#„Meine Karriere ist noch nicht vorbei“

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„Meine Karriere ist noch nicht vorbei“

Gegen Anand hatte Magnus Carlsen sein erstes ersten WM-Match 2013, als er hochgradig motiviert war, mit drei Punkten Abstand (6,5:3,5) gewonnen. Beim 6,5:4,5 ein Jahr später „war es ein Job, der zu erledigen war“. Gegen Sergei Karjakin und Fabiano Caruana gewann der Norweger nach einem 6:6 in den regulären Partien jeweils erst im Stechen. Sein fünftes WM-Match hat er nun gegen Jan Nepomnjaschtschi mit vier Punkten Vorsprung gewonnen. „Und meine Karriere ist noch nicht vorbei“, fügte der 31 Jahre alte Norweger am Freitagabend in Dubai an.

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14 Partien waren angesetzt, 11 reichten aus. Mit 1,2 Millionen Euro kassiert Carlsen sein bisher höchstes Preisgeld. Wie er die elfte und letzte Partie gewann, war typisch für die zweite Matchhälfte, die so einseitig verlief. Alle, die hofften, dass Nepomnjaschtschi mit einem Königsgambit wilde Komplikationen anzettelt, wurden enttäuscht. Der Russe wechselte zwar von Spanisch zu Italienisch, das ist aber ebenfalls sehr solide, seit einigen Jahren wieder in Mode und bedeutete natürlich keine Überraschung für Carlsen. Der verbrauchte zwar etwas mehr Bedenkzeit als sein Herausforderer, aber löste seine Probleme.

Alles deutete schon darauf, dass die Partie zu einem Remis verflacht, als Nepomnjaschtschi im 23. Zug mit einem Bauern Carlsens Turm angriff. Auf den ersten Blick sah das gut aus. Weicht der Turm aus, gewinnt Weiß einen Bauern und steht überlegen. Nepomnjaschtschi muss also gedacht haben, dass Carlsen gepatzt hatte. Aber der opferte einfach den Turm für einen Springer. Jeder stärkere Vereinsspieler konnte überblicken, dass Schwarz für einen relativ kleinen Preis gefährlichen Angriff bekam, mindestens ein Remis erzwingen und wahrscheinlich noch mehr erreichen konnte. Aber Nepomnjaschtschi sah es nicht.

Zwei unterschiedliche Hälften

„Bis dahin war die Partie, wie viele andere in diesem Match, normal gelaufen“, schilderte er hinterher. „Es ist schwer zu punkten, wenn man so komische Züge spielt, die man normalerweise nicht mal in einer Blitzpartie machen würde. Sagen wir es so: Ohne die heutige Partie wäre meine Erfahrung nicht komplett. Neue Erfahrungen zu machen ist schwer. Okay, hier war es ein bisschen zu schwer.“

In der achten Partie hatte er einen Doppelangriff ignoriert, der ihn einen Bauern kostete. In der neunten Partie hatte er sich seinen Läufer aussperren und abholen lassen. Nun in der elften Partie unterstellte er dem besten Spieler der Welt, gepatzt zu haben, und patzte daher selbst. Carlsen standen verschiedene Wege, seinen Angriff in einen Gewinn umzumünzen. Er entschied sich für einen langwierigen, aber sicheren Weg über ein technisch gewonnenes Turmendspiel. Nach 49 Zügen gab sich Nepomnjaschtschi geschlagen.

Der Wettkampf hatte zwei völlig unterschiedliche Hälften. Die fünf Partien der ersten Matchwoche verliefen auf Augenhöhe. In der komplizierten zweiten Partie verpassten beide Chancen. In der zweiten Matchwoche brach Nepomnjaschtschi zusammen und verlor dabei vier Partien. So schwer kam kein Herausforderer unter die Räder, seit Nigel Short 1993 von Garri Kasparow überrollt wurde.

Ratlos, kraftlos, machtlos: Jan Nepomnjaschtschi war ohne Chance.


Ratlos, kraftlos, machtlos: Jan Nepomnjaschtschi war ohne Chance.
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Bild: EPA

Carlsen hatte vor dem Match darauf hingewiesen, dass sich Nepomnjaschtschi mit Rückschlägen schwer tut. Selbst ein verschenkter Vorteil könne schon reichen, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, sagte er dem für einen seiner Sponsoren bloggenden Magnus Barstad. Insofern kündigte sich das Debakel nach der fünften Partie an, als Nepomnjaschtschi lamentierte, dass er aus seinem besseren Stellung nicht mehr gemacht hatte. In der folgenden sechsten Partie machte er sich durch einige nicht leicht nachvollziehbare Entscheidungen die Verteidigung schwerer als nötig. Dass er diese nach Zügen längste Partie in der Geschichte der Schachweltmeisterschaften nach sieben Stunden und 47 Minuten verlor, hat das Match laut Carlsen entschieden.

Nepomnjaschtschi sagte, „die Strategie meines Gegners hat mich verwirrt. Er hat nie wirklich versucht, Druck auszuüben. Nie versucht, etwas Greifbares zu bekommen. Ob Weiß oder Schwarz, er wollte einfach nur ausgeglichene Stellungen bekommen. Jetzt habe ich gelernt, dass gar nicht mehr nötig ist. Es reicht manchmal abzuwarten, bis der Gegner den Job erledigt.“ Carlsen gab zu, dass er mit den schwarzen Steinen konservativer in dieses Match ging als vor drei Jahren gegen Fabiano Caruana. Nach seinem ersten Sieg „war es für mich die beste Strategie, mit der Führung im Rücken solide abzuwarten. Das kann unter solchen Umständen der beste Weg zum Gewinn sein.“

Insgesamt sei seine Strategie hervorragend aufgegangen, und er habe nichts zu bereuen gehabt, sagte Carlsen und bedankte sich bei seinem Analyseteam, das Peter Heine Nielsen, der mit ihm nach Dubai reiste, koordinierte. Nach der letzten Partie machte der Däne vier weitere Großmeister bekannt: Der Hamburger Jan Gustafsson, der Franzose Laurent Fressinet und der Russe Daniil Dubow waren schon beim letzten Match dabei. Der Niederländer Jorden van Foreest kam neu dazu.

Abschließend lüftete der alte und neue Weltmeister selbst noch zwei Geheimnisse: Vor der Abreise nach Dubai habe er nur deshalb so viele Drei-Minuten- und Ein-Minuten-Partien auf Lichess gespielt (derentwegen sich seine Fans schon Sorgen machten, ob er das Match überhaupt ernst nahm), weil er wegen einer Erkältung das Haus hüten musste. Und dass er nach seinem Titelgewinn 2013 in den Swimming-Pool geworfen wurde, war abgesprochen.

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