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In den letzten Monaten sorgten vermehrte Masernausbrüche für Aufsehen. In Europa mussten 2024 tausende Menschen wegen schwerer Masernverläufe im Krankenhaus behandelt werden, 38 Betroffene starben. Auch in den USA grassiert das Masernvirus wieder, obwohl die Infektionskrankheit dort bereits als ausgerottet galt. Was steckt hinter dieser Rückkehr der Masern?
Was sind Masern?
Masern sind eine Viruserkrankung, die als Kinderkrankheit gilt, jedoch prinzipiell alle Menschen befallen kann. Ursache ist ein RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviren, das im Gegensatz zum Influenza- oder Coronavirus fast nur beim Menschen vorkommt. Eine Infektion mit den Masernviren löst charakteristische rote Hautflecken aus, denen meist Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Schnupfen vorangehen. In schweren Fällen kommt es zu Durchfall und Dehydrierung oder zu Entzündungen der Lunge oder des Mittelohrs, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.
Das Masernvirus hat zudem die Fähigkeit, über Nervenbahnen und die Blut-Hirn-Schranke bis ins Gehirn vorzudringen. Dort kann es in rund 0,1 Prozent der Fälle eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns auslösen. Diese Meningoenzephalitis endet bei zehn bis 20 Prozent der Betroffenen tödlich, bei weiteren 20 bis 30 Prozent der Fälle bleiben Hirnschäden und geistige Behinderungen zurück.
Jährlich sterben rund 100.000 Menschen an solchen Komplikationen der Masern, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO dokumentiert. Zudem kann die Maserninfektion auch bei leichtem Verlauf das Immungedächtnis löschen. Das Immunsystem vergisst dann, welche Erreger es zuvor schon bekämpft hat, sodass die Betroffenen etwa ein Jahr lang anfälliger für andere Krankheiten werden.
Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko?
In den USA, in Europa und Zentralasien breiten sich die Masern seit einigen Monaten besorgniserregend stark aus, wie verschiedene Gesundheitsbehörden berichten. In der Europäischen Region wurden für das Jahr 2024 rund 127.000 Masernfälle gemeldet – die höchste Zahl seit 1997. Damals wurden rund 216.000 Fälle gemeldet.
Der Grund für die Ausbreitung: Die Erreger sind für den Menschen hochansteckend – weit ansteckender als die meisten anderen Virusinfektionen – und übertragen sich überall dort, wo zu wenige Menschen geimpft sind. „Eine Person mit Masern kann zwischen 12 und 18 ungeschützte Personen anstecken“, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Die Übertragung der Viren erfolgt über Tröpfchen aus Mund oder Nase sowie über die Luft.
In Deutschland wurden für 2024 „nur“ 645 Masernfälle gemeldet. Damit liegen die Zahlen hierzulande noch ähnlich hoch wie in den letzten 20 Jahren. Allerdings wäre eine Ausbreitung auch in Deutschland rasch möglich, weil es hier regionale Impflücken gibt, etwa in Baden-Württemberg und Sachsen.
Wie gut schützt eine Masernimpfung?
Impfstoffe gegen Masernviren, die Geimpfte vor einer Infektion schützen, wurden in Deutschland 1971 eingeführt. Bei einer einmaligen Dosis liegt die Wirksamkeit bei 92 Prozent, bei den für Kinder meist empfohlenen zwei Dosen bei 98 bis 99 Prozent. „Die Impfung ist der beste Schutz gegen das Virus“, betont die WHO. Sie enthält abgeschwächte Masernviren, die sich nicht mehr vermehren können.
Kleinkinder in Deutschland erhalten dieses Vakzin in der Regel in Kombination mit anderen Impfstoffen gegen Mumps und Röteln (MMR-Impfung). Beträgt die Impfquote in der Bevölkerung mindestens 95 Prozent, sind indirekt auch Personen geschützt, die selbst (noch) nicht geimpft werden können. Dazu zählen beispielsweise Säuglinge und Kleinkinder unter neun Monaten.
Zu Beginn des Jahrtausends hatten die meisten europäischen Länder hohe Impfquoten erreicht, woraufhin die Zahl der Maserninfektionen in Europa bis 2016 deutlich gesunken ist. Doch seit einigen Jahren lassen weniger Eltern ihre Kinder impfen, so dass Lücken im Bevölkerungsschutz entstanden sind. Seither treten auch wieder größere Ausbrüche auf, samt vermehrt schwerer Krankheitsverläufe, Krankenhausaufenthalten und vereinzelter Todesfälle.
Warum sind zu wenige Menschen geimpft?
Seit 2020 besteht in Deutschland eine Impfflicht gegen Masern für Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen. Doch weil die Corona-Pandemie die Impfroutinen störte, haben tausende Kinder noch einen Nachholbedarf bei der Masernimpfung. Weitere Kinder sind nicht geschützt, weil ihre Eltern Angst vor Impfschäden haben. Dabei treten schwere Nebenwirkungen der Impfung wesentlich seltener auf als schwere Symptome bei einer Maserninfektion.
Angst vor der Impfung schüren auch Falschnachrichten, wonach die Masernimpfung angeblich Autismus oder andere Krankheiten auslöst. Das stimmt jedoch nicht. „Es besteht keine Assoziation zwischen der Impfung und dem Auftreten eines Morbus Crohn, einer Colitis ulcerosa, von Autismus oder einer SSPE“, betont das RKI mit Blick auf chronische Darmerkrankungen und die Hirnschädigung SPPE.
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