#Rob Weber kandidiert bei der Präsidentenwahl in Amerika

Rob Weber kandidiert bei der Präsidentenwahl in Amerika

Rob Weber steht in seinem Vorgarten, er muss noch Vogelfutter ausstreuen. Er lächelt aus der Entfernung und als er näher kommt, streckt er zur Begrüßung die Hand aus, zieht sie zurück und bietet seinen Ellenbogen zum Gruß. Er bittet in das alte Haus auf dem Bauernhof, der um 1870 errichtet wurde und längst nicht mehr im landwirtschaftlichen Betrieb ist.

Rob Weber ist Anwalt, vor dem Jurastudium hat an der Militärakademie West Point studiert. Panzer fahren, das kann er, das hat er bei der Armee gelernt. Auf einem Traktor hat er hier nie gesessen. In der Küche liegt auf einer Ablage neben ein paar Unterlagen und Utensilien des Alltags eine bedruckte Maske, auf der „Weber for Congress“ steht. Der Panzerfahrer wäre gern Politiker. Er füllt Eiswasser (4/5 Eis, 1/5 Wasser) in einen Trinkbecher, für unterwegs. Es ist warm draußen, Polohemdenwetter, besonders schweißtreibend wird es trotzdem in der nächsten Stunde nicht.

Weber ist etwas unter Zeitdruck, er hat noch eine Einladung zu einem Oktoberfest am späten Nachmittag. Am nächsten Abend ist er beim Republican Women’s Club zu einem Dinner verabredet. Der direkte Kontakt macht ihm nichts, auch wenn das Coronavirus noch immer in den Vereinigten Staaten grassiert.

Ihn störe es übrigens nicht, sagt er, wenn man ohne Maske miteinander rede, das sei vollkommen okay für ihn. „Wenn es irgendwie geht, vermeide ich es, eine aufzusetzen“, sagt Weber. Dann geht er nach draußen, wo neben dem Haus ein blauer Ford Escape parkt. In der Garage stehe noch ein Auto, erzählt er, ein Audi RS3. Das ist einer dieser schnellen, angriffslustigen Sportwagen. Aber da Wahlkampf ist, fährt der Republikaner Rob Weber in dem familienfreundlichen Ford vom Hof, um auf Stimmenfang zu gehen. Die Maske bleibt in der Küche liegen.

Rob Weber war erfolgreich. In einem Vorgarten durfte er sein Schild aufstellen.


Rob Weber war erfolgreich. In einem Vorgarten durfte er sein Schild aufstellen.
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Bild: Daniel C. Schmidt

Am 3. November stehen weit mehr als die zwei Namen Trump und Biden auf dem Wahlzettel. An diesem Tag wird Amerika neu zusammengewürfelt, die Verwaltung auf lokaler und nationaler Ebene neu aufgestellt. Das Land vergibt nicht nur den Posten im Oval Office, zehntausende Menschen stehen zur Wahl. Gesucht werden Sheriffs, Richter, Staatsanwälte, Abgeordnete für Kreis- und Stadtparlamente, Senatoren in einigen Bundesstaaten. Auch die Mitglieder des Abgeordnetenhauses in Washington stehen zur Wahl. Der 48 Jahre alte Rob Weber ist der Republikanische Herausforderer in Ohios 9. Regierungsbezirk, der sich im Norden des Bundesstaates am Lake Erie von Cleveland bis Toledo streckt.

Haben die Wähler genug von der Dauerkandidatin?

Das Gebiet besteht aus Vorstädten und ländlichen Gegenden mit Landwirtschaft und verarbeitender Industrie. Das mittlere Jahreseinkommen liegt hier mit 37.000 Dollar knapp 20.000 Dollar unter dem Landesdurchschnitt. Seit 37 Jahren sitzt die Demokratin Marcy Kaptur für den Bezirk im amerikanischen Kongress. Bei der Wahl im Jahr 2018 kam die 74 Jahre alte Politikerin auf 67,8 Prozent der Stimmen. 

Gegen sie tritt Rob Weber am 3. November an. Seine Chancen, das weiß er, stehen nicht sonderlich gut. Er ist klarer Außenseiter. „Ich war neun Jahre alt, als sie zum ersten Mal gewählt wurde. Die Idee ist“, sagt er in Hinblick auf eine mögliche Wahlniederlage, „dass sie nicht ewig antritt.“

Rob Weber versucht in seinem Stimmbezirk möglichst viele Schilder aufzustellen.


Rob Weber versucht in seinem Stimmbezirk möglichst viele Schilder aufzustellen.
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Bild: Daniel C. Schmidt

Wer weiß. In zwei Jahren könnte er es noch einmal versuchen. Vielleicht reicht es ja aber dieses Mal schon. Vielleicht haben die Anwohner genug von der Dauerkandidatin. Darauf spekuliert Weber. Also versucht er, sich jetzt etwas einfallen zu lassen, um die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Aber der politische Weg von Ohio nach Washington ist mühsam. Er führt ihn durch dünn besiedelte Dörfer, von Haustür zu Haustür. Traditioneller, unglamouröser Wahlkampf.

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