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„Lockdown? Welcher Lockdown?“
In der deutschen Wirtschaft macht sich Zuversicht breit. Zeitgleich mit den ersten Frühlingsvorboten hellt sich das Geschäftsklima überraschend deutlich auf – allen Corona-Beschränkungen zum Trotz.

Wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte, war die Stimmung im Februar merklich besser als im Januar. Der sogenannte Ifo-Geschäftsklimaindex machte einen Satz nach oben. Er beruht auf der monatlichen Befragung von rund 9000 Unternehmen aller Branchen und gilt als wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft. Anleger reagierten erfreut, der deutsche Leitindex Dax machte am Vormittag einen Teil seines Verlusts vom Morgen wett.
Mit 92,4 Punkten liegt der Ifo-Index 2,1 Zähler über dem Vormonatswert und höher als im August 2020. Die 93,2 Punkte vom September, die den vorläufigen Höhepunkt der vergangenen Monate markieren, liegen in Reichweite, wenngleich das Vorkrisenniveau im Februar 2020 noch 95,7 Punkte betrug.
Schwierig bleibt die Situation für das Gastgewerbe
Vor allem die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten beurteilen die Unternehmen laut Ifo-Institut optimistischer. Der Unterindikator für die Erwartungen stieg auf 94,2 Punkte. Das ist deutlich mehr als im Fall der aktuellen Geschäftslage (90,6 Punkte).
„Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz Lockdown robust, vor allem wegen der starken Industriekonjunktur“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Tatsächlich ist der so deutliche Anstieg des Geschäftsklimas in erster Linie dem verarbeitenden Gewerbe zu verdanken. So gut wie jetzt war die Stimmung hier zuletzt im November 2018.
Schwächer, aber ebenfalls besser stuften die Unternehmen des Handels und des Dienstleistungssektors ihre Lage und ihre Erwartungen ein. Selbst in der Tourismusbranche zeigt sich erstmals wieder vorsichtiger Optimismus. Schwierig bleibt die Situation für das Gastgewerbe.
„Bemerkenswert ist, dass auch die vom aktuellen Lockdown stark gebeutelten Branchen wieder Licht am Ende des Tunnels sehen“, sagt Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank. Mehr Impfungen, der verstärkte Einsatz von Schnelltests und intelligente Öffnungskonzepte sollten die Möglichkeiten auch in diesen Branchen in den kommenden Monaten verbessern, glaubt er. „Die sehr positiven Nachrichten aus Israel zur Impfsituation machen zusätzlichen Mut.“
„Ein klares konjunkturelles Signal lässt sich dem Ifo-Geschäftsklimaindex nicht entnehmen“, meint hingegen Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Er ist nicht allzu euphorisch und betont, dass die Eindämmungsmaßnahmen den Dienstleistungssektor noch immer „schwerwiegend“ belasten. „Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer steckt derzeit in einer Grauzone fest“, so Gitzel. Hinzu komme, dass die nur schleppende Verteilung des Impfstoffes und die Ausbreitung der britischen Virus-Mutation den Dienstleistern weiterhin auf den Magen schlage und derzeit eine klare Perspektive für die kommenden Wochen fehle.
Eine 3 vor dem Komma ist noch möglich
Auch andere Indikatoren deuten derweil an, dass sich Wirtschaftsklima und Geschäftsentwicklung in Teilen von der öffentlichen Stimmung und der Lage in den krisengeplagten Branchen entkoppelt haben. So war der Einkaufsmanagerindex des Londoner Markit-Instituts für die deutsche Industrie am Freitag auf ein 36-Monatshoch gestiegen. „Exportgetriebener Aufschwung der Industrie gleicht Schwäche des Servicesektors weiter aus“, hatten die Ökonomen aus London getitelt.
Vor allem die Auslandsnachfrage beflügelt die deutsche Industrie. Nachdem ihre Produktion im vergangenen Frühjahr so stark eingebrochen war, dass trotz Erholung vom Sommer an unter dem Strich immer noch ein Minus von 10,8 Prozent im Vergleich zu 2019 steht, stehen die Zeichen in der Industrie nun auf Wachstum.
Ob es für die von der Bundesregierung prognostizierten 3 Prozent Wachstum in diesem Jahr reicht, bleibt dennoch offen. „Wenn sich die Virusvarianten weiter verbreiten und es zu einer dritten Welle kommt, sind alle Prognosen Makulatur“, mahnt Lars Feld, Chef der Wirtschaftsweisen. Eine 3 vor dem Komma sei „noch möglich“, so Feld, aber nur, wenn weitere Grenzkontrollen vermieden werden und es zu schrittweisen Öffnungen kommt. Dann könne es vom zweiten Quartal an zu kräftigem Wachstum kommen.
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