Schädel aus China sind älteste Homo-erectus-Fossilien Ostasiens

Schädel aus China sind älteste Homo-erectus-Fossilien Ostasiens

Der Homo erectus gilt als die erste Menschenart, die Afrika verließ und Eurasien besiedelte. Wann dies geschah, ist jedoch strittig, Jetzt liefert eine Neudatierung von drei in China entdeckten Homo-erectus-Schädeln neue Anhaltspunkte. Demnach sind diese Funde bereits 1,77 Millionen Jahre alt – 800.000 Jahre älter als zuvor angenommen. Damit sind diese Schädel aus Yunxian der älteste sicher datierte Nachweis des Homo erectus in Ostasien, wie die Forschenden berichten. Ihrer Ansicht nach spricht dies dafür, dass sich dieser Frühmensch schneller über Eurasien ausgebreitet haben könnte als gedacht. Das könnte auch das Rätsel um einige auf mehr als zwei Millionen Jahre datierte Steinwerkzeuge aus China klären, deren Urheber bislang unbekannt ist.

Der Homo erectus war einer unserer erfolgreichsten Vorfahren. Dieser Frühmensch zähmte das Feuer, stellte die Faustkeile der Acheuléen-Kulturstufe her und war der erste Vertreter unserer Gattung, der Afrika verließ und andere Kontinente besiedelte. Doch wo und wann der erste Homo erectus entstand und wie schnell er sich dann über Eurasien ausbreitete, ist unklar. Der bisher älteste Homo-erectus-Fund in Afrika ist der in Südafrika entdeckte rund zwei Millionen Jahre alte Schädel eines Kindes. Die ältesten Fossilien dieses Frühmenschen aus Eurasien sind rund 1,8 Millionen Jahre alt und stammen aus Dmanisi in Georgien. Zwar wurden auch in Ostasien und Südostasien mehrere Homo-erectus-Fossilien gefunden, diese stammen aber größtenteils aus der Zeit vor rund einer Million Jahren und sind damit deutlich jünger.

Fundstätte Yunxian
Ausgrabungen an der Fundstätte Yunxian in China. © Guangjun Shen

Wie alt sind die drei Schädel aus Yunxian?

Dies nahm man auch für drei Frühmenschen-Schädel aus der Fundstätte Yunxian in der chinesischen Provinz Hubei an. Zwei dieser Schädel wurden schon in den 1970er Jahren entdeckt, waren aber stark zerdrückt, so dass ihre Zuordnung zu einer Art zunächst offenblieb. „Jüngste Ausgrabungen an der Fundstätte führten jedoch zur Entdeckung eines dritten, relativ intakten Schädels, der rund 345 Meter von den ersten beiden Schädeln entfernt lag“, berichten Hua Tu von der Shantou Universität und seine Kollegen. Ersten Untersuchungen nach zeigt dieser deutlichere Merkmale des Homo erectus, die detailliertere Analyse ist aber noch nicht abgeschlossen. Am gleichen Ort wurden auch mehrere hundert Steinabschläge und andere Spuren menschlicher Tätigkeit gefunden. Ersten paläomagnetischen Datierungen nach stammten die Schädel aus der Zeit vor rund 870.000 bis 830.000 Jahren. Eine Uran-Datierung von Tierzähnen aus derselben Fundschicht deutete auf ein Alter von rund einer Million Jahren hin. Allerdings waren alle Datierungen mit großen Unsicherheiten behaftet, wie die Paläontologen erklären.

Deshalb haben Tu und sein Team nun die Funde neu datiert und dabei eine andere Methode gewählt: Sie analysierten die kosmogenen Isotope Beryllium-10 und Aluminium-26 in den Quartz-Körnchen der Fundschicht-Sedimente. Diese seltenen, radioaktiven Atomsorten entstehen, wenn Minerale an der Erdoberfläche der kosmischen Strahlung ausgesetzt sind. Ihr Anteil kann daher verraten, wann eine Gesteinsschicht zuletzt an der Oberfläche war – und damit auch das Alter der in ihr gefundenen Fossilien. „Die Anwendung dieser Datierungsmethode kann uns daher helfen, eine unabhängige und robuste Alterseingrenzung für die Yunxian-Funde zu bekommen“, erklären die Forschenden. Sie sei dort besonders geeignet, weil die Schichtabfolge in dieser Fundstätte ungestört und gut erkennbar sei.

Schnelle Ausbreitung über Eurasien

Die neue Datierung ergab, dass die drei Frühmenschen-Schädel aus Yunxian beträchtlich älter sind als zuvor angenommen. Tu und seine Kollegen ermittelten für sie ein Alter von rund 1, 77 Millionen Jahren. „Dieser Datierung zufolge könnten die Homo-erectus-Fossilien aus Yunxian die ältesten sicher datierten Homininen-Fossilien in Ostasien sein“, schreibt das Forschungsteam. Älter sind demzufolge nur die Schädel aus dem georgischen Dmanisi mit gut 1,8 Millionen Jahren. Der geringe Zeitabstand zwischen den Funden aus China und Georgien spricht dafür, dass sich der Homo erectus schneller über Eurasien verbreitete als bisher angenommen. „Die Funde aus Yunxian deuten darauf hin, dass der Homo erectus vor rund 1,77 Millionen Jahren schon viel weitergekommen sein muss als nur bis Dmanisi in Georgien“, so die Forschenden. Gleichzeitig verkleinert die Neudatierung auch die zeitliche Lücke zwischen den ältesten potenziellen Werkzeugspuren von Frühmenschen in Ostasien und dem Vorkommen des Homo erectus.

Allerdings bleiben einige Fragen offen: „Das Rätsel darüber, wann genau der Homo erectus erstmals in dieser Region auftauchte, bleibt bestehen“, betont Co-Autor Christopher Bae von der University of Hawaii in Manoa. „Ebenso, ob der Homo erectus wirklich die erste Menschenart an einigen dieser Orte in China und anderswo in Ostasien war.“ Denn die im chinesischen Shangchen und Xihoudu entdeckten Artefakte sind mit 2,1 und 2,43 Millionen Jahren deutlich älter als alle Homo-erectus-Zeugnisse in Eurasien und auch älter als das älteste Fossil dieser Frühmenschenart in Afrika. Das wirft die Frage auf, wer diese Artefakte hinterließ. Bisher haben auch Tu und seine Kollegen darauf keine Antwort.

Quelle: Hua Tu (Shantou University, China) det al., Sscience Advances, doi: 10.1126/sciadv.ady2270

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