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#„Nenn mich nicht Schlangenkönigin“

„„Nenn mich nicht Schlangenkönigin““

Katharina von Medici gilt als eine der verhasstesten Figuren der französischen Monarchie. Sie war fast vierzig Jahre als Königin und Königsmutter an der Macht und prägte die französische Politik des 16. Jahrhunderts wie kaum jemand sonst. Nicht allein, aber doch in maßgeblichem Ausmaß auf ihr Konto geht die Bartholomäusnacht – das Pogrom der Katholiken an den protestantischen Hugenotten, das mit dem Tag der „Bluthochzeit“, dem 24. August 1572 begann, an dem Katharinas Tochter Margarete mit dem Hugenotten Heinrich von Navarra verheiratet werden sollte. Allein in Paris wurden 3000 Menschen auf offener Straße erschlagen, insgesamt fielen dem Pogrom bis zu 15.000 oder gar 30.000 Menschen zum Opfer. Katharinas Sohn Karl IX. übernahm die Verantwortung für die Attentate auf führende politische Figuren der Hugenotten.

„Vermeintlich finstere Figur“

In der Serie „The Serpent Queen“, die auf Leonie Friedas Biographie „Catherine de Medici: Renaissance Queen of France“ basiert, gibt der Drehbuchautor Justin Haythe nun Katharina selbst das Wort. Sie erzählt ihren dramatischen Aufstieg am französischen Hof – zuweilen direkt an die Zuschauer gewandt. „Ich wollte, dass sich diese vermeintlich finstere Figur der Geschichte verteidigen und den Zuschauern sagen darf: Wärest du im Frankreich des 16. Jahrhunderts geboren worden, hättest du vielleicht ähnliche Entscheidungen getroffen, also nenn mich nicht Schlangenkönigin“, sagte Haythe (er schrieb unter anderem die Drehbücher zu „Revolutionary Road“ und „The Lone Ranger“) im Gespräch mit der F.A.Z.

Die Serie (Regie Stacie Passon) handelt von einer Frau, die ihr übles Schicksal in der Kindheit in eine erstaunliche Karriere zu wenden weiß, als sie lernt, die Ränkespiele am französischen Hof zu lenken. Die Intrigen, die hier von Katholiken und Protestanten, Dienstmägden und Kurtisanen, von machtbewussten Müttern und ambitionierten Anhängern des Okkulten gestrickt werden, erinnern nicht zufällig an die Serie „Game of Thrones“, zu der sich Haythe als großer Fan bekennt. Das merkt man an der nicht eben zurückhaltenden Inszenierung von Sex und Gewalt. Der Humor erinnert an den Vierteiler „Catherine The Great“ von 2019 mit Helen Mirren in der Hauptrolle der russischen Zarin Katharina.

Liv Hill (rechts) in der Rolle der jüngeren Katharina von Medici.


Liv Hill (rechts) in der Rolle der jüngeren Katharina von Medici.
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Bild: Starzplay

Frustration der Frauen ist allgegenwärtig

Haythe sagt, er habe sich den Figuren in „The Serpent Queen“ ebenso genähert wie zeitgenössischen Charakteren: „Sie haben dieselben Sorgen und Nöte, Stärken und Schwächen, sie sind ebenso kleinlich und eitel und eifersüchtig.“ An einem Kostümdrama sei ihm wenig gelegen (dabei können sich Ausstattung von Dan Weil und Kostüme von Karen Muller Serreau durchaus sehen lassen). Es fehlt denn auch nicht an – bisweilen überpointierten und plakativen – Verweisen auf zeitgenössische Politik und Kultur. „Im Handel, dem Kapitalismus, der Globalisierung und der Erkundung der neuen Welt liegt die Zukunft!“, ruft Louis de Bourbon (Danny Kirrane), Mitglied im königlichen Rat, und sein etwas unterbelichteter Bruder Antoine (Nicholas Burns) fügt an: „Eine französische Kolonie in der Neuen Welt wäre total wow!“

Die Frustration der Frauen in dieser Männergesellschaft, in der sie vor allem als politische Spielsteine und Gebärmaschinen dienen sollen, ist allgegenwärtig. „Eine Witwe ist das Beste, was aus einer Frau werden kann“, heißt es an einer Stelle. Und doch ziehen die Frauen die Strippen – „weil Männer eine simple Spezies sind und Gott will, dass wir sie leiten“, wie Antoinette Guise (Beth Goddard) bemerkt.

Charles Dance spielt Papst Clemens.


Charles Dance spielt Papst Clemens.
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Bild: Starzplay

Katharina entstammt der mächtigen italienischen Medici-Kaufmannsfamilie, deren Mitglieder indes am französischen Hof als Emporkömmlinge verachtet werden. Sie ist noch ein Baby, als die Syphilis ihre Eltern dahinrafft, wird der Fürsorge von Familienmitgliedern entrissen und in einer Klosterschule großgezogen, bevor sie kaum vierzehnjährig von ihrem Onkel, Papst Clemens VII. (Charles Dance) in einem politischen Manöver mit Heinrich (Alex Heath und Lee Ingleby), dem Sohn des französischen Königs Franz I. (Colm Meaney), verheiratet wird. Heinrichs Aufmerksamkeit gilt indes der schönen Diana von Poitiers (Ludivine Sagnier), die mehr als doppelt so alt wie er ist und ihn als ihre Marionette betrachtet. Katharina wird klar, dass ihr Überleben am Hof davon abhängt, dass sie einen männlichen Erben gebiert. Und sie muss sich die zahlreichen Intriganten vom Hals halten, die um die Macht am Hof ringen.

„Wenn du feststellst, dass sich das Leben gegen dich verschwört, musst du einen Weg finden, die Dinge zu deinen Gunsten zu wenden“, sagt Katharina der jungen, dunkelhäutigen Dienstmagd Rahima (Sennia Nanua), der sie ihre Lebensgeschichte erzählt. Rahima steht für Katharinas jüngeres Selbst – eine Außenseiterin, die sich in der Welt des Hochadels zurechtfinden muss. Zum anderen nimmt sie eine Lehrlingsrolle bei einer begnadeten Strategin in einer feindseligen, von arroganten und grobianischen Männern dominierten Welt ein. Und Rahima lernt schnell – in einer Szene konzipiert sie die Vergeltung an Wachmännern, die sie mit anzüglichen Bemerkungen piesacken. Aber Rahima muss auch fürchten, dass sie selbst bloß eine Schachfigur ist.

Zu gewinnen weiß die sehr auf Gegenwärtiges getrimmte Serie vor allem durch die Schauspielerinnen. Liv Hill als junge Katharina ist eine Entdeckung. Verletzlichkeit und Entschlossenheit verbindet sie zu einem faszinierenden Porträt. Und das Duell zwischen Ludivine Sagnier als Diana von Poitiers und der gefährlich düsteren Samantha Morton als (älterer) Katharina von Medici ist eine Schau für sich. Für ihn sei Katharina von Medici eine „ganz moderne Figur, eine klassische Antiheldin in der Tradition von Tony Soprano oder Michael Corleone“, sagt Justin Haythe. So wie er das Drehbuch angelegt hat, passt Katharina von Medici in die Reihe.

The Serpent Queen startet am Sonntag bei Starzplay auf Amazon Prime.

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