Pawel Durow: Der FSB gegen Telegram

Pawel Durow: Der FSB gegen Telegram

Der Messengerdienst Telegram ist ein Tummelplatz für Verschwörungstheoretiker und Extremisten jeder Couleur. Islamistische Terroristen haben ihn für Propaganda und Rekrutierung genutzt. Deshalb wird er in vielen Ländern von den Behörden misstrauisch beäugt. Frankreichs Justiz ließ den Telegram-Gründer Pawel Durow vor zwei Jahren vorübergehend festnehmen, weil sie zu dem Schluss gekommen war, der Dienst biete Kriminellen eine bequeme Plattform für ihre Geschäfte; die deshalb anhängigen Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Ein Kanal für Regimegegner und freie Medien

Dass der ukrainische Geheimdienst Telegram nutzt, um in Russland Menschen für die Verübung von Sabotageakten anzuwerben, wie der russische Geheimdienst FSB behauptet, ist angesichts dieser Historie durchaus glaubhaft. Aber wenn Russlands politisch gelenkte Justiz Durow nun wegen „Beihilfe zum Terrorismus“ international zur Fahndung ausgeschrieben hat, geht es um etwas ganz anderes. Wladimir Putins Regime hat in den vergangenen acht Jahren mehrere Anläufe unternommen, Telegram in Russland ganz abzuschalten, weil der Dienst in Zeiten zunehmender Repressionen für Oppositionelle und unabhängige Medien zu einem wichtigen Kanal geworden ist.

Dass die Machthaber damit keinen Erfolg hatten, liegt freilich nicht nur an technischen Schwierigkeiten, sondern an ihrer eigenen Doppelmoral: Selbst führende Vertreter des Regimes wollen nicht auf Telegram verzichten. Sie wollen daher vor allem, dass Telegram mehr in ihrem Sinne wirkt. Mit dem internationalen Haftbefehl soll zu diesem Zweck Druck auf den ehemaligen russischen Staatsbürger Durow aufgebaut werden, der als – so seine Selbstbeschreibung – „digitaler Nomade“ ständig durch die Welt reist und sich dabei nun nicht mehr überall sicher fühlen kann.

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