
Die aktuellen Bemühungen um mehr Digitale Souveränität in Europa zeigen hiesigen Cloudanbietern auch ganz ohne KI auf, dass man für den eigenen Hochlauf der Rechenzentren einen langen Atem braucht. So geht es auch Schwarz Digits, der Cloudtochter der Schwarz-Gruppe, die auch hinter den Einzelhändlern Lidl und Kaufland steckt. Einerseits baut man für 5,6 Milliarden Euro ein neues Rechenzentrum in Mecklenburg-Vorpommern, wie mobiFlip berichtet. An anderer Stelle steht man vor weit größeren Herausforderungen.
Das berichtet das Manager Magazin (Paywall, via Golem) in einer aktuellen Recherche. Demnach befindet sich die Cloudsparte derzeit an einem kritischen Punkt, wo mehr als 90 % des Umsatzes von gut 2,2 Milliarden Euro aus dem eigenen Unternehmen kommen, wobei die Stackit-Cloud als Kernprodukt nur 46,5 Millionen Euro im letzten Fiskaljahr beisteuerte. Zudem machen fehlende Kapazitäten derzeit weitere Probleme.
So wurden hausinterne Produkte wie die App Lidl Plus oder das Warenwirtschaftssystem Wawi Nexus noch nicht vollständig auf die Stackit Cloud umgestellt und Reste davon werden derzeit noch bei Google Cloud und Microsoft Azure vorgehalten. Kunden von SAP können zudem weiterhin nicht auf die Partnerschaft in der Stackit-Cloud zugreifen, müssen eine Beta verwenden oder haben Probleme mit Zertifikaten. Hoffnungsträger wie der Wire Messenger gelten mehr oder minder als gescheitert und werden intern auch nicht mehr verwendet.
So oder so: Dass es bei der aktuellen Nachfrage holprig wird, war zu erwarten, und momentan muss Schwarz Digits zumindest teilweise zu Akutmaßnahmen wie Notverkäufen von Patenten greifen. Gleichzeitig stehen die nächsten Großaufträge von instituioneller Seite schon vor der Tür. Mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und der Bundeswehr haben drei große Akteure ihr Interesse an Stackit bekundet. Es bleibt also interessant.
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