Per Leo wird Herausgeber der neuen „Weltbühne“

Per Leo wird Herausgeber der neuen „Weltbühne“

Der Schriftsteller und Historiker Per Leo hat sich neulich im Blog des „Merkur“ nach kurzer Selbstprüfung als einen Intellektuellen mit Anspruch auf öffentlichen Einfluss bezeichnet. Jetzt wird er Herausgeber des Magazins mit dem vielleicht höchsten Preis pro Seite an deutschen Kiosken. Es ist die „Weltbühne“, die sich des historisch glanzvollen Titels der einstigen Wochenschrift Kurt Tucholskys und Carl von Ossietzkys bedient, um nunmehr monatlich zwischen dreißig und fünfzig Seiten Essays für elf Euro an die zahlungsfreudigen Mitglieder „der gebildeten Stände“ zu bringen.

Im jüngsten der bislang erschienenen vier Heftchen teilen sich zwölf Autoren diesen Platz. Leo nimmt als Herausgeber die Stelle Thomas Fasbenders ein, der einst Kommentator des russischen Propagandasenders „RT DE“ (Russia Today Deutsch) war, bevor dieser europaweit verboten wurde. Als Autor einer freundlichen Putin-Biographie passte er ganz gut in das geistig-materielle Universum des Verlegers der „Weltbühne“, Holger Friedrich, der am Russland Wladimir Putins und am Ungarn Viktor Orbáns etwas findet und dem auch die deshalb einmal boshaft als „Berlinskaja Prawda“ bezeichnete „Berliner Zeitung“ gehört.

„Die Weltbühne“ einst (links) und jetzt (rechts). Das Cover ist zum Verwechseln ähnlich, die Inhalte sind es nicht.
„Die Weltbühne“ einst (links) und jetzt (rechts). Das Cover ist zum Verwechseln ähnlich, die Inhalte sind es nicht.Picture Alliance, Berliner Verlag

Zu der wechselt Fasbender jetzt zurück. Ihr neuer Chefredakteur wird Philippe Debionne, dem schon vorgehalten wurde, sich als Chef von kleineren Regionalredaktionen im Osten aufgeschlossen für Querdenkertum und AfD gezeigt zu haben. Per Leo, der vor Jahren an der Fibel „Mit Rechten reden“ mitwirkte, könnte insofern auf seine in diesem „Leitfaden“ entwickelten Einsichten zurückkommen müssen. Die Verlockung, etwas herausgeben zu dürfen, scheint ihn jedenfalls ganz unempfindlich gegen das trübe Milieu gemacht zu haben, in dem es ihm ermöglicht wird.

Kürzer formuliert: Selbstwichtigkeit siegt über Verstand und Geschmack. Leos Mitherausgeber, Behzad Karim Khani, hatte vor kurzem noch mitgeteilt, er werde bei der „Weltbühne“ kündigen, sobald „ein zu (!) rechter Artikel“ in seinem Magazin stehe; ganz so, als könne das unabhängig von ihm durchaus geschehen. Gedanklich klar und politisch besonnen scheint man in der „Hauptstadt-Revue“, als die sich bezeichnet, was bislang leicht berechenbar, begriffs- und farbenarm daherkam, nicht zu sein.

Einstweilen bläst man nur die Backen auf, lobt sich ausgiebig selbst, schreibt ein Dutzend Mal, Krieg sei etwas Schlimmes, meint damit aber nicht den Putins, und gibt das alles als Gedanken aus. Per Leo mag in diesem Zustand eine Aufgabe für sich erkennen. Wir sind überrascht, wie gleichgültig ihm die Umstände zu sein scheinen, unter denen er sie antritt.

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