#Leiter des Priesterseminars begeht Suizid nach Missbrauchsvorwürfen

„Leiter des Priesterseminars begeht Suizid nach Missbrauchsvorwürfen“

Ein ranghoher Geistlicher des Bistums Limburg hat sich unter dem Eindruck von Vorwürfen sexuell übergriffigen Verhaltens das Leben genommen. Wie die Mitarbeiter des etwa 580.000 Mitglieder zählenden Bistums im Laufe des Donnerstags erfuhren, war der für die Priesterausbildung verantwortliche Domkapitular Christof May am Vorabend tot aufgefunden wurden. Vorangegangen war ein Gespräch mit Bischof Georg Bätzing. Dieser hatte den 49 Jahren alten Geistlichen mit Beschuldigungen konfrontiert, wonach er gegenüber mehreren Personen übergriffig geworden sein soll.

Daniel Deckers

in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

Wie es die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener zwingend vorsehen, hatte Bätzing den Geistlichen im Anschluss an das Gespräch von allen Ämtern freigestellt, um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können.

Bätzing hatte selbst das Gespräch gesucht

In den Wochen zuvor waren den zuständigen „Ansprechpersonen für Hinweise auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs“ im Bistum Limburg Beschuldigungen gegen May bekannt geworden. Diese wurden leitlinienkonform im Gespräch mit den mutmaßlich betroffenen Personen protokolliert und nach einer ersten Bewertung auf ihre Plausibilität dem Bischof zugänglich gemacht. Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, suchte daraufhin selbst das Gespräch mit dem Geistlichen. Als Mitglied des siebenköpfigen Domkapitels, Verantwortlicher für die Priesterausbildung und auch als sogenannter Bischofsvikar für die Kirchenentwicklung im Bistum Limburg war May ihm in mehrerer Hinsicht direkt zugeordnet.

May stammte aus dem Bistum Limburg und hatte in Frankfurt-Sankt Georgen sowie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Theologie studiert. Bätzings Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst machte ihn 2011 zum Geistlichen Rektor des als „Glaubensschule“ gedachten Bischof-Blum-Kollegs. Im Herbst 2020 erregte May mit einer Predigt Aufsehen, in der er sich für umfassende Reformen in der katholischen Kirche von der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bis zur Zulassung von Frauen zu dem Weihesakrament aussprach. In der Mitteilung an die Mitarbeiter des Bistums hieß es: „Der Tod von Christof May trifft uns alle. Wir haben einen engagierten und sehr geschätzten Seelsorger verloren.“

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