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Nach dem tödlichen Unfall an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge bei Hannover ermittelt die Polizei weiter zur Unfallursache. Noch gebe es keine Ergebnisse, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Am frühen Sonntagmorgen war ein Fahrzeug mit drei Insassen an einem Bahnübergang von einem Regionalzug „mit voller Geschwindigkeit“ erfasst worden. Der 22 Jahre alte Fahrer sowie zwei Frauen im Alter von 20 und 22 Jahren kamen ums Leben. Die Halbschranke am Bahnübergang war nach ersten Erkenntnissen geschlossen gewesen.
Unfälle an Bahnübergängen sind keine Seltenheit. Auf bundeseigenen Strecken kam es im vergangenen Jahr zu 146 Unfällen, bei denen 42 Menschen ums Leben kamen, 165 weitere wurden verletzt. Die Zahl der Unfälle insbesondere an den unbeschrankten Bahnübergängen ist dabei in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen – auch weil sich die Zahl der Bahnübergänge insgesamt deutlich reduziert hat. 2021 waren es nach Angaben einer Sprecherin der Deutschen Bahn nur noch knapp 16.000, weniger als halb so viele wie noch 1950.
Wie ein Bahnübergang gesichert wird, hängt demnach unter anderem von der Art der Bahnstrecke, der Geschwindigkeit des Zuges sowie der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße ab. Wo Züge schneller als 80 Kilometer pro Stunde fahren, ist eine technische Sicherung durch eine Schranke oder Lichtsignale erforderlich, bei mehr als 160 Kilometern pro Stunde ist kein Übergang erlaubt.
Verkehrsteilnehmer halten sich nicht an Regeln
Dabei sei die Unfallhäufigkeit an gesicherten wie nicht gesicherten Übergängen in etwa vergleichbar, so die Sprecherin. Wie aus einem Bericht der Bahn hervorgeht, sind mehr als 95 Prozent der Unfälle auf Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung zurückzuführen. Verkehrsteilnehmer missachten demnach aus Leichtsinn, Unachtsamkeit oder Ungeduld Halbschranken und Ampeln. Ein Lokführer hat dann keine Chance, seinen Zug rechtzeitig zu stoppen: Ein 1000 Tonnen schwerer Zug, der mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde unterwegs ist, benötigt circa 1000 Meter, bis er zum Stehen kommt.
Lässt sich eine gewisse Zahl an Unfällen also einfach nicht vermeiden, wenn sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten? Eric Schöne forscht an der TU Dresden zu Bahnübergangssicherheit und kennt Möglichkeiten, wie sich die Lage noch verbessern ließe. Bei den in Deutschland besonders verbreiteten Halbschranken könnten Fahrbahnteiler das Wechseln auf die Gegenfahrbahn erschweren. „Auch Blitzer könnten gegen das vorsätzliche Umfahren helfen“, sagt er. Hier gebe es aber bürokratische Hürden.
„Bahnübergänge sind kein Unfallschwerpunkt im Straßenverkehr“
Das Umrüsten auf Vollschranken sei hingegen oft keine Alternative: Denn diese müssten nach dem Schließen zunächst über Sensoren sicherstellen, dass sich kein Fahrzeug mehr auf den Schienen befindet. Dadurch dauere die Sperrung sehr viel länger als bei Halbschranken, bei denen Fahrzeuge den Schienenbereich noch verlassen können. Unachtsame Autofahrer könnte man hingegen mit auffälligeren Markierungen und Lichtzeichen, die auch aus großes Entfernung erkennbar sind, auf den Übergang aufmerksam machen.
Insgesamt sei das Sicherheitsniveau in Deutschland aber schon sehr gut, sagt Schöne. „Bahnübergänge sind kein Unfallschwerpunkt im Straßenverkehr.“ Gemessen an den 2,4 Millionen Verkehrsunfällen, die vergangenes Jahr erfasst wurden, sei der Anteil sehr gering. Dennoch gäbe es noch Luft nach oben. „In Deutschland wird auch noch nicht genug geforscht“, sagt er. Es sei hierzulande auch schwer, an konkrete Daten zu den einzelnen Unfällen zu kommen. In Großbritannien werde etwa jeder Unfall und Beinahe-Unfall behördlich untersucht, um zu analysieren, ob an der Unglücksstelle nachgebessert werden könne – auch um individuelles Fehlverhalten künftig zu vermeiden.
Und auch beim Rückbau sieht der Verkehrswissenschaftler noch Verbesserungspotential: Bis ein Übergang zugunsten einer Brücke oder einer Unterführung verschwindet, vergingen oft noch immer Jahrzehnte, die Planungs- und Genehmigungsverfahren seien sehr aufwendig. „Das ist durchaus kritikwürdig.“
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