amerikanische Rivalität, die Herausforderung der liberalen Weltordnung und all das, was sich geopolitisch, ökonomisch und technologisch im indopazifischen Raum vollzieht. Während Botschafter Green sich also mit den Feinheiten des deutschen Föderalismus und mit den Stärken und Idiosynkrasien der Deutschen vertraut macht, gilt sein Augenmerk immer auch dem Geschehen dort, wo die weltpolitische und weltwirtschaftliche Musik im Moment besonders kräftig spielt.
Kevin Rudds langjähriger Vertrauter
Philip Green ist erst seit vergangenem Herbst auf Posten an der Spree. Aber er ist ein alter Hase, was die großen Fragen des indopazifischen Raums betrifft, für den er zuletzt im Außenministerium in Canberra zuständig war. Als Kevin Rudd vor Jahren australischer Ministerpräsident war, war Green dessen Berater; als jener Außenminister wurde, war er dessen Stabschef. Das ist von Bedeutung, weil Rudd einer der wenigen westlichen Politiker ist, der fließend Mandarin spricht, auch deswegen in China bekannt ist.
Rudds Analysen zu China und dem aufziehenden neuen Kalten Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Großmacht finden weithin Beachtung. Neulich definierte er das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts als „the decade of living dangerously“. Die Rivalität zwischen der „alten“ Supermacht und dem selbstbewussten chinesischen Aufsteiger wird schärfer; die Erschütterungen sind heftig und überall zu spüren. Eben auch in Berlin. Leben wir gefährlich, Mr. Green?

Philip Green ist Australiens Botschafter in Deutschland.
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Bild: Australische Regierung
Das Wort seines früheren Chefs mag sich der Karrierediplomat nicht automatisch zu eigen machen. Aber auch aus seiner Beschreibung der Kräfte, welche auf die Weltpolitik einwirken, wird deutlich, dass die „Konkurrenz der Systeme“ kein Kaffeekränzchen ist, sondern ein Kampf um die Ordnung der Welt. Um die Macht auf der globalen Bühne: „Wir leben in einer Welt, in der Regeln und Normen, denen wir so viel zu verdanken haben, unter enormen Druck kommen.“ Wir – das sind vor allem, aber nicht nur die demokratisch verfassten und marktwirtschaftlich organisierten Länder, das sind insbesondere auch Deutschland und Australien. Deswegen müssen „wir“ zusammenarbeiten, um das regelbasierte System zu erhalten.
Der deutsche Außenminister hätte das nicht anders gesagt. Jetzt, da der Oberpopulist Donald Trump nicht mehr im Weißen Haus ist, gehören auch die Vereinigten Staaten wieder zur Gruppe der Ordnungsbewahrer. Aber immerhin: Der Wettbewerb kann „gemanagt“, der amerikanisch-chinesische Zusammenprall verhindert werden. Sagt Philip Green, dessen äußere Erscheinung auf einen Hang zur Unkonventionalität schließen lässt: Für einen Botschafter trägt er die Haare vergleichsweise lang. Ein Exot? Vermutlich könnte, wer wollte, darin auch auf ein Faible für Rock-Musik made in Australia schließen. Oder ein Eintreten für Überzeugungen.
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