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Unsere Haare sind Ausdruck von Persönlichkeit und Gesundheit. Entsprechend groß ist der Markt für Haarpflegeprodukte. Doch viele Shampoos und Spülungen enthalten problematische Chemikalien, die der Gesundheit und Umwelt schaden. Wie gelingen schöne und gesunde Haare auch ohne Silikone, Parabene und Co? Wie stellt man seine Haarpflege selbst her und wie oft sollte man sie benutzen?
Haare sind weit mehr als leblose Körperstrukturen. Wir nutzen sie oft bewusst, um uns zu präsentieren und mitzuteilen. Schon in der Antike waren Frisuren zum Beispiel Ausdruck von sozialem Status und Ansehen. Später nutzten Versklavte ihre Flechtfrisuren, um Fluchtpläne festzuhalten. Während der Frauenbewegung dienten Kurzhaarfrisuren als Mittel des Protests. Heute drücken viele Menschen mit den Haaren ihre Identität und kollektive Zugehörigkeit aus.
Was sind Haare?
Biologisch gesehen handelt es sich bei Haaren um Keratinfäden. Diese Ketten aus Eiweißmolekülen haben keine Nervenverbindungen und können daher keinen Schmerz empfinden. Sie abzuschneiden, ist deshalb kein Problem. Ganz anders die Haarwurzel-Zellen, die die Haare bilden: Hier empfinden wir Schmerz, wenn jemand an den Haaren zieht.
Solche Haarfollikel gibt es am ganzen Körper, die meisten befinden sich auf der Kopfhaut. Denn das dichte Kopfhaar soll unsere Haut vor schädlichen Sonnenstrahlen schützen und durch ihre isolierende Wirkung unser Gehirn vor Überhitzung oder Auskühlung bewahren. Dabei variiert die Haaranzahl auch nach Farbe und Dicke: Menschen mit blondem Haar haben durchschnittlich 150.000 Haare, dafür aber auch sehr dünne. Brünette haben durchschnittlich 110.000 Haare, Schwarzhaarige 100.000 und Rothaarige nur rund 90.000 Haare.
Haarwurzel entscheidet über Aussehen
Die Haarfarbe entsteht in der Haarwurzel. Dort produzieren die Melanozyten Melanin-Pigmente, welche die Haut- und Haarfarbe bestimmen. Mit zunehmendem Alter sind diese Produktionszellen weniger aktiv und die Haare verlieren ihre Pigmente, sie werden grau. Durchschnittlich passiert dies ab dem 30. Lebensjahr, in einigen Fällen auch schon früher. Der Zeitpunkt des Ergrauens ist ebenso wie die Haarfarbe genetisch vorbestimmt, kann aber durch Umweltfaktoren früher eintreten: UV-Strahlung, Rauchen, Stress und Nährstoffmangel beschleunigen den Prozess des Ergrauens.
Ebenfalls vererbt ist die Haarstruktur. Man unterscheidet zwischen glattem, welligem, lockigem und krausem Haar. Wird das Haar in ovalen und schmalen Follikeln gebildet, hat es mehr Quervernetzungen zwischen den Keratin-Fasern und wird dadurch lockig. Je lockiger das Haar, desto trockener ist es oft. Daher sollte die Pflege bei lockigen und krausen Haaren besonders reichhaltig sein. Das geht auch mit natürlichen Inhaltsstoffen.
Warum natürliche Haarpflegeprodukte?
Viele Menschen bevorzugen Haarpflegeprodukte mit pflanzlichen Inhaltsstoffen, weil sie diese als milder, weniger giftig und natürlicher empfinden. Konventionelle Shampoos enthalten tatsächlich oft starke Tenside, die zwar die Haare reinigen, aber auch die natürliche Schutzbarriere der Kopfhaut schwächen. Das kann zu Hauterkrankungen führen. Auch die in Haarpflegeprodukten oft enthaltenen Parabene stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein, weil sie in den Hormonhaushalt eingreifen können.
