Nachrichten

#Sex and Drugs and Biathlon

Sex and Drugs and Biathlon

Jagdausflüge mit anschließender Trophäenlieferung, ein Aktenkoffer voller Dollarnoten, die Dienste diverser Prostituierter – die Drahtzieher des russischen Dopings hatten in Anders Besseberg, dem Präsidenten des Biathlon-Weltverbandes (IBU) aus Norwegen, einen derart korrupten und willfährigen Partner bei der Vertuschung von Doping und dem Aushebeln von sportpolitischen Sanktionen, dass die Untersuchungskommission, die sich zwei Jahre lang damit beschäftigte, ohne Umschweife zur Sache kommt.

Christoph Becker

Michael Reinsch

Im ersten Satz ihres Berichtes, der an diesem Donnerstag veröffentlicht worden ist, hält sie der IBU und der Welt des Sports „Beweise für systematisch korruptes und unethisches Verhalten ganz an der Spitze der IBU für ein Jahrzehnt“ vor. Besseberg schien „keinerlei Sinn für ethische Werte gehabt zu haben und kein wirkliches Interesse daran, den Sport vor Betrug zu schützen“.

Dem Verband hätten elementare Mechanismen zur Durchsetzung von richtigem Führungsverhalten (governance) gefehlt. Was mit Razzien der norwegischen und der österreichischen Polizei am Sitz der IBU in Salzburg und an den Wohnsitzen von Besseberg und IBU-Generalsekretärin Nicole Resch im April 2018 begann, muss nach Ansicht der Untersuchungskommission zu Reformen führen, die weit über den Biathlon-Verband hinausgehen.

Erschütterung bei der IBU

Als „Beispiel für die Bedeutung von good governance im Sport“ beschrieb der Vorsitzende der Kommission, der britische Kronanwalt Jonathan Taylor, am Donnerstag den Bericht. Er zeige, warum alle Fragen der Integrität ausschließlich von einem unabhängigen Gremium getroffen werden sollten, dessen einzige Aufgabe der Schutz der ethischen Werte des Sports ist, und nicht von einem Exekutivrat, der mit einer Vielzahl von widerstrebenden Interessen umzugehen habe. Unverhohlen empfehlen Taylor und die Mitglieder der Kommission, unter ihnen die Anwältinnen Tanja Haug und Anja Martin von der Münchener Kanzlei SportsLawyer, den Report anderen Verbänden zur Lektüre. Sie könnten feststellen, ob er ihnen beim Erreichen höchster Standards von Governance und Integrität in ihrem eigenen Sport helfe.

IBU-Präsident Olle Dahlin gab sich, obwohl die Fälle nicht neu sind, von den beschriebenen Verstößen erschüttert. Dabei ist das Erschreckende an dem Bericht die Offenlegung der im System des Sports enthaltene Verletzlichkeit von dessen Regeln und Integrität. Dies will das Biathlon, wie bereits der Weltverband der Leichtathleten, mit seiner Integritäts-Einrichtung korrigieren. Die Vorsitzende dieser „Integrity Unit“, die irische Juristin Louise Reilly, versprach, dass deren Arbeit den Sport verändern werde.

IBU-Präsident Anders Besseberg, hier 2017


IBU-Präsident Anders Besseberg, hier 2017
:


Bild: dpa

Auf 220 Seiten legen die Biathlon-Ermittler dar, wie einfach es sein kann, die Integrität des sportlichen Wettbewerbs über Bord gehen zu lassen, um Pflichten und Vorzüge des Funktionärslebens mit privaten Interessen aufs trefflichste zu verquicken. Besseberg interessierten vor allem die Jagd und Sex mit jungen Frauen. Die Russen boten ihm beides, wie der Report ausführlich beschreibt, also wollte Besseberg nach Russland, mit Weltcups und Weltmeisterschaften. Alexander Tichonow, der starke Mann des russischen Biathlons, konnte sagen: „Besseberg ist unser Mann.“ Seiner, insbesondere, denn Tichonow durfte erster Vizepräsident der IBU bleiben, obwohl er, nach Flucht an den Verbandssitz Salzburg, in seiner Heimat wegen der Beteiligung an einem Mordkomplott verurteilt (und prompt amnestiert) worden war.

Und obwohl schon ab 2008 das russische Doping im Biathlon auffiel, obwohl ein russischer Athlet dem IBU-Vorstand Jim Carrabre sagte: „Uns kriegt ihr nicht“, passierte – nahezu – nichts. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte über Jahre keinen Einblick in die Blutprofile russischer Athleten, mit denen Auffälligkeiten festgestellt werden sollten, da Generalsekretärin Resch sie wie ein Geheimnis hütete und schließlich in die Obhut der Russen gab.

Aufklärung des russischen Staats-Dopings verschleppt

Das war, als das Staats-Doping, das bei Olympia in Sotschi 2014 auch russische Biathlonsiege befeuert hatte, aufflog. Besseberg verschleppte und verzögerte die Aufklärung. Dabei orientierte er sich an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Bericht zitiert den Anwalt Stephan Netzle, der 2016 und 2017 von der IBU beauftragt war, die Verwicklung russischer Biathleten ins Staats-Doping zu untersuchen: „Damals kam Thomas Bach und sagte: ,Macht langsam. Wir wollen keine Kollektivstrafe.‘ Das war die Haltung, zu der Besseberg tendierte.“

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"