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#Schwerstarbeit fürs Leichtgewicht

Schwerstarbeit fürs Leichtgewicht

Der Sitz der Beifahrerin ist noch nicht fest vergeben. Gleich vier verschiedene Bremserinnen wird Kim Kalicki in diesen ersten Wochen der neuen Weltcup-Saison testen, um jene zu ermitteln, die mit der Bobpilotin aus Wiesbaden im Februar durch den olympischen Eiskanal in Yanqing rasen soll. Beim Auftakt am vergangenen Wochenende in Innsbruck saß die Magdeburgerin Anabel Galander hinter der 24-Jährigen. Die beiden konnten mit dem zweiten Platz hinter den Winterbergerinnen Laura Nolte und Leonie Fiebig „auf jeden Fall zufrieden“ (Kalicki) sein. Am Sonntag, beim zweiten Rennen auf derselben Bahn in Österreich, wird Fiebig in Kalickis Schlitten umsteigen.

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Alles ist in diesem Winter darauf ausgerichtet, bei den Spielen in China dabei und dann vorne zu sein. Für die deutschen Sportlerinnen bedeutet das mehr Zusammenarbeit als Konkurrenz. Nur wenn sie im Vergleich mit Kanada und Russland mindestens den zweiten Platz belegen, dürfen sie mit drei Teams nach Asien reisen. Neben dem Abschneiden im gewohnten Zweier spielen dafür auch die Ergebnisse im Monobob eine Rolle. In diesem, sagt Kalicki, hätten die Athletinnen aus anderen Nationen schon mehr und länger Erfahrung gesammelt. „Wir tauschen uns deshalb intensiv aus.“

Ihrem eigenen zwölften Platz beim Saisondebüt in Igls sollen immer bessere Touren folgen. „Wir haben noch nicht die optimale Einstellung gefunden“, sagt Kalicki. Schließlich beschäftige man sich erst seit der vergangenen Saison mit dieser neuen Herausforderung im olympischen Programm. Zudem sei es für sie als Leichtgewicht, das nur 74 Kilogramm auf die Waage bringt, nicht nur sehr anstrengend, den Bob, der mit mindestens 163 Kilogramm genauso viel wie der Zweier wiegt, allein in Schwung zu versetzen.

Sie müsse, um das Limit zu erreichen, auch noch das Gerät zusätzlich belasten. „Ich bin also doppelt benachteiligt.“ Der Zweier sei stabiler zu fahren. „Dadurch, dass man hinten nichts auf der Achse hat, rutscht man im Einer leichter aus den Kurven“, sagt Kalicki. Jeder Test und jedes Rennen diene jedoch der Konstanz und Leistungssteigerung.

„Das war mit der krasseste Wettkampf“

Fix ein gutes Fahrgefühl zu entwickeln und mit einem robusten Nervenkostüm Druck standzuhalten, das zeichnet die ehemalige Leichtathletin aus. So war sie im Bobsport, in dem sich die frühere Hürdensprinterin 2015 erstmals versuchte, im Zweier an die Lenkseile und rasend schnell zum Erfolg gekommen. Zwei Jahre nach dem Einstieg war das Talent erstmals U-23-Weltmeisterin, ihre beiden ersten WM-Teilnahmen bei den Großen 2020 und 2021 schloss die Polizeikommissarin jeweils mit Silber ab.

Von nicht ausbleibenden Stürzen und Verletzungen ließ sich die Athletin des TuS Eintracht Wiesbaden nie lange bremsen. Doch ein angeschlagener Beuger hätte die Weltcup-Debütantin von 2019 diesmal beinahe um die Teilnahme an der Serie gebracht. Nach bis dahin guter Vorbereitung musste Kalicki wegen der Blessur von Juli an pausieren und war erst nach zehn Wochen zu 100 Prozent wieder fit. Bei der Selektion auf der zukünftigen Olympiabahn lag sie vor dem letzten Durchgang noch eine halbe Sekunde hinter Stephanie Schneider zurück. Dann schnappte sie der im finalen Lauf strauchelnden Oberwiesenthalerin das dritte und letzte Ticket vor der Nase weg.

„Das war mit der krasseste Wettkampf, den ich jemals erlebt habe“, sagte Kalicki nach der „super nervenaufreibenden“ Entscheidung. Nicht nur wegen des pandemiebedingten Zuschauerverbots ein Vorgeschmack auf das, was sie bei den Spielen an gleicher Stelle erwartet. Die Olympiabahn von Peking, die im Skigebiet der chinesischen Hauptstadt angesiedelt ist, sei „sehr anspruchsvoll“. Sturzgefährdet sei man bei den Abfahrten zwar nicht, aber man könne in einigen Kurven sehr viel Zeit verlieren. „Selbst wenn man drei Läufe lang auf Platz eins liegt, kann man, wenn man einen reinsemmelt, noch auf Platz acht zurückfallen.“ Das habe sie so extrem bislang auf keiner anderen Bahn erlebt, sagt Kim Kalicki.

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