Für die Umwelt sind manche Inhaltsstoffe ebenso kritisch: Um Palmöl für Tenside zu gewinnen, wird beispielsweise der Regenwald abgeholzt. Viele Produkte enthalten zudem Silikone. Dieser flüssige Kunststoff lässt die Haare zwar kurzfristig glänzen, gut kämmen und gesund wirken, indem er sie versiegelt. Langfristig helfen Silikone dem Haar aber nicht und belasten zudem die Umwelt. Auch Mikroplastik aus Shampoos, Spülungen und deren Verpackungen gelangt durch das Duschwasser in Bäche, Flüsse und Meere. Denn Kläranlagen können die winzigen Partikel nicht herausfiltern.
In Haarpflegeprodukten der Naturkosmetik wird meist auf Parabene, Silikone und Mikroplastik verzichtet, ebenso wie auf synthetische Konservierungsstoffe, Emulgatoren und Parfümierung. Stattdessen pflegen Inhaltsstoffe natürlicher Herkunft wie Traubenkernöl das Haar. In einigen Fällen können diese aber ebenfalls Gesundheitsrisiken bergen. Ätherische Öle als natürliche Duftstoffe und Pflanzenextrakte können beispielsweise allergische Reaktionen oder Hautempfindlichkeiten auslösen.
So stellen Sie Shampoo und Spülung selbst her
Für die natürliche Haarwäsche ohne chemische Zusatzstoffe kann man sein Shampoo auch selbst herstellen. Dazu reibt man eine kleine Menge Kernseife zu Flocken und mischt sie mit warmem Wasser, bis sich die Seifenflocken aufgelöst haben. Für gewünschte Zusatzwirkungen können Sie Hausmittel hinzufügen: Kamillenextrakt wirkt zum Beispiel entzündungshemmend und aufhellend, Kräuter spenden einen angenehmen Duft, Schwarztee soll für Glanz bei dunklen Haaren sorgen und Kokosmilch brüchige Haare pflegen. Das so eigens produzierte Shampoo sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden, da es keine Konservierungsstoffe enthält. Als Alternativen eignen sich auch Natron oder Roggenmehl für die Haarwäsche.

Als natürliche Spülung kann eine saure Rinse aus Apfelessig oder Zitronensaft für Glanz und Kämmbarkeit sorgen. Dafür einfach zwei Teelöffel Apfelessig oder sechs Esslöffel Zitronensaft mit einem Liter Wasser mischen und nach dem Waschen auf das feuchte Haar auftragen. Nach Belieben direkt trocknen lassen oder auswaschen. Alternativ können Sie Olivenöl oder Kokosöl in das nasse Haar einmassieren. Das natürliche Fett legt die Haarschuppen an und erhält besonders bei Locken die Feuchtigkeit, Flexibilität und Geschmeidigkeit der Haare.
Bei erblich bedingtem Haarausfall kann angeblich Rosmarinöl helfen. Eine Massage der Kopfhaut mit diesem Öl soll die Durchblutung anregen und ähnlich wirksam wie der Arzneistoff Minoxidil sein. Die Kausalität konnte aber bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Haare gesund pflegen
Neben den richtigen Inhaltsstoffen können auch Pflegeroutine und Lebensstil gesunde Haare unterstützen. So sollte Shampoo zum Beispiel nur auf die Kopfhaut und die ersten fünf Zentimeter des Haares aufgetragen werden, um dort Talg zu entfernen. Es empfiehlt sich, die Haare ungefähr alle drei Tage zu waschen. Zu seltenes Waschen bei starker Talkproduktion begünstigt Hefepilze und Bakterien auf der Kopfhaut.
In den Längen verwendet man kein Shampoo, sondern Pflegeprodukte, um Feuchtigkeit in den Haaren zu speichern. Anschließend sollten die Haare nicht im nassen Zustand gekämmt werden, da sie dann leichter brechen. Achten Sie zudem darauf, ihre Haare mit einem Hut oder Ähnlichem vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen. Die UV-Strahlung schwächt sonst die Struktur der Haare und macht sie anfälliger für Spliss und Brüche.
Zu wenig Bewegung, Rauchen, Schlafmangel und eine mangelhafte Ernährung schaden der Durchblutung der Haarwurzel und so dem Haarwuchs. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eisen, Vitamin D3, Biotin und Zink unterstützt hingegen die Aktivität der Haarwurzel. Lebensmittel wie Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Eier enthalten gleich mehrere dieser Nährstoffe.

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