Nach dickleibigen Wälzern über Preußen, den Weg in den Ersten Weltkrieg und die Revolution von 1848 legt der bekannte Historiker Christopher Clark mit seiner neuen Monographie ein relativ schmales Werk mit einem auf den ersten Blick eher kleinen Thema vor. Es führt die Leser in das Königsberg der 1830er Jahre am östlichen Rande Preußens. Die Stadt an der Pregel avancierte in dieser Zeit zum Handlungsort eines Skandals, in dessen Zentrum zwei lutherische Prediger standen, denen sexuelle Ausschweifungen vorgeworfen wurden.
Clark nutzt diesen Fall, um die religiöse und politische Kultur Königsbergs vor dem Hintergrund der preußischen Geschichte ausführlich aufzuschlüsseln. Die lokalen Verhältnisse waren von Intrigen und Gerüchten geprägt, die schließlich den Ruf der beiden Prediger massiv in Mitleidenschaft zogen, obwohl sich die schwersten Vorwürfe Jahre später vor Gericht als unhaltbar herausstellten.
Clark schreibt trotz der komplexen Geschichte zugänglich, ja geradezu bewusst literarisch. Wiederholt verweist das Buch etwas vage darauf, dass analoge Schmutzkampagnen auch in der Gegenwart zu beobachten seien. Sie waren aber – so zeigt die einfühlsame Studie – offensichtlich auch unter ganz anderen medialen und kulturellen Bedingungen möglich.
Rezension: Dr. Sebastian Rojek
Christopher Clark
Skandal in Königsberg
Eine Geschichte von Moral, Medien und Politik aus dem alten Preußen
DVA, München 2025, 224 Seiten, € 25,–
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