Christopher Fuhrhop, Ihre Erfindung hat es an den Fuß des Eiffelturms geschafft. Waren Sie selbst schon in der Seine schwimmen?
Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, nach Paris zu fahren. Aber ich habe es natürlich vor, weil das schon was sehr Besonderes für mich ist, und von mir in Karlsruhe sind es mit dem TGV nur zweieinhalb Stunden. Ich finde es grandios, dass die Stadt da Maßnahmen ergriffen hat und jetzt wieder geschwommen werden kann. Ich erinnere mich, dass die Wasserqualität bei Olympia noch wirklich ein Problem war.
Sie selbst stammen aus Pforzheim. Wie sind Ihre Bojen nach Paris gekommen?
Los ging alles in der Schweiz. Da gibt es die sogenannten Badis, also Freibäder am Fluss oder See. Man kann sich im Fluss von einem Bad ins andere treiben lassen. Und damit da alle sicher bleiben, ist die Schweizer Unfallverhütungsbehörde BFU auf uns zugekommen. Das ist so ähnlich wie der TÜV. Mittlerweile gibt es in den Badis rund 15.000 Restube-Bojen. Unter uns, die sind dort so beliebt, dass sie teilweise sogar geklaut werden. In Paris waren wir dann auf einer Messe. Da ist einfach jemand von der Stadt bei uns am Stand vorbeigekommen. Zu Olympia haben die Rettungsschwimmer schon unser Equipment getragen.
Und jetzt auch die vielen Badegäste in den Freibädern . . .
Genau, unsere Boje ist dort sogar Pflicht. Nur wer einen Schwimmtest bestanden hat, darf auch ohne in den Fluss. In den drei neuen Freibädern in Paris gibt es jetzt knapp 1000 Stück. Aber wir sind weiter mit der Stadt im Gespräch. In Zukunft sollen noch mehr Freibäder am Flusslauf der Seine entstehen. Geplant sind bis zu 16 Bäder.

Was kann Ihre Boje denn? Wie soll sie helfen, Badeunfälle zu verhindern?
Es geht vor allem darum, Zeit zu gewinnen. Die Boje ist wie eine Art Erste Hilfe, um die Panik zu brechen. Wer sich festhält, kann gar nicht untergehen. Wir haben das getestet auch mit Personen, die bis zu 150 Kilogramm wiegen. Auch bei ihnen ist der Kopf über Wasser geblieben. Das kleine Modell kann man jetzt in der Seine sehen. Da schnallt man sich die Boje um die Taille. Weil die Boje hinter einem treibt, sorgt sie dafür, dass die Schwimmer sichtbar sind. Und dass sie auch sichtbar bleiben, falls sie untergehen. Das ist bei einem Rettungseinsatz wahnsinnig wichtig, aber auch bei Schiffsverkehr.
Aber es gibt auch noch ein anderes Modell?
Wir haben auch eine Boje, die nicht dauerhaft aufgeblasen ist. Das ist eigentlich das Herzstück unserer Entwicklung. (Fuhrhop holt im Videogespräch eine Tasche in der Größe eines Handys hervor, zieht an einer Leine und hat wenige Sekunden später eine längliche, gelbe Boje in der Hand.) Diese hier mit der Reißleine ist besonders geeignet für Wassersport. Da ist eine Gaspatrone dran, die durch den Zug ausgelöst wird und dann die Boje aufbläst. Das funktioniert auch noch unter Wasser. Und eben erst dann, wenn es wirklich gebraucht wird. Heißt, die Boje ist beim Sport nicht im Weg.
Sie sind selbst Wassersportler. Auf die Idee für Restube sind Sie gekommen, als Sie selbst einen Unfall hatten. Was ist passiert?
Das war nicht lustig damals, ich hatte anschließend auch erst mal keine Motivation mehr, ins Wasser zu gehen. Ich war am Atlantik Kitesurfen und habe bei sehr starkem Wind meinen Schirm nicht mehr in die Luft bekommen. Es gab damals „rip currents“, also starke Strömungen, die einen aufs Meer hinausziehen. Das ist im Endeffekt das Gefährlichste, was es an der Küste für Sportler gibt. Gegen die Strömungen kommt man nicht an. Man muss ruhig bleiben und sich raustreiben lassen und eine Strömung suchen, die einen zurück zum Ufer bringt. Aber die zu finden, ist schwierig, gerade bei starkem Wellengang und Wind. Und so war es dann auch bei mir. Wahrscheinlich bin ich letztlich nur 20 Minuten geschwommen, aber es hat sich angefühlt wie eine Stunde. Am Strand haben Freunde von mir gewartet und meinten nur: „Ja, so was ist mir auch schon mal passiert.“ Aber über solche Unfälle spricht niemand.

Und dann haben Sie sich etwas überlegt?
Genau. In so einer Situation wie meiner damals hätte alles geholfen, was Auftrieb hat. Man muss sich einfach an irgendwas festhalten können. Selbst Schwimmflügel hätten geholfen. Aber die trägt ja niemand beim Kitesurfen. Schwimmweste auch nicht. Ich wollte etwas entwickeln, was man problemlos dabeihaben kann. Die Bojen sind alle aus robustem Rettungswestenstoff und wirklich langlebig.
Die Seine ist nicht gerade der Atlantik. Sind die Bojen in einem Freibad nicht etwas übertrieben?
Ich glaube, in einem Freibad, wo das Wasser durchsichtig ist und es Rettungsschwimmer gibt, ist man auch ohne Boje sicher. Aber die Seine ist kein Freibad, sondern ein Fluss.
Und da gelten andere Regeln?
In allen Freigewässern, also See, Meer oder Fluss, ist die Boje wirklich eine Empfehlung. Was viele nicht auf dem Schirm haben, ist, dass es um mehr als einen selbst geht. Viele Badeunfälle passieren, wenn Schwimmer sich gegenseitig zu helfen versuchen. An einer Boje können sich mehrere Leute festhalten. Unsere Kunden erzählen uns auch, dass sie sich mit Boje einfach wohler fühlen, dass es ein wenig wie ein Anschnallgurt im Auto ist.

Im Straßenverkehr gilt Anschnallpflicht. Plädieren Sie auch für eine Bojenpflicht in Freigewässern?
Ich persönlich glaube, mit Regeln kommt man manchmal nicht besonders weit. Wichtig finde ich, dass an der Wasserkompetenz gearbeitet wird. Wasser verstehen geht über schwimmen lernen hinaus. Man muss Gefahren einschätzen können. Es klingt übertrieben, aber einfach so in einen Fluss wie den Rhein zu hüpfen, ist, wie auf eine Autobahn zu laufen. Das ist einfach nicht sicher.
Mal ehrlich, benutzen Sie Ihre Boje beim Schwimmen?
Ich benutze meine natürlich, aber ich bin ja auch der Entwickler.
Und was sagen Profisportler? Nervt die nicht ein bisschen?
Wir waren neulich bei einem Triathlon, wo nur mit einer Restube-Boje teilgenommen werden durfte. Das gibt es immer häufiger bei Sportevents. Jedenfalls wurde einer der Sportler auch gefragt, ob ihn die Boje hinter ihm nicht stört. Er meinte dann: „Solange ich mir wegen des Wasserwiderstands nicht die Beine rasiere, kann ich auch mit Boje ins Wasser.“
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