Müll mit Potenzial: Bioabfall richtig entsorgen

Müll mit Potenzial: Bioabfall richtig entsorgen

Jedes Jahr fallen in Deutschland Millionen Tonnen Bioabfälle an – doch längst nicht alles Organische, was in Küche und Co übrig bleibt, wird richtig entsorgt. Dabei steckt im Biomüll viel Potenzial: Aus ihm können Energie, Kompost und Dünger entstehen. Wie wird der Müll verwertet? Was darf alles in die Biotonne? Und wie lässt sich der lästige Geruch vermeiden?

Seit 2015 müssen Städte und Gemeinden ihren Bürgern ein System zum getrennten Sammeln von Bioabfällen zur Verfügung stellen. Im Jahr 2023 kamen in Deutschland so 5,2 Millionen Tonnen Abfälle in Biotonnen zusammen. Dennoch landen jährlich weiterhin etwa vier Millionen Tonnen Bioabfälle dort, wo sie eigentlich nicht mehr hineingehören: in der Restmülltonne. Dabei haben die richtig einsortierten Bioabfälle großes Recycling-Potenzial. Denn Bioabfälle können zu Energie vergoren oder zu Dünger kompostiert werden. Wie geht das?

Verwertet zu Biogas oder Kompost

Vor der Vergärung in der Biogasanlage werden die Abfälle vorbehandelt. Dabei werden Störstoffe wie Plastik oder Glas entfernt und das organische Material gesiebt, gemahlen oder gehäckselt. Anschließend bauen Mikroorganismen den Bioabfall in der Anlage ab und erzeugen dabei Biogas. Dieses wird je nach Technik direkt in Gasmotoren zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt oder zu Biomethan aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist. Nach der Vergärung bleibt zudem ein Gärrest zurück, der jedoch ebenfalls wiederverwendet werden kann: Der feste Anteil eignet sich als Kompost, der flüssige kann als Dünger eingesetzt werden.

Alternativ zur Vergärung kann der Biomüll auch komplett kompostiert werden. Dafür werden die Bioabfälle ebenfalls zunächst aufbereitet. Störstoffe werden aussortiert, das Material gesiebt und in grobe und feine Fraktionen getrennt. In der anschließenden Rottephase zersetzen Mikroorganismen das organische Material unter kontrollierten Bedingungen. In den großen Komposthaufen entstehen dabei hohe Temperaturen, die den mikrobiellen Abbau beschleunigen, schädliche Keime abtöten und die Entstehung von klimawirksamem Methan weitgehend verhindern. Danach folgt eine mehrwöchige Nachrotte, während der sich Humus bildet und das Kompostgut biologisch stabilisiert wird. Zum Abschluss wird der Kompost oft erneut gesiebt und nach Korngrößen sortiert.

Beide Aufbereitungsprozesse lohnen sich und liefern wertvolle Materialien: „Aus einer Tonne Bioabfall entsteht in zehn bis zwölf Wochen 350 bis 450 Kilogramm Kompost. Dieser könnte ungefähr zehn Kilogramm aufwendig hergestellten Kunstdünger ersetzen“, berichtet die Deutsche Umwelthilfe e. V.. „Zudem können aus einer Tonne Bioabfall durchschnittlich bis zu 130 Kubikmeter Biogas gewonnen werden, dies ersetzt 78 Liter Heizöl.“ Bei beiden Verwertungsarten gilt jedoch: Je stärker der Bioabfall verunreinigt ist, desto größer sind der Sortieraufwand, die Kosten und die Qualitätseinbußen. Deshalb ist es wichtig, nur geeignete Abfälle in der Biotonne zu entsorgen. Aber welche Abfälle gehören denn überhaupt dazu?

Was gehört in den Biomüll und was nicht?

Was genau in die Biotonne darf, entscheiden die Kommunen. Abhängig davon, wie der Biomüll später verwertet werden soll, kommen nicht immer alle Bioabfälle in die dazugehörige Tonne. In der Regel erlaubt sind alte Brot- und Backwaren, Eierschalen, Gemüse, Haare, Holzspäne, Kaffeesatz und -filtertüten, Käse, pflanzliches Kleintierstreu, Milchprodukte, Nussschalen, Obst, Schnittblumen, Teebeutel und Topfpflanzen.

Fisch, Fleisch und Knochen sind meist ebenfalls erlaubt, sollten aber gegebenenfalls in etwas Küchenpapier oder Zeitungspapier eingewickelt werden, um Gerüche zu binden und Schimmel- und Madenbefall in der Biotonne zu verhindern. Auch gekochte oder verdorbene Speisereste sowie Gartenabfälle dürfen in der Regel in haushaltsüblichen Mengen in den Biomüll.

Nicht in den Abfall gehören beispielsweise Asche, Exkremente von Tieren, Glas, Kehricht und allgemein Kunststoff – auch wenn er als zertifiziert biologisch abbaubar oder kompostierbar gekennzeichnet ist.

Foto eines Sammelbehälters für Küchenabfälle
Kleine, waschbare Behälter eignen sich gut für die Bioabfallsammlung in der Küche. © ferrantraite/iStock

So lassen sich unangenehme Gerüche verhindern

Am umweltfreundlichsten ist es, Küchenreste direkt ohne Zusätze in die Biotonne zu geben. Um diese in der Küche zu sammeln, eignet sich ein gut zu reinigender, verschließbarer Behälter, der regelmäßig geleert und ausgespült wird. Manche Menschen stören sich jedoch an der möglichen Geruchsbildung und verzichten daher auf die Nutzung einer Biotonne. Gegen den Mief lässt sich aber etwas tun. Generell gilt: Je trockener der Bioabfall, desto weniger Gerüche entstehen. Saugfähiges Material wie Küchenpapier, Eierkartons oder auch Laub in der Biotonne binden Flüssigkeit und verhindern, dass Abfälle festkleben.

Wer einen kleinen Sammelbehälter für die Küche nutzt, kann auch dessen Boden mit etwas Küchenpapier oder unbedrucktem Karton auslegen, um Feuchtigkeit aufzusaugen. Auch geeignet sind beschichtete Papiertüten. Auf spezielle Biomülltüten aus Kunststoff sollte hingegen verzichtet werden, da sie in Kompost- und Biogasanlagen meist als Störstoffe gelten.

Auch Standort und Pflege der Biotonne spielen eine Rolle bei der Geruchsbildung: Sie sollte möglichst schattig stehen, regelmäßig geleert und bei Bedarf ausgewaschen werden. Deckel mit eingebautem Biofilter können zusätzlich helfen, Gerüche und Madenbefall zu reduzieren. Im Sommer kann es außerdem sinnvoll sein, den Tonnendeckel gelegentlich mit einer Essig-Wasser-Mischung zu besprühen, um Insekten fernzuhalten.

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