#Plötzlich 120.000 Tote mehr

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Plötzlich 120.000 Tote mehr

In Mexiko ist die Zahl der Corona-Toten am Wochenende um 120.000 angewachsen. Die Zahl ist kein Tippfehler. Mit einem Mal liegt Mexiko in der weltweiten Corona-Statistik auf Platz zwei, jetzt sogar vor Brasilien und nur noch hinter den Vereinigten Staaten. Wie ist das passiert?

Tjerk Brühwiller

Der ungewöhnlichen Nachricht gingen Zweifel von Fachleuten voraus. Die hatten schon seit Beginn der Pandemie gemutmaßt, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer in Mexiko aufgrund fehlender Tests wahrscheinlich viel höher sei als offiziell angegeben. Die Fachleute sollten recht behalten, wie das Gesundheitsministerium jetzt zugeben musste. Demnach starben in Wirklichkeit mindestens 322.000 Mexikaner im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion – und damit mehr als 60 Prozent mehr als die bisher bestätigten 201.000 Fälle.

Präsident in der Kritik

Anlass zur Korrektur gab eine Analyse der Übersterblichkeit und der Totenscheine der vergangenen Monate, die das Gesundheitsministerium nun präsentiert hat. Schon im Januar hatte das Nationale Statistikinstitut für die ersten acht Monate des vergangenen Jahres einen allgemeinen Anstieg um 184.000 Todesfälle im Vergleich zum Vorjahr registriert. 108.000 davon wurden auf eine Corona-Infektion zurückgeführt, die Regierung kam während derselben Periode nur auf 64.000 bestätigte Fälle – da konnte etwas nicht stimmen.



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Mexikos Regierung hatte sich bisher auf die Daten der Krankenhäuser verlassen, das Statistikinstitut zog hingegen die Totenscheine als Quelle heran. Ein Mangel an Intensivbetten in vielen Bundesstaaten dürfte laut Experten dazu geführt haben, dass eine große Anzahl von Menschen zu Hause verstorben ist – und somit bisher nicht in die Statistiken des Gesundheitsministeriums einging. Wie die nun erfolgte Analyse des Gesundheitsministeriums zeigt, sind etwa 70 Prozent der Übersterblichkeit des vergangenen Jahres auf Corona-Todesfälle zurückzuführen.

Mexikos linksnationalistischer Präsident Andrés Manuel López Obrador steht seit Beginn der Pandemie wegen seines Umgangs mit der Krise in der Kritik. López Obrador, der meist ohne Maske in der Öffentlichkeit auftritt und sich im Januar selbst mit dem Virus angesteckt hatte, wird von der Opposition beschuldigt, die Schwere der Pandemie heruntergespielt zu haben. Auch sei er verantwortlich für die schleppende Impfkampagne. Tatsächlich sind erst etwa fünf Prozent der Bevölkerung geimpft.

Ein Arbeiter versiegelt das Grab eines Corona-Toten im mexikanischen Nezahualcoyotl.


Ein Arbeiter versiegelt das Grab eines Corona-Toten im mexikanischen Nezahualcoyotl.
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Bild: AFP

Mexiko hat daher jüngst die Vereinigten Staaten um Hilfe gebeten. Die haben angekündigt, 2,5 Millionen Impfdosen von Astra-Zeneca zu liefern. Der Impfstoff ist in den Vereinigten Staaten noch nicht freigegeben, in Mexiko schon. Immerhin ist seit Ende Januar die Zahl der Neuinfektionen in Folge drastischer Einschränkungen rückläufig. Vergangene Woche warnte aber der Epidemiologe Hugo López-Gatell, der für die Bekämpfung der Pandemie verantwortlich ist, vor einer neuen Welle nach den Osterferien.

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