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In den Donauauen rund um die einstige Römerstadt Carnuntum in Niederösterreich haben Archäologen die Überreste eines römischen Brückenkopfkastells ausgegraben und untersucht. Dabei bestätigte sich, dass die von den Einheimischen lapidar „Ödes Schloss“ genannten Mauern vor rund 1800 Jahren ein bedeutendes und strategisch wichtiges Bauwerk waren. Es diente einst dem Grenzschutz am Donaulimes und zur Kontrolle des Handels an der Bernsteinstraße.

In den Donauauen Niederösterreichs, zwischen Wien und Bratislava, liegen die Überreste der Römerstadt Carnuntum, einst wichtige Metropole der römischen Provinz Pannonien. Sie wird bereits seit über 145 Jahren erforscht. Rekonstruierte Gebäude dienen heute als Ausstellungsfläche und Museum über die Römerzeit. Ganz in der Nähe, in der Hainburger Au, befinden sich unscheinbare und überwucherte Ruinen an der Donau, die von den Einheimischen als „Ödes Schloss“ bezeichnet werden. „Bereits um 1850 waren die noch sichtbaren Mauern an dem (…) Platz untersucht worden“, berichtet der Archäologe Christian Gugl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). „Aufgrund aufgefundener Ziegelstempel interpretierte man die Baustrukturen damals als Reste eines befestigten römischen Brückenkopfes“, sagt Gugl.
Ein solches Brückenkopfkastell errichteten die Römer meist auf der gegenüberliegenden Seite eines Grenzflusses, um zu überwachen, wer den Fluss überquert. Eine feste Brücke gab es in Carnuntum vermutlich nicht, stattdessen sind Fährdienste bis in das 17./18. Jahrhundert dokumentiert. Von den Stützpunkten am Fluss aus konnten die römischen Truppen sowohl die Passage über das Wasser als auch das Umland der Stadt beobachten. Besonders entlang des Donaulimes waren solche Anlagen strategisch wichtig, um die römische Grenze gegen das angrenzende „Barbaricum“ zu sichern und Handelswege zu kontrollieren.

Ausgrabung bestätigt Brückenkopfkastell bei Carnuntum
Doch bislang konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob sich wirklich eine solcher Stützpunkt in Carnuntum befand. Um das herauszufinden, haben Forschende des Österreichischen Archäologischen Instituts der ÖAW und des Archäologischen Parks Carnuntum nun das „Öde Schloss“ näher untersucht. Die Grabungen brachten bemerkenswert gut erhaltene Mauerstrukturen zum Vorschein. Teile der einstigen Kastellmauern sind noch heute bis zu 2,65 Meter hoch.
Die Untersuchungen der Ruinen ergaben, dass das Gebäude tatsächlich ein Brückenkopfkastell war und in zwei Phasen gebaut wurde. Um etwa 170/180 nach Christus ließ demnach zunächst Kaiser Mark Aurel die römische Grenze gegen die germanischen Stämme verstärken und legte dabei die Grundsteine für den Stützpunkt am Fluss. Um das Jahr 260 nach Christus ließ Kaiser Gallienus die Anlage dann erneuern und ausbauen. Es ist das erste bestätigte Brückenkopfkastell in Österreich, wie die Archäologen berichten. Eine vergleichbare Anlage am Donaulimes war bisher nur durch das Kastell Iža-Leányvár in der Slowakei bekannt.

Bei den Ausgrabungen fanden die Archäologen auch gestempelte Ziegel der Legionsverbände XIV und XV sowie Münzen, Keramik und einige kleinere Bronze-Gegenstände. „Sie belegen die große strategische Bedeutung Carnuntums innerhalb des römischen Militärsystems und liefern neue Erkenntnisse über die militärische Sicherung der Nord-Süd-Verbindung“, betont Eduard Pollhammer von der Römerstadt Carnuntum.
Römische Grenzsicherung und Kontrolle von Handelsrouten
Demnach diente das Kastell bei Carnuntum einst als politische Bastion zum römischen Grenzschutz entlang der Donau. Darüber hinaus lag die Festung an der sogenannten Bernsteinstraße, die vom Baltikum über Carnuntum ins Römische Reich nach Italien führte, und hat wahrscheinlich als wirtschaftlicher Knotenpunkt die Handelsbeziehungen entlang dieser Route von der Ostsee bis an die Adria kontrolliert, so die Forschenden. „Dieser beeindruckende Fund beweist die Bedeutung der Bernsteinstraße als wichtige Verkehrsader“, betont Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
Neben den archäologischen Aspekten erforschte das Team bei den Grabungen auch, wo die Donau einst verlief. Denn historische Flussverläufe vor dem 16. Jahrhundert sind kaum dokumentiert. Anhand von Sedimentproben untersuchen die Forschenden derzeit noch die geologische Entwicklung der Region. Die Analysen sind noch nicht abgeschlossen.
Quelle: Österreichisches Archäologisches Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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