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Rund 15 Prozent der Brustkrebspatientinnen leiden unter sogenanntem dreifach negativem Brustkrebs (triple negative breast cancer, TNBC). Dieser Krebsart fehlen die Hormonrezeptoren für Östrogen, Progesteron und den Wachstumsfaktor HER2, die bei anderen Formen von Brustkrebs als Angriffspunkt für Anti-Hormontherapien dienen. Dadurch sind die Therapieoptionen begrenzt. Durch ein schnelles Wachstum und ein hohes Risiko für Metastasen verläuft diese Krebsart zudem häufiger tödlich als die meisten anderen Brustkrebstypen.
Mikro-RNAs im Fokus
„Der häufigste Grund für brustkrebsbedingte Todesfälle sind Metastasen“, erklärt ein Team um Victoria Arnet von der Adelaide University in Australien. „Obwohl metastasierender triple-negativer Brustkrebs oft anfänglich auf Chemotherapie anspricht, liegen die Gesamtüberlebensraten niedrig, da der Krebs sehr heterogen ist und sich häufig Resistenzen entwickeln.“ Auf der Suche nach neuen Therapiemöglichkeiten haben sich Arnet und ihre Kollegen auf sogenannte Mikro-RNA fokussiert. Diese kurzen RNA-Moleküle spielen eine wichtige Rolle in der Genregulation.
Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass bei vielen Frauen mit triple-negativem Brustkrebs der Spiegel einer Mikro-RNA namens miR-342 ungewöhnlich niedrig ist. „Das legt nahe, dass miR-342 an der Tumorsupression beteiligt sein könnte“, erklären die Forschenden. Tatsächlich stellten sie fest, dass ein niedriger miR-342-Spiegel bei TNBC-Patientinnen mit einer besonders hohen Metastasierungsrate assoziiert ist.
Beteiligtes Gennetzwerk aufgedeckt
Dieser Spur gingen Arnet und ihr Team mit Versuchen in Zellkulturen sowie an Mäusen nach, denen sie Tumorzellen einpflanzten. Die Idee: Wenn ein verringerter miR-342-Spiegel die Metastasierung fördert, könnte ein erhöhter Spiegel dieser Mikro-RNA die Ausbreitung der Krebszellen bremsen. Und tatsächlich: Durch mehr miR-342 reduzierte sich das Tumorwachstum bei Mäusen und es bildeten sich weniger Metastasen in der Lunge und in den Knochen.
Weitere Untersuchungen ergaben, dass miR-342 ein ganzes Gennetzwerk reguliert. Dabei unterdrückt miR-342 den sogenannten E2F-Signalweg, der das Krebswachstum fördert. „Wenn der miR-342-Spiegel sinkt, wird der E2F-Signalweg überaktiv, wodurch ruhende Krebszellen, die sich bereits im Körper ausgebreitet haben, zu gefährlichen Sekundärtumoren heranwachsen können“, erklärt Arnets Kollege Philip Gregory.
Bekämpfung mit bereits zugelassenem Medikament
Diese Erkenntnis ebnet zugleich den Weg zu neuen Behandlungen: „Das Spannende an dieser Entdeckung ist, dass es bereits zugelassene Medikamente gibt, die auf diesen Signalweg abzielen“, sagt Gregory. „Sogenannte CDK4/6-Hemmer werden routinemäßig bei Patientinnen mit fortgeschrittenem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs eingesetzt.“ Bei dreifach negativem Brustkrebs galten diese Medikamente bislang allerdings als wirkungslos und wurden deshalb üblicherweise nicht verschrieben.
Doch zumindest im Mausmodell reduzierten CDK4/6-Hemmer auch die Metastasierung von dreifach-negativem Brustkrebs. „Anstatt den Primärtumor zu verkleinern, könnte sich diese Behandlung als besonders wertvoll erweisen, indem sie verhindert, dass sich winzige metastatische Herde zu lebensbedrohlichen Sekundärtumoren entwickeln“, erklären die Forschenden. Messungen des miR-342-Spiegels könnten diejenigen TBNC-Patientinnen identifizieren, die am ehesten von einer solchen Therapie profitieren können.
Im nächsten Schritt wollen die Forschenden ihre Ergebnisse anhand von Patientendaten und weiteren präklinischen Modellen überprüfen. Sofern die zusätzlichen Tests erfolgreich verlaufen, könnten klinische Studien am Menschen folgen.
Quelle: Victoria Arnet (Adelaide University, Australien) et al., EMBO Molecular Medicine, doi: 10.1038/s44321-026-00496-4
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