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Kibera ist der größte Slum von Nairobi, hier gibt es drei große Probleme: Gewalt, Kriminalität und Seuchen. Das Gebiet ist 2,5 Quadratkilometer groß, nur doppelt so groß wie das East Village in New York, hier leben aber mehr als zehnmal so viele Menschen, zwischen 500.000 und einer Million, es gibt bloß Schätzungen.
Ein deutscher Mediziner möchte hier gerne durch die Gassen gehen und alle Erkälteten in einen kleinen, mobilen Apparat pusten lassen. Sven Jungmann zeigt ein weißes Gerät mit einem durchsichtigen Mundstück, es sieht aus wie ein futuristischer Fön. „Wer mitmacht, erfährt nach einer Minute, ob er Tuberkulose hat“, sagt er. Die Daten werden automatisch an eine interaktive Landkarte geschickt – Ausbrüche könnten sichtbar werden, bevor es zu spät ist.
„Bisher dauert die Diagnostik viel zu lange – Abstrich oder Blutentnahme, Labor, da können Tage vergehen“, erklärt Jungmann. „Das möchte ich ändern.“ Der 38-Jährige hat in Krankenhäusern in der Lungenheilkunde gearbeitet, nun ist er Gründer des Berliner Start-ups „Halitus“, das eine riechende Maschine erfunden hat. Der Traum des Berliner Unternehmers: Sein Gerät soll zur Standardausstattung in Kliniken gehören, für alles von Infektionsscreening bis Krebsdiagnostik.
Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“
Noch ist das Zukunftsmusik. Aber diese Zukunft ist nah. Gesichtserkennung, autonomes Fahren, Siri und Shazam – alles längst im Alltag verankert. Aber Riechen? Das lernen die Künstlichen Intelligenzen jetzt auch. Beim Eurovision Song Contest im Mai 2021 mussten alle in einen Apparat blasen, die auf die Bühne wollten. Die „SpiroNose“ testete auf Corona, innerhalb von Sekunden, war allerdings noch ein Prototyp. Nun erst werden die ersten Geräte marktreif – die ersten Anwendungen stammen aus der Medizin. Und eines Tages könnten Apparate vielleicht sogar Menschen am Körpergeruch identifizieren.
Der Atem als Datenquelle
Möglich ist die Anwendung im medizinischen Bereich, weil bestimmte Krankheiten den Atem verändern. Aber auch die Ernährung kann die chemischen Stoffe, die jemand ausatmet, beeinflussen, ebenso wie Rauchen oder Alkoholkonsum. Der Atem des Menschen enthält mehr als 1000 unterschiedliche Moleküle. Atem ist eine Datenquelle – und Daten sind das Futter für Künstliche Intelligenzen.

Entdeckt Tuberkulose und andere Krankheiten im Atem: „Halitus“ aus Berlin.
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Bild: Aalitus
In der chinesischen Medizin oder der Galen-Heilkunde war das Riechen des Atems schon immer ein Teil der Untersuchung. Und die moderne Wissenschaft hat bestätigt: So können etwa Diabetiker einen süßlichen und sauren Atemgeruch entwickeln, weil ihr Fettstoffwechsel besonders viele sogenannte Ketone erzeugt.
Früher ließen sich solche Methoden nicht technisch reproduzieren. Das störte neben Jungmann auch den Programmierer und Unternehmer Kordel France aus Dallas. „Die Technologie reproduziert die menschlichen Sinne, bei Kamera und Mikrofonen ist das klar. Nur für Geruch war nie ganz klar, wie man es machen soll“, sagt der 28-Jährige. In der Nase detektieren kleine Haare Chemikalien, treffen sie auf das Haar, folgt eine elektrische Reaktion im Gehirn. „Unser Sensor reagiert auf bestimmte An- und Kationen in der Luft.“ Sein Gerät heißt „Alchemy“ und kann auf diese Weise acht Substanzen erkennen, die als Anzeichen für Lungenkrebs gelten. „Man könnte aber auch auf Drogen testen oder Viren. Die Maschine findet immer nur das, was wir suchen.“ Alchemy ist, wie alle Geräte dieser Art, noch in der Testphase. Aber schon in diesem Jahr sollen sie zum Einsatz kommen. Airbus etwa kooperiert schon mit dem kalifornischen Unternehmen Koniku, deren quallenartig aussehendes Gerät in der Kabinenluft Sprengstoff oder Krankheiten aufspüren soll.
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