
Hans Maier, geboren 1931 in Freiburg im Breisgau, ohne Vater und in einer Familie ohne Akademiker aufgewachsen, hat es in der Politikwissenschaft wie in der praktischen Politik zu höchstem Ansehen gebracht. Nicht zuletzt durch seinen Widerstand gegen den Autoritarismus der Achtundsechziger wurde die CSU auf ihn, einen Liberalen im besten Sinne, aufmerksam.
Ministerpräsident Alfons Goppel berief ihn 1970 zum Kultusminister. In die folgende Ära Maier fielen die Stärkung der beruflichen Bildung sowie ein Hochschulgesetz, das gegen den Widerstand der Studenten die Rechte der Professoren verteidigte. Helmut Kohl hätte sich Maier gut als Bundespräsident vorstellen können – doch Strauß, so hat es Maier selbst geschildert, hintertrieb eine Kandidatur, weil er keinen CSU-Mann über sich haben wollte.
Als Strauß Maier 1986 die Zuständigkeit für die Schulen wegnehmen wollte, zog der sich aus der Politik zurück, um in München eine Professur für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie zu übernehmen. Maier, von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, war ein Universalgelehrter. Seine Publikationen reichen von literaturwissenschaftlichen Betrachtungen bis hin zu einem Buch zur Geschichte der Orgel, zu der der virtuose Organist eine besondere Beziehung hatte. Am Montag ist der Vater von sechs Töchtern im Alter von 94 Jahren gestorben.
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