
Shows wie “Game of Thrones” von HBO haben gezeigt, dass Serien inzwischen eigentlich locker mit der Qualität von großen Filmen mithalten können.
Netflix will jedoch möglichst schnell viel Content für wenig Kosten produzieren. Ihr einheitlicher Look ist aber nicht nur eine Entscheidung zur Kosteneinsparung.
Heutzutage wird Content anders konsumiert. Überall gewinnt Zugänglichkeit gegenüber künstlerischer Komplexität.
Die Plattform optimiert Inhalte knallhart fürs Gucken am Smartphone oder den Second Screen nebenbei. Auch Filme des Streaminganbieters werden zunehmend weniger für das Erlebnis auf großen Fernsehern optimiert und passen sich den Serien an.
Da man auf kleineren Bildschirmen Details weniger gut erkennt, rücken bei Netflix-Produktionen die Schauspielenden und ihre Mimik stärker in den Vordergrund. Die Aufmerksamkeit soll stark auf den Charakteren liegen. Dialoge und Handlung bekommen dadurch mehr Priorität als eine hohe künstlerische, visuelle Qualität.
Daher legt Netflix bestimmte technische Regeln für all seine Produktionen fest. Lieber Nahaufnahmen statt epischer Panoramen, einfachere Set-Designs statt detailverliebter Ausstattung im Hintergrund.
Regisseurinnen und Regisseure können ihre Vision also nicht unbedingt uneingeschränkt umsetzen, weil alles Smartphone-tauglich sein muss. Netflix gibt sogar Einschränkungen vor, welche Kameras verwendet werden.
Die Plattform spart bei der Optik – aber investiert in Stars. Zuschauende achten statistisch mehr auf Namen als auf Bildqualität und deshalb wird das Budget in große Stars gepumpt. Viele klicken halt eher auf einen mittelmäßigen Film mit “The Rock” in der Hauptrolle als auf ein visuelles Meisterwerk mit Unbekannten.
Wenn der nächste Titel auf Netflix den zuvor geschauten ähnelt bzw. vertraut aussieht, klickt man eher darauf. Netflix wertet daher Nutzerdaten danach aus, was beim Publikum besonders gut angekommen ist und designt die Optik neuer Inhalte dann so, dass sie dazu wieder ähnlich sind. Auch diese Standards prägen den Look.
Trotz dieser Einschränkungen produziert Netflix auch Filme mit guter Cinematography und gewinnt auch Oscars. Fragt sich nur, ob das nicht eher die Ausnahme im großen Sortiment ist. Stand jetzt will Netflix auch weniger Content produzieren als zuvor, womit hoffentlich auch mehr Geld für die einzelnen Titel zur Verfügung steht.
Mich persönlich nervt dieser Trend zum Netflix-Look, weil ich versuche, Titel eher bewusst auf einem großen Fernseher zu schauen und vor Netflix-Originals bin ich daher oft zurückgeschreckt. Ich bilde mir ein, eher nach neuen Filmen zu suchen, die mir was Visuelles bieten, das ich noch nicht gesehen habe, aber vielleicht irre ich mich auch und schaue insgeheim auch immer ähnlichen Content.
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