Prozess um Schüsse in Schlosserwerkstatt in Südhessen

Prozess um Schüsse in Schlosserwerkstatt in Südhessen

Der Mann kann nicht glauben, dass auf ihn geschossen wurde und wer es war. „Das ist mein bester Freund“, sagt das 43 Jahre alte Opfer. Das hat eine Überwachungskamera in Bild und Ton nach der Tat festgehalten, wie eine Kriminalbeamtin als Zeugin im Gerichtssaal in Darmstadt berichtet. Sie hatte für die Ermittlungen das Video ausgewertet. Nach dem gewalttätigen Streit zwischen den beiden Männer, der sich nach den Worten des Opfer in einer Schlosserwerkstatt in Südhessen abgespielt hatte, ist der Angeschossene stark blutend zum gegenüberstehenden Haus geflüchtet, wo eine Nachbarin Erste Hilfe leistete. Dort zeichnete die Überwachungskamera das Gespräch auf.

Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Darmstadt muss die Umstände der Gewalttat im Oktober 2024 aufklären. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59 Jahre alten Chef der Werkstatt, dem Deutschen Bodo V., versuchten Mord vor. Der Anklage zufolge wollte er den jüngeren Mann, der aushilfsweise dort arbeitete, heimtückisch töten. Der Chef war auch Vermieter der Wohnung des Mitarbeiters im gleichen Haus, in der dieser mit seiner Freundin lebte.

Zwei Versionen für Ablauf der Tat

Am ersten Prozesstag am Montag waren im Gerichtssaal zwei Versionen des Geschehens geschildert worden. Nach den Worten des Angeschossenen war er – auf dem Bauch liegend – mit Schleifen beschäftigt, als er unvermittelt angegriffen wurde. Zuerst habe er einen Stoß in den Rücken gespürt. Als er sich umgedreht habe, habe sein Chef mit einer Pistole auf ihn gezielt und abgedrückt. Bei dem folgenden Handgemenge habe der ältere Mann auch mit einer Eisenstange zugeschlagen. Schließlich habe er aus der Werkstatt flüchten können, sagte der Mitarbeiter.

Dagegen hatte der Angeklagte behauptet, der jüngere Mann habe ihn zuerst angegriffen und mit Fäusten auf ihn eingeschlagen. Der Chef sagte, er habe sich zur Wehr gesetzt und dabei zu einer Pistole gegriffen, die in einem Pappkarton in der Werkstatt gelegen habe. Vor der Attacke habe er seinen Mieter wegen Lärmbelästigung in der Wohnung ermahnt und gesagt, wenn das nicht aufhöre, müsse er ausziehen.

Am zweiten Prozesstag am Donnerstag gleichen die Richter diese beiden Darstellungen mit den Aussagen von Zeugen ab. Dabei zeigt sich, dass der Angeschossene den Ablauf immer wieder gleich schilderte: in dem Gespräch mit der Nachbarin, das die Überwachungskamera aufgenommen hatte, sowie in Vernehmungen gegenüber verschiedenen Polizeibeamten. Auch der Angeklagte hat seine Version nicht zum ersten Mal im Gerichtssaal geäußert. Auf seinen Wunsch hin hat die Kriminalpolizei ihn per Video befragt, als er in Untersuchungshaft saß, wie ein Polizeibeamter berichtet. Mit dabei sei der Anwalt des Beschuldigten gewesen.

Suche nach dem Motiv

Die Richter suchen am zweiten Verhandlungstag auch nach einem möglichen Motiv und einem Anlass für den brutalen Kampf mit beinahe tödlichem Ausgang. Im Austausch von Nachrichten auf dem Smartphone zwischen dem Angeklagten und der Freundin des Mitarbeiters geht es ebenfalls um eine Kündigung der Wohnung. In dem Chat heißt es aber, der Mitarbeiter selbst habe kündigen wollen. Darauf schrieb sein Chef und Vermieter an dessen Freundin, wenn der Mann ausziehe, könne sie bleiben und die Wohnung behalten. Das wird in der Hauptverhandlung aus den Akten vorgelesen. Das bedeutet, auch für die Kündigung der Wohnung gibt es zwei Versionen.

Als Zeugen berichten schließlich Ärzte, die das Opfer behandelt haben, und ein forensischer Radiologe von den Verletzungen. Demnach traf den Mann ein Schuss in den Rücken, zwei Projektile schlugen in der Wange ein, so dass der Kieferknochen zertrümmert wurde.

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