#Neuer Trendsport Hyrox boomt: Eine Stunde Quälerei

„Neuer Trendsport Hyrox boomt: Eine Stunde Quälerei“

Der junge Mann, der hinter einer der Banden in der Halle 3 des Frankfurter Messegeländes stand, wartete vergebens auf ein Lächeln. Zwei acht Kilogramm schwere Kettlebells über eine Strecke von 200 Metern zu schleppen, das hatte bei seiner Freundin für den Moment jegliche positive Regung vertrieben. Die Freizeitsportlerin hatte sich die Quälerei selbst ausgesucht. Wie die anderen der etwa 2000 Teilnehmer, die am Samstag den Weg zum dritten Hyrox-Event fanden.

Zu lauter und hämmernder Musik absolvierten sie einen Fitnessparcours aus acht verschiedenen Disziplinen, darunter Skilanglauf und Rudern auf dem Ergometer, Ziehen und Schieben von Schlitten oder Ausfallschritte mit einem Sandsack auf den Schultern. Vor jeder einzelnen Herausforderung musste ein Kilometerlauf abgespult werden. Wer als Schnellster alle Aufgaben absolvierte, wurde in seiner Kategorie als Sieger geehrt. Neben den Altersklassen für die Amateure ab 16 Jahren aufwärts bis über 80 gab es für Männer und Frauen jeweils noch eine Profiwertung mit höheren Anforderungen, sprich: Gewichten. Dazu Doppel- und Staffel-Wettbewerbe.

Ein Titel wie der Ironman

Hyrox, das ist laut Erfinder Christian Toetzke eine griffige Zusammensetzung aus Hybrid, was für die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining steht, und Rockstar. Ein Titel wie der Ironman. Der frühere Zehnkämpfer kreierte 20 Jahre lang Marathon-, Triathlon- und ähnliche Sportevents, bevor er sich seiner neuen Idee widmete. 190 Millionen Menschen trainierten weltweit in Gyms und Studios, mehr als 50 Prozent davon bezeichneten „Fitness“ als ihre Disziplin. „Das ist der weltweit größte organisierte Sport“, behauptet Toetzke. Während es für Läufer jedes Wochenende eine Möglichkeit gebe, sich mit anderen zu messen, vermisste er für die riesige Fitnessmasse ein entsprechendes, zusätzlich motivierendes Angebot.

Ihm schwebte bei der Entwicklung von Hyrox vor, wie beim Marathon Profis mit Breitensportlern an einem Ort und Tag bei einer gemeinsamen Veranstaltung zusammenzubringen. Die Übungen sollten effektiv, standardisiert und von der Grundbewegung her so einfach sein, dass jeder sie ohne größere Probleme ausführen könne. Toetzke ließ sich von Sportwissenschaftlern beraten. Das Programm entspricht dem Trend der Studios, sich weg vom Maschinenraum hin zu Freiflächen fürs Training mit beweglicheren Geräten zu entwickeln und möglichst viele Muskelgruppen anzusprechen. Als Partner und Mitgründer holte sich der 54 Jahre alte Toetzke den Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste mit ins Boot.

Der Wettkampf soll die Teilnehmer motivieren: Verschiedene Disziplinen stehen auf dem Programm.


Der Wettkampf soll die Teilnehmer motivieren: Verschiedene Disziplinen stehen auf dem Programm.
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Bild: EPA

2018/19 hatten die beiden mit den ersten acht Veranstaltungen in Deutschland angefangen, die größte in Hamburg mit 1900 Teilnehmern. Ein Jahr später kamen fünf Standorte in den USA dazu. Die Pandemie ließ das wachsende Führungsteam eineinhalb Jahre lang pausieren. Beim Restart 2021 waren die Briten dabei und lockten laut Toetzke bei jedem ihrer sechs Events zwischen 4500 und 7500 Sportler. Das brachte die Organisatoren an Kapazitätsgrenzen. „Mehr als 5000 pro Tag gibt unser Equipment nicht her“, sagt Toetzke.

Skandinavien, Spanien und Hongkong stehen mittlerweile im Kalender der 47 Events. Die Saison 2023/24 soll eine Ausweitung nach China, Australien, Mexiko bringen. In Frankfurt konnten sich die Besten in der Eliteklasse für die Europameisterschaften im Januar in Maastricht qualifizieren. Auch Welt- und nordamerikanische Titelkämpfe gibt es.

Bei den Indoor-Events ist eine Messe im Innenraum angeschlossen, durch den die Zuschauer mit Tickets zu je 7,50 Euro in Frankfurt schlendern und so ganz nah an den Athleten sein können. „Wir wollen in Zukunft noch mehr bieten“, sagt Toetzke. Die besten Männer sind knapp unter, die Frauen knapp mehr als eine Stunde unterwegs. Der Anteil der weiblichen Hyrox-Aktiven befindet sich laut Toetzke bei 45 Prozent und damit über dem bei den Outdoor-Rennen. Es seien mehr Frauen in den Gyms, der Aufwand sei geringer, und selbst wenn die Wettbewerbe gut besucht sind: Man quält sich in intimerer Atmosphäre als draußen.

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