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#Nicht mehr rein weiß und männlich

„Nicht mehr rein weiß und männlich“

Als das Gespräch im Laufe des Sommers unweigerlich auf den Führungskampf bei den Tories fiel, konstatierte eine nicht mehr ganz junge Britin, die sich trotz ihren offenkundigen Beziehungen zum alten Establishment als betont liberal gab, dass Rishi Sunak keine Chance habe, Premierminister zu werden. Die sogenannte Blue Rinse Brigade (Damen mit lilagetöntem Haar, die einst den Inbegriff der verstockten konservativen Parteimitgliedschaft verkörperten) würde aus rassistischen Gründen niemals für ihn stimmen. Einer aus der kleinen Runde im gediegenen Traveller’s Club, einem 1819 gegründeten Herrenclub, der einst als Zulassungskriterium verlangte, potentielle Mitglieder müssten einmal in einer Entfernung von mindestens fünfhundert Meilen in gerader Linie außerhalb der britischen Inseln gereist sein, hielt vehement dagegen: Das sei ein überholtes Klischee. Wenn Sunak verliere, werde dies nicht auf seine Hautfarbe zurückzuführen sein, sondern auf politisch-ideologische Ge­sinnungen. Der Gastgeber, ein hochgebildeter Journalist aus Kalkutta, der zu den mitunter als Anglomanier bezeichneten England-Verehrern der bengalischen Oberschicht gehört und seit Ende der Fünfzigerjahre viel in Großbitannien unterwegs gewesen ist, war skeptisch: „Meinen Sie wirklich, dass der Leopard seine Flecken verändert hat?“

Gina Thomas

Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

So winzig die Zahl von 0,2 Prozent der Bevölkerung, der nun die neue Premierministerin bestimmt hat, auch ist, scheint der hohe Anteil der davon für Sunak abgegebenen Stimmen genauso dafür zu sprechen, dass der Leopard sich verändern kann, wie die Zusammensetzung des Kabinetts von Liz Truss. Zum ersten Mal in der britischen Geschichte hat kein einziger weißer Mann eines der vier wichtigsten Regierungsämter inne. Truss ist die dritte Frau an der Spitze der Konservativen Partei, die Ministerien für Äußeres, Inneres und Finanzen sind mit Nachfahren farbiger Zuwanderer besetzt. Noch nie war die ethnische Zusammensetzung des Kabinetts so vielfältig wie jetzt. Das steht im Einklang mit dem Spektrum jener elf Kandidaten, die sich anfangs um die Nachfolge Boris Johnsons bewarben: Mehr als die Hälfte von ihnen waren asiatischer oder afrikanischer Abstammung.

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