Rechenzentren und KI: Neue Risiken fordern Versicherer

Die Künstliche Intelligenz (KI) dominiert die Wirtschaft schon heute. Sie treibt nach Ansicht von Allianz Commercial, dem Industrie- und Unternehmensversicherer des Allianz-Konzerns, einen der größten Infrastruktur-Investitionszyklen seit Jahrzehnten voran. Gleichzeitig läute der globale Ausbau von Rechenzentren eine neue Ära von Bau-, Betriebs-, Klima- und Versicherungsrisiken ein, schreibt Allianz Commercial in einem aktuellen Bericht zu den Folgen des Booms bei Rechenzentren für Versicherer.

In einem atemberaubenden Tempo werden sich die Investitionen in Rechenzentren erhöhen: Nach 500 Milliarden Dollar im Jahr 2024 werde sich das Volumen Prognosen zufolge bis 2027 auf über eine Billion Dollar verdoppeln. Die Investitionsmöglichkeiten reichten weit über Serverräume hinaus und umfassten Stromerzeugung, Netzinfrastruktur, Kühlung, Vernetzung und Halbleiter, heißt es in dem Bericht. Der Boom sorgt gleichzeitig für eine hohe Nachfrage nach Versicherungsschutz.

Da Rechenzentren eine immer wichtigere Rolle in der Infrastruktur einnehmen, betrachtet Allianz Commercial einen umfassenden Versicherungsschutz als wichtige Bedingung für die Finanzierung zahlreicher groß angelegter KI-Infrastrukturprojekte. Die Baukosten für einen einzelnen KI-Campus könnten 20 Milliarden Dollar übersteigen. Die Versicherungswerte wüchsen nach der Installation von Hochleistungsrechnern ebenfalls erheblich.

Versicherungsmarkt wächst auf 24 Milliarden Dollar

Nach Schätzung von Allianz Commercial wird der globale Markt für Rechenzentrumsversicherungen von derzeit rund elf Milliarden Dollar auf über 24 Milliarden Dollar bis 2030 wachsen. Dies spiegele den raschen Kapazitätsausbau, steigende Versicherungswerte und zunehmende betriebliche Komplexität wider.

„KI verwandelt die neueste Generation von Rechenzentren von einer spezialisierten Immobilienanlage in eine geschäftskritische Infrastruktur “, ist Allianz-Commercial-Chef Thomas Lillelund überzeugt. Das Investitionsvolumen sei außergewöhnlich, da sich diese Zentren von der traditionellen Datenspeicherung hin zu Anforderungen an Hochleistungsrechner entwickelten. Doch der Erfolg werde zunehmend von der Ausfallsicherheit abhängen.

Dazu zählt Lillelund Stromversorgung, zuverlässige Lieferketten, solide Baukontrollen sowie klimabewusste Standortwahl und Versicherungsprogramme, die das Akkumulationsrisiko widerspiegeln. „Tatsächlich ist ein umfassender Versicherungsschutz mittlerweile eine Voraussetzung für die Finanzierung vieler groß angelegter KI-Infrastrukturprojekte geworden“, sagt Lillelund.

In einer Allianz-Commercial-Analyse von Schadensfällen der Industrieversicherungsbranche mit Bezug zu Rechenzentren stellte sich Feuer als Hauptfaktor für die Schadensschwere heraus. Es hatte einen Anteil von weit über 50 Prozent der Schäden in Höhe von rund 800 Millionen Dollar. Naturkatastrophen stehen an zweiter Stelle, gefolgt von vorsätzlichen Handlungen, zu denen Kriminalität und Cybervorfälle zählen, sowie Stromausfällen.

Viele Standorte sind anfällig für Naturkatastrophen

Mit den immer größer werdenden Rechenzentren nehme der Komplexität und gegenseitige Abhängigkeit zu, sodass sich deren Risikoprofil verändere. Ein einzelnes Ereignis könne Schadensfälle in den Sparten Sach-, Bau-, Betriebsunterbrechungs-, Haftpflicht-, Cyber- und Finanzversicherungen auslösen. In großen Rechenzentren (Hyperscaler) hätten Schäden an externen Kühlsystemen, Brandschäden sowie eine durch Stromstörungen verzögerte Inbetriebnahme jeweils zu Schäden in einer Größenordnung von 50 bis 100 Millionen Euro geführt, verweist Allianz Commercial auf Fallstudien.

Laut Allianz Research werden die USA und China bis 2030 voraussichtlich rund 62 Prozent der in der Welt neu hinzukommenden Kapazitäten ausmachen. Doch die nächste Investitionswelle nehme globale Ausmaße an. In Europa blieben Deutschland, Großbritannien und Irland wichtige Märkte, jedoch werde ein schnelleres Wachstum in Spanien, Finnland und Dänemark erwartet, wo die Stromverfügbarkeit und die Genehmigungsbedingungen günstiger sein könnten. Im asiatisch-pazifischen Raum, ohne China, werde die installierte Leistung voraussichtlich von derzeit rund neun Gigawatt auf über 28 Gigawatt bis zum Jahr 2030 steigen, wobei sich das Wachstum in Malaysia voraussichtlich mehr als verzehnfachen werde.

Sorge bereitet der Allianz Commercial, dass sich fast 80 Prozent der Rechenzentrumskapazität auf der ganzen Welt in Gebieten mit erhöhtem Naturkatastrophenrisiko befinden. Am höchsten sei diese Gefahr in Nord- und Südamerika mit 86 Prozent der Kapazität. Mehr als die Hälfte sei chronischer Hitze- und Dürrebelastung ausgesetzt. Davon seien im asiatisch-pazifischen Raum 89 Prozent der Kapazität betroffen.

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